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Julius Blum: Vom Hufstollen zum Europäischen Erfinderpreis

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13.08.2013
  • Wien (APA-Science) - Öffnet man irgendwo auf der Welt beispielsweise in einer Küche ein Kästchen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Scharnier-, Auszugs- und Klappensystem von der Vorarlberger Firma Julius Blum GmbH kommt. Was 1952 mit einem speziellen Gleitschutz für Pferdehufe - sogenannten Hufstollen - begann, wurde über die Jahrzehnte hinweg zu einem der führenden Hersteller von Möbelbeschlägen ausgebaut. Das war nur mit ständigen Anstrengungen in F&E möglich. Die 4.500 Patente und Gebrauchsmuster, die das Unternehmen seit den 1970er-Jahren entwickelt hat, sprechen eine deutliche Sprache. Auch der Europäische Erfinderpreis ging heuer an die beiden Blum-Mitarbeiter Claus Hämmerle und Klaus Brüstle.

  • Zu den Kunden des Vorarlberger Vorzeigebetriebs zählen große und kleine Möbelhersteller auf der ganzen Welt und der internationale Beschlagfachhandel. Weltweit beschäftigt man 5.700 Mitarbeiter in der Unternehmensgruppe. Sieben Produktionsstandorte zählt man alleine in Österreich, dazu kommen je einer in den USA, Brasilien und Polen sowie 27 Tochtergesellschaften und Repräsentanzen weltweit, wie es seitens des Unternehmens gegenüber APA-Science hieß.

  • Die Firmengruppe wird heute in dritter Generation als Familienunternehmen geführt. Neben dem hohen Innovationsgrad sieht man auch die starke internationale Ausrichtung und das "klare Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Vorarlberg", als zentrale Stärken.

  • Hochfrequente Patente

  • Um bei den Neu- und Weiterentwicklungen die hohe Frequenz - Blum reicht jährlich 40 bis 50 Neuanmeldungen beim Patentamt ein - zu halten, müsse man den F&E-Bereich mit entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen ausstatten. Am "technischen Zentrum" in Höchst arbeiten aktuell über 100 Personen in F&E, jährlich vier Prozent des Umsatzes gehen in F&E-Aktivitäten. Heuer werden das voraussichtlich immerhin etwa 80 Mio. Euro sein. Außerdem sei es sehr wichtig die Bedürfnisse der Endkonsumenten zu kennen, man sei daher im Bereich der Bedürfnisforschung entsprechend aktiv. Den am Entwicklungsprozess Beteiligten müssten zudem entsprechende Freiräume gewährt werden und die Erfahrung zeige auch, dass Führungskräfte aktiv in den F&E-Prozess eingebunden werden sollten.

  • Schlecht ist man mit diesen Strategien bisher nicht gefahren, denn 2.400 der insgesamt 4.500 Patente und Gebrauchsmuster laufen aktuell noch. Rund 1.200 internationale Schutzrechte hält das Unternehmen derzeit. Im vergangenen Jahr wurden 57 Patente neu erteilt. Im Ranking des österreichischen Patentamts belegt Julius Blum damit Platz zwei.

  • Mit externen Beratern und Forschungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie der Fraunhofer Gesellschaft, Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs oder der Fachhochschule Dornbirn, gibt es Forschungskooperationen. Die Firma bietet zudem Praktikumsplätze an, vergibt Themen für wissenschaftliche Abschlussarbeiten im technischen Bereich, zeichnet die besten aus und unterstützt diese finanziell.

  • Das Unternehmen beziehe hauptsächlich antragsorientierte Forschungsförderungen. Grundsätzlich seien die Rahmenbedingungen für die Forschung in Österreich immer noch so gut, "dass auch Entwicklungen mit erhöhtem technischen und finanziellen Risiko durchgeführt werden. Ausgehend von einem sehr guten Niveau hat sich jedoch besonders in der jüngsten Vergangenheit der mit der Förderungsabwicklung einhergehende administrative Aufwand erheblich ausgeweitet", hieß es aus der Firmenzentrale.

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