Dossier

6
Dossier

Haltbarkeit von Lebensmitteln in Echtzeit messen

Dossier

31.03.2017
  • Wien (ACR) - Viele Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Österreichs Müll, ein großer Prozentsatz davon noch genießbar und original verpackt. Häufig ist das Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums, das irritierenderweise als Ablaufdatum bezeichnet wird, der Grund, warum ein Produkt zu Abfall wird. Das ACR-Institut OFI hat sich in den letzten Jahren gemeinsam mit acht internationalen Partnern im Rahmen des Projektes TOXDTECT intensiv mit einer Verpackungslösung für dieses Problem auseinandergesetzt.

  • Am Beispiel von verpacktem Rindfleisch wurde der Versuch gestartet, eine innovative Verpackungslösung zu entwickeln, die eine individuelle Haltbarkeitsmessung ermöglicht. Mit viel Engagement ist es dem interdisziplinären Forschungsteam gelungen Ergebnisse zu erzielen, die hierfür den Grundstein legen.

  • Die Verpackung wird mit neuartigen Sensoren ausgestattet, die es ermöglichen mittels externen Lesegeräts und Software die Haltbarkeit von Rindfleisch in Echtzeit zu definieren. Grundlage dafür bilden das Vorkommen und die Konzentration von flüchtigen organischen Verbindungen, die im Fleisch entstehen. Sie werden von den in die Verpackung eingearbeiteten Sensoren gemessen und mittels Software ausgewertet. Somit kann für jeden Einzelfall die individuelle Haltbarkeit des Fleisches eruiert werden.

  • "Die neuartige Verpackungslösung garantiert einerseits längere Haltbarkeiten, andererseits wird es möglich schadhafte und unsachgemäß behandelte Verpackungen, die verkürzte oder überschrittene Haltbarkeit aufweisen, auszusortieren, bevor sie in den Handel gelangen. Ein klarer Vorteil, nicht nur für Konsumenten. Auch Produzenten und der Handel profitieren von größerer Produktsicherheit und Frische", erklärt Ing. Michael Krainz, OFI Experte für Verpackungsoptimierung.

  • Zudem zieht die Umwelt einen erheblichen Nutzen aus dieser Entwicklung. Ein signifikant reduziertes Aufkommen von Abfall an hochwertigem Fleisch und Verpackungsmaterial ist einer der positiven Nebeneffekte.

  • Nach 3 Jahren intensiver Forschungs- und Prüfungstätigkeiten im Rahmen des Projektes TOXDTECT liegen Prototypen vor, die zeigen, dass das in dem EU-Projekt erarbeitete Konzept prinzipiell eine hohe Umsetzungswahrscheinlichkeit aufweist, wenngleich noch einiges an Entwicklungsarbeit bis zum Endziel zu leisten ist. Ein wichtiger Schritt in Richtung intelligenter Fleischverpackung ist jedenfalls getan. www.toxdtect.eu

  • Den Forschungsverlauf zusammengefasst sehen Sie in diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=qJUj_-XftCE

    Quelle:
    ACR - Austrian Cooperative Research
    Haus der Forschung
    Sensengasse 1
    1090 Wien
    Tel +43 1 219 85 73
    E-Mail office@acr.ac.at
    Internet www.acr.ac.at
STICHWÖRTER
Wien  | Forschung  | Wissenschaft  | Ernährung  | Dossier  |

Dossier

2014 wurden in der EU 2,6 Mrd. Tonnen Abfall produziert, in Österreich fallen jährlich rund 60 Mio. Tonnen an. Um die Müllmengen zu reduzieren, gilt das Credo: Abfall ...

Gastkommentare

"Der sorglose Umgang unserer Hamstergesellschaft mit Müll"
von Willi Haas und Dominik Wiedenhofer
Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria Universität
"Verwertung von getrennt gesammelten Bioabfällen - mehr als Kompostierung!"
von Anke Bockreis
Professorin für Abfallbehandlung und Ressourcenmanagement der Universität Innsbruck
"Produziert für die Deponie? Einblick in die letzten Senken"
von Brigitte Karigl
Leiterin der Abteilung Abfall und Stoffflussmanagement im Umweltbundesamt
"Welche Impulse brauchen Verbraucher von der EU?"
von Ursula Pachl
Stellvertretende Generaldirektorin der europäischen Verbraucherorganisation BEUC
"Nährstoff, Schadstoff oder endliche Ressource?"
von Stephan Krämer
Leiter des Departments für Umweltgeowissenschaften
Universität Wien
"Wie kommunale Abfallwirtschaft funktioniert"
von Walter Leiss
Generalsekretär des Gemeindebundes

Hintergrundmeldungen

Mehr herausholen aus gemischten Abfällen © APA (AFP)

Projekt "ReWaste 4.0" erforscht Abfallbehandlung der Zukunft

Aus dem Restmüll noch viel mehr herausholen als bisher will das neue steirische ...
Müllvermeidung: Im "48er-Tandler" sucht Ausrangiertes neue Besitzer © Christian Houdek

"Jeder soll sich für seinen Dreck verantwortlich fühlen"

Wo Menschen leben, entsteht Müll. In Wien fällt jährlich eine Million Tonnen ...
Second Hand geht auch schick - Beispiel 48er-Tandler © PID/Christian Houdek

Repair, Re-Use und Shareconomy: Nur mal schnell die Welt retten

Die Bohrmaschine vom Nachbarn ausborgen, das Handy im Repair Cafe selbst wieder ...
Wissen ist da, aber an Umsetzung mangelt es © APA (dpa)

Umdenken statt wegschmeißen: Lebensmittel sind wertvoll

Jährlich landen laut dem Landwirtschaftsministerium rund 276.400 Tonnen an ...
Alte Bausubstanz als Goldgrube © APA (Neubauer)

Mit "Urban Mining" in Richtung ökonomisches Fließgleichgewicht

Auf politischer Ebene ist das Konzept der "Kreislaufwirtschaft", im Sinne des ...
Stoffliche Verwertung bei Elektrogeräten liegt bei 78 Prozent © APA (dpa)

Österreich recycelt die Hälfte seines Hausmülls

Im Jahr 2015 fielen in Österreich rund 4,2 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle ...

Mehr zum Thema