Dossier

Auf Hawaii gibt es weltweit die meisten Neobiota © APA (AFP)
5
Dossier

Invasive Arten befallen vor allem Inseln und Küstenregionen

Dossier

12.06.2017
  • Wien (APA) - In vielen Regionen der Erde verdrängen vom Menschen eingeschleppte Pflanzen und Tiere einheimische Arten. Hohe Bevölkerungsdichten und wirtschaftliche Entwicklung begünstigen dies, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Vor allem Inseln und Küstenregionen seien durch eine Vielzahl invasiver Arten gefährdet. Die Studie erschien im Fachjournal "Nature Ecology and Evolution".

  • Ein Team um Wayne Dawson von der Universität Durham (Großbritannien) erstellte eine weltweite Datenbank und Landkarten mit den Vorkommen von verschiedensten Tier- und Pflanzengruppen (Säuger, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische, Spinnen, Ameisen und Gefäßpflanzen) außerhalb ihres natürlichen Heimatgebiets. Damit konnten sie die Verbreitung dieser eingeschleppten Arten (Neobiota) auf 186 Inseln und 423 Festland-Regionen analysieren.

  • Am meisten eingeschleppte Arten auf Hawaii

  • Die meisten Neobiota fanden sie auf Inseln und in Küstenregionen. Hawaii nimmt den unrühmlichen ersten Platz ein, gefolgt von der Nord-Insel Neuseelands. Keine große Überraschung ist wohl, dass in der Antarktis am wenigsten invasive Arten anzutreffen sind.

  • Eine hohe wirtschaftliche Entwicklung und Bevölkerungsdichte führen in der Regel zu einer höheren Zahl von eingeschleppten Arten, erklärte Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien im Gespräch mit der APA. "Diese beiden Faktoren führen zu einem starken Austausch von Gütern und Personen durch Handel und Tourismus", sagte er. Dadurch würden viele Pflanzen und Tiere etwa absichtlich eingeführt oder in Gütern mitverschleppt.

  • Bei stark entwickelten, dicht bevölkerten Regionen sei auch die Landschaft alles andere als naturnah. Dort gibt es zumeist große Städte mit viel Bodenversiegelung und eine intensive Landwirtschaft. "In diesen gestörten Lebensräumen fühlen sich Neobiota tendenziell wohl, denn sie sind eine Auswahl vom globalen Arten-Fundus, die gut an solche Umstände angepasst sind", so der Ökologe. Bei den meisten heimischen Arten sei das hingegen nicht der Fall.

  • Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41559-017-0186

STICHWÖRTER
Eingeschleppte Arten  | Biologie  | Natur  | Wien  | Dossier  | Umwelt  | Wissenschaft  | Naturwissenschaften  | Ökosystem  |

Dossier

Bereits seit Hunderten von Jahren siedeln sich Tiere, Pflanzen, Pilze oder Mikroorganismen durch Aktivitäten des Menschen fern ihrer Heimat an und erobern neuen Lebensraum. Die Hauptverschleppung aber ...

Gastkommentare

"Einfuhrkontrolle auf invasive Arten - Umsetzung der EU-Verordnung"
von Christina Topitschnig
Expertin des Amtlichen Pflanzenschutzdienstes
"Neophyten sind in Tirol allgegenwärtig"
von Konrad Pagitz
Institut für Botanik der Universität Innsbruck
"Mit Hilfe der Bürger Neobiota aufspüren"
von Daniel Dörler
Florian Heigl und Johann G. Zaller; Arbeitsgruppe für Citizen Science
"Neobiota im Garten - eine differenzierte Betrachtung"
von Peter Fischer-Colbrie
Ehrenpräsident der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft
"Evolution im Fluss?"
von Erika Dorn
Nationalpark Donau-Auen

Hintergrundmeldungen

Auf Hawaii gibt es weltweit die meisten Neobiota © APA (AFP)

Invasive Arten befallen vor allem Inseln und Küstenregionen

In vielen Regionen der Erde verdrängen vom Menschen eingeschleppte Pflanzen und ...
Kommerzielle Nützlinge wie Schlupfwespen fressen Eier des Maiszünslers (Bild) © APA (Harald Berger/US)

Landwirte haben ein Auge auf exotische Schädlinge

Der Europäischen Union entstehen durch eingeschleppte Arten ("Neobiota") ...
Ragweed ist derzeit der gefährlichste Neophyt für Menschen © APA (dpa)

Neobiota als Krankmacher: Risiken überschaubar

Eingeschleppte Arten können in Umwelt und Landwirtschaft großen Schaden ...
Der Karpfen wird in Europa als "invasive Art" klassifiziert © APA (dpa)

Neobiota beschäftigen Wissenschaft schon eine Weile

Der Zuzug und Einfluss von Tieren, Pflanzen, Pilzen oder gar Mikroorganismen in ...
Forscher arbeiten an Maßnahmen gegen das Eschensterben © APA (Lang)

Rettungsaktion samt "Vaterschaftstest" soll Eschensterben beenden

(Artikel vom 15.5.2017)Vor rund zehn Jahren wurde eine tödliche Bedrohung für ...
Erstmals wurden Proben österreichischer Tiere analysiert © Vetmeduni Vienna/Tanja Duscher

Eingewanderter Marderhund könnte heimische Parasiten gut verteilen

(Artikel vom 05.04.2017)Ursprünglich in Nordamerika und in Asien heimisch, ...

Mehr zum Thema