Gastkommentar

Christina Topitschnig © Privat
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Dossier

"Einfuhrkontrolle auf invasive Arten - Umsetzung der EU-Verordnung"

Gastkommentar

31.05.2017
  • Wien (Gastkommentar) - Mit 1. Jänner 2015 ist die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten (Abkürzung IAS, Invasive Alien Species) in Kraft getreten. Sie enthält grundlegende Bestimmungen zur Prävention und Minimierung der negativen Auswirkungen von IAS und hat die Erhaltung der Biodiversität als oberstes Ziel. Zusätzlich wurde im Juli 2016 im Amtsblatt der Europäischen Union die erste Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung veröffentlicht (Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141). Diese Unionsliste enthält 37 invasive Tier- und Pflanzenarten, deren nachteilige Auswirkungen durch Risikobewertungen für so erheblich eingeschätzt wurden, dass sie ein einheitliches und konzentriertes Vorgehen auf Unionsebene erfordert. Tiere und Pflanzen der Unionsliste dürfen gemäß dieser Verordnung u.a. nicht importiert, gehandelt oder in die Umwelt freigesetzt werden.

  • Die Durchführung von Einfuhrkontrollen stellt demnach einen wichtigen Punkt für die Umsetzung dieser Bestimmungen dar. In Österreich ist das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) die zuständige nationale Behörde in Bezug auf den Import von Pflanzen, Pflanzenerzeugnissen und anderen Gegenständen aus Drittländern im landwirtschaftlichen Bereich (Umsetzung des Pflanzenschutzgesetzes 2011). Durch die phytosanitäre Einfuhrkontrolle soll die Einschleppung von gefährlichen Schädlingen an Kulturpflanzen, wie z. B. Insekten, Pflanzenbakterien- oder -viren, verhindert werden. Seit August 2016 hat das BAES zusätzlich die Aufgabe der Importkontrolle auf gelistete IAS übernommen. Hierbei werden bestimmte Warenkategorien mit Herkunft aus Drittländern (inklusive der Schweiz) bei der Einfuhr in die Europäische Union auf diese Arten überprüft.

  • Beispiele für solch verbotene Arten sind u. a. einige aquatische Pflanzen wie das Brasilianische Tausendblatt (Myriophyllum aquaticum), die Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) und die Karolina-Haarnixe (Cabomba caroliniana), die über den Aquariumhandel eingeschleppt werden können. Darüber hinaus stehen auch zwei Bärenklau-Arten auf der Unionsliste, Heracleum persicum und Heracleum sosnowskyi, sowie auch der Kreuzstrauch (Baccharis halimifolia), welche etwa über verunreinigtes Saatgut eingeschleppt werden können.

  • Werden im Zuge dieser Kontrollen invasive Arten nachgewiesen, so dürfen die Waren nicht in das Gebiet der Union eingeführt werden. Die aufgegriffenen invasiven Pflanzen werden beschlagnahmt und müssen schadlos entsorgt werden.

  • Diese einheitlichen Bestimmungen bilden eine Grundlage, um der Einschleppung und Ausbreitung von IAS möglichst rasch entgegenzuwirken und somit den Schutz der heimischen Artenvielfalt gewährleisten zu können.

Zur Person

Christina Topitschnig, Expertin des Amtlichen Pflanzenschutzdienstes

Dipl.-Ing. Christina Topitschnig, Expertin des Amtlichen Pflanzenschutzdienstes am Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen an der AGES. Nach dem Bakkalaureatsstudium an der Karl-Franzens-Universität Graz (Pflanzenphysiologie, Biodindikation und Umweltmonitoring) und dem Masterstudium der Phytomedizin an der Universität der Bodenkultur fasste sie beim Amtlichen Pflanzenschutzdienst Fuß. Zu ihren Fachgebieten zählen die Expertise zu gesetzlich geregelten Schadorganismen sowie die Öffentlichkeitsarbeit in Belangen des Pflanzenschutzes. Im Rahmen ihrer koordinierenden Tätigkeit für die Pflanzenschutzdienste in den Bundesländern betreut Topitschnig u.a. auch die Online-Plattform BAES eServices im Bereich Pflanzenschutzdienst. Weiters gehört seit Veröffentlichung der Unionsliste die Durchführung der Einfuhrkontrollen in Bezug auf gelistete invasive gebietsfremde Arten im Auftrag des Bundesamtes für Ernährungssicherheit (BAES) zu ihrem Tätigkeitsbereich.

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