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Durch weniger Rauchen, weniger Alkohol, mehr Bewegung © APA (Fohringer)/HEF
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Ein Drittel aller Krebserkrankungen ließe sich vermeiden

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31.01.2018
  • Wien (APA-Science) - Es gibt Krebsarten, die sich scheinbar nicht verhindern lassen. Doch ein Drittel der Erkrankungen könnte vermieden werden: Durch weniger Alkohol und Rauchen, ein konsequent gehaltenes Normalgewicht, mehr Bewegung und bessere Früherkennungsprogramme. Je eher Krebs diagnostiziert wird, desto wirksamer die Behandlung. Große Hoffnung setzen Experten in neue molekulare Biomarker aus Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel und Liquid Biopsies, mit welchen personalisierte Therapien überwacht werden können. Daran wird etwa am Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics geforscht (siehe "Wollen keinen Tumor-Screenshot, sondern Live-Beobachtung" und "Es tut sich viel in der Biomarker-Forschung").

  • Fressen, saufen, pofeln, knotzen

  • Essen, trinken, rauchen, und nur ja nicht zu viel bewegen: Die Hobbys der Österreicher machen sich auf der Waage bemerkbar und bergen neben hohen Risiken für spätere Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Typ-2-Diabetes auch solche für eine Reihe von Krebsarten.

  • Dabei steht die Empfehlung, innerhalb seines Normalgewichts so schlank wie möglich zu bleiben und die Gewichtszunahme am Bauch (Bauchfett) zu vermeiden, an oberster Stelle der Empfehlungen zur Krebsprävention des World Cancer Research Fund (WCRF). Gleich an zweiter Stelle folgt die Empfehlung, sich täglich mindestens dreißig Minuten moderat zu bewegen, etwa schnell zu gehen. Noch besser wäre es, sich in der halben Stunde intensiv anzustrengen. Weitere Empfehlungen betreffen die Ernährung: Zuckerhaltige Getränke meiden, Fast Food - wenn überhaupt - nur selten verzehren.

  • 32 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind übergewichtig, knapp 14 Prozent sind adipös. Bei jungen Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren ist der Anteil Übergewichtiger und Adipöser seit 2006/2007 deutlich gestiegen. Sechs Prozent der Bevölkerung trinken täglich oder fast täglich Alkohol. 24 Prozent rauchen täglich, bei den 15- bis 29-Jährigen sind es 30 Prozent. 15 Prozent - vorrangig Männer zwischen 15 und 59 Jahren - sind laut dem Österreichischen Gesundheitsbericht 2016 täglich mindestens eine Stunde lang Passivrauch ausgesetzt.

  • Dabei weiß man, dass Rauchen für 71 Prozent aller Lungenkrebs-Todesfälle und 22 Prozent aller anderen Krebs-Todesfälle verantwortlich ist. Schlechte Lebensstilführung ist zu 37 Prozent verantwortlich für das von Anfang an aggressive Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs). Rauchen und Trinken erhöht das Risiko für Krebs im Kopf- und Halsbereich, wobei auch eine HPV-Infektion zu diesen Krebsarten führen kann.

  • Jede sechste Krebserkrankung durch Infektionen

  • Weltweit wird jede sechste Krebserkrankung von großteils vermeidbaren oder behandelbaren Infektionen verursacht. In Österreich ist die HPV (Humane Papillomaviren)-Impfung ins nationale Impfprogramm aufgenommen, sie wird für Mädchen und Burschen im Alter von zehn bis 14 Jahren empfohlen. Krebsverursacher sind auch Bakterien wie Heliobacter pylori, die als Risikofaktor für die Entwicklung eines Magenkarzinoms gelten, oder Hepatitis B- und C-Viren, die ein hohes Risiko für Leberkrebs bergen.

  • Während das Brustkrebs-Screening in Österreich nicht unumstritten ist, weil die Zahl der Teilnehmerinnen viel zu gering und die Dokumentation der Untersuchungen unzureichend sei, versprechen sich Experten vom mit Beginn des Jahres 2018 österreichweit angebotenen Dickdarm-Screening im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung für Über-50-Jährige große Fortschritte.

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