Gastkommentar

Theresia Vogel © Klimafonds/Ringhofer
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Dossier

"Der lange Atem zum Innovation Leader der Energiezukunft"

Gastkommentar

29.06.2017
  • Wien (Gastkommentar) - Es ist eine der größten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: Der Umstieg von fossiler auf erneuerbare Energie. Österreich steht vor der Aufgabe, optimalen Klimaschutz mit der Sicherung des Wirtschaftsstandorts zu vereinen. Das Ziel ist klar: Unser Land soll bis 2050 zu den internationalen "Innovation Leadern" gehören und davon profitieren.

  • Angestrebt ist dabei nicht nur die Vorreiterrolle Österreichs in der Anwendung von neuen Technologien, sondern auch in der Vermarktung von hierzulande entwickelten Technologien, Verfahren und Dienstleistungen. Dass Österreich hier aus einer starken Position startet, ist der Weitsicht der Bundesregierung zu verdanken: 2007 wurden die Zeichen der Zeit erkannt und der Klima- und Energiefonds gegründet - mit dem Ziel, die Transformation des Energiesystems zügig voranzutreiben und klimaverträgliche Lösungen für den Standort zu liefern.

  • Seit Gründung ist die Energieforschung ein erfolgreiches Flagship-Programm mit dem Schwerpunkt Technologieentwicklung. Dabei geht es immer um die gesamte Innovationskette, Projekte zur nachhaltigen Veränderung des Energiesystems von der Idee bis zur Marktreife zu unterstützen - stets unter dem Aspekt wesentlicher Effizienzsteigerungen und mit dem Ziel, insgesamt den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. Um mit dieser Strategie letztlich erfolgreich zu sein, muss immer die Balance aus Technology Push (neue Technologien) und Stimulierung des Market Pull (Nachfrage nach fossilfreien innovativen Lösungen) im Auge behalten werden.

  • Die Bilanz nach zehn Jahren Klima- und Energiefonds lässt sich sehen: Die Energieforschungsausgaben in Österreich haben sich seitdem vervielfacht. Im Jahresdurchschnitt (2008 bis 2016) wurden über den Klima- und Energiefonds 36 Prozent der Gesamtausgaben ausgeschüttet, mehr als 800 Projekte durchgeführt. Die Themenschwerpunkte lagen auf der Energieeffizienz in Industrie, bei Gebäuden, Transport und Städten mit mehr als 166 Mio. Euro Budget, auf erneuerbaren Energieträgern mit knapp 98 Mio. Euro Budget sowie auf Netzen und Speichern, die wir mit knapp 75 Mio. Euro unterstützt haben. Damit adressieren wir globale Zukunftsfelder.

  • Motor für die Energiewende: Innovationen rasch in den Markt bringen

  • Die einzig verlässliche Konstante in der Energieforschung ist die Frage nach dem späteren Markterfolg. Die Analyse unserer Programmergebnisse hat daher oberste Priorität. Unser Augenmerk liegt auf den gewonnenen Erkenntnissen, die es gilt praxisnah in Form von Maßnahmenkatalogen, sogenannten Technologie-Roadmaps, umzusetzen und zu evaluieren, welche Entwicklungen ausgereift sind und in die Praxis übergeführt werden können. Dahinter steht der Anspruch, möglichst rasch reale und signifikante Effekte bei der Einsparung von Energie oder Treibhausgasen zu erreichen.

  • Ein Beispiel dafür ist die Speicherinitiative, die wir 2015 gestartet haben, um potenziellen Marktteilnehmern fundierte Informationen über Speichertechnologien und deren Einsatzbereiche bereitzustellen und den Erfahrungsaustausch zu erleichtern. Erneut wurde klar, dass zur Stromspeicherung bereits seit vielen Jahren Pumpspeicherkraftwerke, Batterien und Schwungmassenspeicher zum Einsatz kommen, diese jedoch großteils nicht für die langfristige Speicherung geeignet sind, oder unter dem Aspekt der Netzdienlichkeit eingesetzt werden. Der Ausbau anderer Lösungswege, wie beispielsweise Power-to-Gas oder elektrothermischer Speicher gewinnt daher für die Zukunft immer mehr an Bedeutung.

  • Systemintegration - die Meisterklasse der Energieinnovationen

  • Neben den klassischen Energietechnologiefeldern entwickelt Österreich auch im Bereich der integrativen Systemlösungen und gehört diesbezüglich zu den europäischen Trendsettern. Heimische Energie-Innovationen wie "Smart Grids" (intelligente Netze) oder "Smart Cities" (zukunftsfähige Städte) zählen zum Besten, was es derzeit weltweit am Markt gibt und haben unserem Land einen immensen Vorsprung im globalen Wettbewerb verschafft. Das Einmalige an diesen vom Klima- und Energiefonds initiierten Programmen ist die Verwirklichung in Form von groß angelegten Demonstrationsprojekten, die NutzerInnen in die Projekte holen, damit die Machbarkeit der neuen Technologie unter Realbedingungen belegt wird und so ein enormes Investitionspotenzial auslösen. Möglich wurde dies durch eine gut abgestimmte thematische Schnittstelle zum Technologieministerium (bmvit).

  • Um auf der Erfolgsspur zu bleiben, gilt es unmittelbar zwei Herausforderungen zu meistern: Gesetzliche Rahmenbedingungen müssen die Umsetzung von Innovation unterstützen und daher - nahezu laufend - adaptiert werden. Außerdem muss sich die Energieforschung mit Themen beschäftigen, die bisher eher unberücksichtigt blieben, jedoch ebenso essenziell für die Energiewende sind. Dazu zählen beispielsweise Produkte und Lösungen für die energieintensive Industrie, die mit Temperaturen über 1.000 Grad Celsius arbeitet- und zwar auf Basis erneuerbarer Energie.

  • Letztlich ist zu beachten: Die Energiewende ist kein österreichisches, sondern ein globales Projekt. Unter diesem Aspekt wird der Klima- und Energiefonds gemeinsam mit dem bmvit den bisher eingeschlagenen Weg weiterverfolgen. Eine langfristig angelegte Planungsperspektive ist künftig nicht nur durch die "Energie Forschungs- und Innovationsstrategie" gegeben, sondern wird auch der Komplexität des Energiewende-Prozesses am ehesten gerecht.

Zur Person

Theresia Vogel, Klima- und Energiefonds Österreich

Theresia Vogel führt seit 15.3.2010 gemeinsam mit Ingmar Höbarth die Geschäfte des Klima- und Energiefonds. Zuvor leitete sie in der FFG den Bereich der Strukturprogramme, welcher mit einem Team von 40 ExpertInnen ein spezifisches Förderportfolio mit Fokus auf die Beseitigung struktureller Hemmnisse für industrielle Forschung und Technologieentwicklung anbietet. Frau Vogel studierte nach Abschluss der HTL Bauingenieurwesen an der TU Wien und schloss dort ihre Diplomprüfung ab. Unmittelbar nach ihrem Studium war sie als Universitätsassistentin an der TU Wien im Bereich Abfallwirtschaft und Stoffflussmanagement in Forschung und Lehre tätig. Ab 2000 war sie Leiterin des Wissenschaftsbereichs Umweltmanagement und Qualitätsmanagement an der Fachhochschule Wiener Neustadt am Standort Wieselburg und hat u.a. den Themenbereich „Nachhaltigkeit und Umweltmanagement“ aufgebaut und in diesem Themenfeld geforscht.

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