Gastkommentar

Andreas Grassauer © Marinomed
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Dossier

"Österreich ist auf einem guten Weg"

Gastkommentar

18.12.2012
  • Wien (Gastkommentar) - Forschern an Österreichs Instituten und Universitäten steht mittlerweile ein breites Spektrum an Hilfen zur Verfügung, ihre Ergebnisse auch unternehmerisch zu verwerten. Das war nicht immer so. Als ich selbst vor mehr als 10 Jahren mein erstes Spin-Off gründete, waren AplusB-Zentren wie das INITS (www.inits.at) gerade erst in den Startlöchern. Zu dieser Zeit hatten Universitäten keine Möglichkeit Erfindungen ihrer Forscher selbst zu verwerten und Startups sind ganz einfach passiert weil engagierte Personen Unternehmen auf den Weg bringen wollten. Viel hat sich geändert und Österreich ist hier auf einem guten Weg, wobei Verbesserungen laufend passieren und wünschenswert sind.

  • Gute Förderung für Hightech-Start-ups

  • Ist die Idee so weit gereift, dass ein schriftliches Konzept vorliegt, dann ist das gründungswillige Team gut beraten, ein AplusB Zentrum wie das INITS in Wien zu besuchen und sich mit einem Gründungsberater zu treffen. Das Konzept wird zunächst auf Plausibilität geprüft und der potentielle Gründer bekommt ein fundiertes Feedback. Die Aufnahme in den Inkubator ist dann der erste Schritt einer intensiven 18 monatigen Zusammenarbeit. Geboten werden neben ein wenig finanzieller Unterstützung vor allem Know-how und ein Netzwerk von Gründern und bereits erfolgreichen Unternehmern. Für viele Hightech-Gründer ist die Pre-Seed Förderung des Austria Wirtschaftsservice AWS (www.awsg.at) der Startpunkt ihres Unternehmens. Gibt es Erfolg, so kann im Anschluss eine Seed-Förderung beantragt werden. Flankiert werden diese Maßnahmen durch Programme der Wirtschaftskammer (www.wko.at), der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG (www.ffg.at) und lokaler Förderstellen wie dem Zentrum für Innovation und Technologie ZIT (www.zit.co.at). Schwierigkeiten kann es dennoch geben.

  • Kapitalintensive Gründungen haben es schwer

  • Gründungen im Hightech-Bereich sind sehr oft kapitalintensiv, Investoren Mangelware und Anreize für private Investoren, in derartige Unternehmen zu investieren zunächst gering. Im Gegenteil, die erstmalige Zuführung von Kapital sowie andere vertragliche oder freiwillige Geld- oder Sachleistungen (und bestimmte hybride Finanzierungsformen) an Kapitalgesellschaften werden mit einer Gesellschaftssteuer in Höhe von einem Prozent besteuert. Ein Umstand, der einem internationalen Investor nur schwer zu erklären ist. Diverse Stempel- und Rechtsgeschäftsgebühren tun ihr übriges. Positiv hervorzuheben ist dagegen die Forschungsprämie in der Höhe von 10% der Aufwendungen zur Forschung und experimentellen Entwicklung, die „systematisch unter Einsatz von wissenschaftlichen Methoden“ durchgeführt wird.

  • Institutionelle Anleger, kapitalkräftige Personen und Investmentfonds sind in Österreich rar und Risikofinanzierungen über die Börse haben in Österreich keine Tradition. Was also tun? Der Blick über die Grenzen Österreichs hinaus kann lohnend sein und mittlerweile sind Förderungen der AWS und FFG auch eine Art Qualitätssiegel, das ausländischen oder inländischen Investoren ein gewisses Maß an Sicherheit gibt, dass die Geschäftsidee erfolgversprechend ist.

  • Fördern – Finanzieren - Durchstarten

  • Die in den letzten 10 Jahren aufgebauten Förderinstrumente für Start-ups sind aus meiner Sicht ausreichend und der österreichischen Politik kann hier ein gutes Zeugnis ausgestellt werden. Weil der Handlungsspielraum von Banken derzeit stark eingeschränkt ist und bei Start-ups Kredite selbst mit externen Haftungen oft nicht zu bekommen sind, sollten neue kreative Wege der Finanzierung erschlossen werden. Hightech-Gründerfonds, ausgestattet mit entsprechenden steuerlichen Anreizen für privates Kapital könnten ein Instrument für langfristige Finanzierung für Hightech-Unternehmen sein. Die aktuelle Venture-Capital-Initiative der AWS würde durch zusätzliches privates Kapital enorm gestärkt werden. Bereits vorhandene private Initiativen wie z.B. Fonds basierend auf atypisch stillen Beteiligungsmodellen und andere könnten durch klare gesetzliche Regelungen auf eine breitere Basis gestellt werden. Die fraglos gut eingesetzten Fördermittel sollten damit noch besser zum langfristigen Erfolg der Unternehmen beitragen. Auf die Ideen und die Innovationskraft der österreichischen Forscher können sich die Bürger des Landes jedenfalls nachhaltig verlassen.

Zur Person

Andreas Grassauer, Geschäftsführer und Gründer von Marinomed

Andreas Grassauer studierte Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien (Diplom und Doktorat) und ist Spezialist für virale Infektionskrankheiten. Nach dreijährigen Postdoc Forschungen an der Medizinischen Universität Wien gründete er gemeinsam mit drei Kollegen sein erstes Start-up-Unternehmen. Im Jahr 2005 trennte er sich von seinen Anteilen und gründete mit einem Team das Unternehmen Marinomed Biotechnologie GmbH und ist seither CEO. Marinomed hat, basierend auf seiner antiviralen Produktplattform Mavirex, mehrere Produkte auf dem Markt und mit Böhringer Ingelheim einen starken Partner für die internationale Vermarktung des antiviralen Nasensprays gefunden. Weitere Produkte für Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen sind in Entwicklung.

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