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Demografen erwarten kontinuierliche Expansion tertiärer Bildung

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24.08.2017
  • Wien/Alpbach (APA) - Eine Studie österreichischer Demografen geht von einer kontinuierlichen Expansion der tertiären Bildungsabschlüsse in Österreich aus. Selbst bei einem deutlichen Anstieg werde der Anteil der Erwerbspersonen mit Tertiärabschluss aber noch mehrere Jahrzehnte signifikant hinter anderen europäischen Ländern zurückbleiben, heißt es in einem Beitrag im Sammelband "Zukunft und Aufgaben der Hochschulen".

  • Für ihre Studie in dem beim Forum Alpbach präsentierten Band analysierten die Demografen Bilal Barakat und Wolfgang Lutz (beide Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bzw. Internationales Institut für angewandte Systemanalyse/IIASA) statistische Szenarien für die Entwicklung tertiärer Abschlüsse in den kommenden Jahrzehnten. Aufgrund der neuen internationalen Klassifizierung von Bildungsabschlüssen sind "tertiäre" Abschlüsse in Österreich allerdings nicht mit Hochschulabschlüssen gleichzusetzen. So gilt mittlerweile bereits die BHS-Matura als erster Tertiärabschluss.

  • "Alles, was nicht eine kontinuierliche Expansion ist, wenn auch nur moderat, stellt einen bedeutenden Bruch mit vergangenen Trends in Österreich und mit der internationalen Erfahrung und Präzedenzfällen dar", konstatieren die Studienautoren. Trotzdem werde Österreich im internationalen Vergleich beim Anteil der Gesamterwerbsbevölkerung mit Tertiärabschluss in den nächsten Jahrzehnten zurückbleiben.

  • Das ergibt sich einerseits aus dem Ausbau der Tertiärbildung auch in anderen Staaten, andererseits aber auch durch den Verzögerungseffekt: Das Bildungsabschlussprofil der Erwerbsbevölkerung verändere sich deutlich langsamer innerhalb der Zeitspanne eines Menschenlebens: "Selbst wenn die Beteiligung unter jungen Kohorten ihren Expansionskurs unbeirrt fortsetze, würde der Anteil unter der erwerbsfähigen Bevölkerung im besten Alter zwischen 25 und 64 mit einem postsekundären oder tertiären Bildungsabschluss in Österreich die 40-Prozent-Marke erst in den späten 2030ern überschreiten."

  • In Kanada bereits über 50 Prozent

  • Dieses Niveau sei heute bereits von etwa einem Drittel der OECD-Länder überschritten - selbst wenn nicht-tertiäre postsekundäre Abschlüsse ausgenommen werden. "In Kanada überschreitet diese Zahl sogar bereits 50 Prozent, ein Niveau, das in Österreich unter den derzeitigen Trends voraussichtlich nicht vor den 2060ern erreicht wird."

  • Gleichzeitig treten die Studienautoren damit auch der Ansicht entgegen, dass der Arbeitsmarkt so viele Personen mit Tertiärabschluss nicht aufnehmen könne. Die vielen empirischen Studien zugrunde liegenden Behauptungen einer "Überqualifizierung" basierten auf einer "angemessenen" Qualifizierung für einen bestimmten Job auf der Durchschnittsqualifikation derer, die ihn derzeit oft ausüben. "Diese Schätzungen können nicht die Tatsache erklären, dass höhere Abschlüsse von neuen Bewerbern verlangt werden können, auch wenn die Mehrheit der bestehenden Arbeitskräfte sie nicht besitzen." Folglich sei es "unwahrscheinlich, dass eine fehlende Nachfrage auf der Makroebene die prognostizierte weitere Expansion der postsekundären und tertiären Bildung in Österreich einschränken wird".

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