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Erstmals wurden Proben österreichischer Tiere analysiert © Vetmeduni Vienna/Tanja Duscher
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Eingewanderter Marderhund könnte heimische Parasiten gut verteilen

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31.05.2017
  • Wien (APA) - (Artikel vom 05.04.2017)

  • Ursprünglich in Nordamerika und in Asien heimisch, haben der Waschbär und der Marderhund den Sprung nach Europa geschafft und fühlen sich mittlerweile auch in unseren Breiten zuhause. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) Wien berichten nun im Fachblatt "Parasitology Research", dass vor allem der mit dem Fuchs verwandte Marderhund dessen Parasiten trägt.

  • Die beiden tierischen Einwanderer - Wissenschafter sprechen von "Neozoen" - haben sich ausgehend von Nordeuropa auf den Weg in Richtung Süden gemacht. Da Abschüsse der beiden Tiere nicht in allen Bundesländern erfasst werden, lasse sich ihre ungefähre Zahl in Österreich nicht seriös abschätzen. "Der Trend geht aber bergauf", erklärte die Erstautorin der Studie, Tanja Duscher, im Gespräch mit der APA. Häufigere Meldungen über Kontakt mit Waschbären gebe es aus Oberösterreich. Das liege auch daran, dass die Tiere, die seit den 1930er-Jahren nach Ausbrüchen aus Pelztierfarmen in Deutschland "heimisch" sind, vermutlich vor allem aus dem Norden zuwandern.

  • Für den optisch dem Waschbären nicht ganz unähnlichen Marderhund gebe es immer wieder Meldungen aus Niederösterreich. "Auch das ist von der Einwanderungsrichtung her recht logisch", so die Forscherin. Der Marderhund erschließt sich Europa nämlich vom Nordosten aus, wo er zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ausgesetzt wurde. Gemeinsam ist beiden Tiere, dass sie sich in den hiesigen Umweltbedingungen vor allem im Flachland gut zurecht finden. Einzelne Nachweise gebe es allerdings auch bereits aus alpinen Lagen, erklärte die Wissenschafterin vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, die für beide Tierarten ein sogenanntes Habitatmodell erstellt hat.

  • Beide kommen als Wirt in Frage

  • Die Wissenschafter um Tanja Duscher und Georg Duscher gingen in ihrer aktuellen Untersuchung der Frage nach, in welchem Ausmaß die anpassungsfähigen Tiere nun auch zu Trägern von in ihrem neuen Lebensraum etablierten Krankheitserregern werden. Prinzipiell kommen beide als Wirt für unterschiedliche Parasiten in Frage, die auch auf den Menschen übertragen werden können, darunter etwa der Fuchsbandwurm.

  • Die Forscher analysierten im Labor erstmals Proben österreichischer Tiere. Im Zuge dessen stellte sich heraus, dass vom Marderhund eine größere Verbreitungsgefahr ausgeht als vom Waschbär. Der Grund dafür liegt in seiner nahen Verwandtschaft zum Fuchs. Neben Erregern, die nicht auf den Menschen übertragen werden können, wiesen die Forscher sowohl den Fuchsbandwurm als auch den Saugwurm Alaria alata in einzelnen Marderhund-Proben nach. Fuchsbandwurm-Infektionen zeigten sich in Proben aus Westösterreich, während Alaria alata offenbar großteils im Osten vorkommt. Das decke sich mit Proben von Füchsen aus beiden Regionen. Ortsübergreifend fanden die Wissenschafter einen weiteren Parasiten in Marderhunden und Füchsen. "Der Marderhund ist damit eindeutig ein zusätzlicher Überträger fuchstypischer Parasiten und sollte regelmäßig kontrolliert werden", so Georg Duscher vom Vetmed-Institut für Parasitologie in einer Aussendung.

  • Der Waschbär könnte mit dem Waschbärspulwurm zwar ebenfalls eine für Menschen gefährliche Krankheit übertragen. In der Untersuchung wurden jedoch keine Parasiten nachgewiesen. "Die Waschbären stammen ursprünglich vorwiegend aus Gehegehaltung und sind wohl dank tierärztlicher Kontrollen noch weitgehend frei von Parasiten", erklärte Georg Duscher.

  • Service: Die Publikation online: http://go.apa.at/l0U9RECJ

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