Gastkommentar

Friedrich Rödler © Öst. Patentamt
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Dossier

"Patente Betriebe"

Gastkommentar

13.08.2013
  • Wien (Gastkommentar) - Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft und bilden zugleich jenes Umfeld, in dem auch intensiv Forschung und Entwicklung stattfindet. Interessant dabei ist, dass diese hoch spezialisierten Firmen, die in ihren Geschäftsfeldern Markt- und teilweise sogar Weltmarktführer sind, in der Öffentlichkeit zum Teil nur wenig bis gar nicht bekannt sind. Der mangelnde Bekanntheitsgrad dieser Hidden Champions ändert nichts an deren wirtschaftlichem Erfolg, der auch auf einem soliden und qualitativ hochwertigen Patentsystem beruht.

  • Das Österreichische Patentamt hat das schlummernde Potenzial der heimischen Unternehmen zu Hidden Champions längst erkannt und in den Fokus seiner Bemühungen gerückt. Viele Firmen verfügen über ein großes Wissens- und Marktpotenzial, sind sich aber nicht der Risiken des Abflusses von Know-how bewusst. Chancen bleiben ungenutzt, da der professionelle Umgang mit unternehmensinternem geistigen Eigentum manchmal ein Hindernis darstellt. Hier setzt unsere behördliche Tätigkeit genauso an, wie unsere vor- und nachgelagerte Serviceleistung für Innovative. Als nur ein Beispiel aus unserem Serviceangebot möchte ich discover.ip nennen, ein Projekt des Österreichischen Patentamtes, welches gemeinsam mit dem austria wirtschaftsservice (aws) entwickelt wurde.

  • discover.ip bietet vor allem technologieorientierten KMU, die nicht die nötigen Ressourcen haben, ihr IP-Potenzial einzuschätzen, eine wertvolle Analyse. Seit der Einführung des Projekts haben österreichweit insgesamt 214 Unternehmen eine discover.ip-Analyse durchführen lassen. Die von uns servicierten Unternehmen, vom Einzelunternehmen bis zum Produktionsbetrieb mit 240 Mitarbeiter/innen, sind in den unterschiedlichsten Branchen tätig. Bei allen servicierten Unternehmen kann eine markant gesteigerte Schutzrechtsanmeldetätigkeit festgestellt werden. Als Präsident des Österreichischen Patentamtes schmerzt mich ungenütztes und ungeschütztes geistiges Eigentum ganz besonders. Angesichts der globalen Konkurrenzverhältnisse, ostasiatische Länder wie China, Japan und Korea sind auch auf dem Patentsektor unübersehbar auf der Überholspur, kann ich nicht oft genug die Bedeutung des gewerblichen Rechtsschutzes betonen.

  • Das wichtigste Gut für europäische Innovatoren/innen ist ihr geistiges Eigentum. Patente, aber auch Marken- und Designschutz, im Idealfall deren unternehmerisch kluge Kombination, sind das geeignete Instrumentarium, wenn es darum geht, Innovationen zu schützen und wettbewerbsfähig zu machen, die Forschung voranzutreiben und letztendlich den Wirtschaftsstandort Österreich abzusichern. Um die Public Awareness für die heimischen Innovatoren/ innen zu heben, haben wir Inventum, den Preis für die Erfindung des Jahres, ins Leben gerufen, um jene innovativen Menschen und Unternehmen vor den Vorhang zu holen, die wesentlichen Anteil am guten Ruf des Wirtschafts- und Forschungsstandortes Österreich haben. Inventum hat den Zweck, aus diesen versteckten Meistern Famous Champions zu machen. Sowohl 2011 als auch 2012 gab es Gewinner, die man als Hidden Champions bezeichnen kann. 2011 nahm die Firma Riegl Laser Measurement Systems GmbH mit der Weiterentwicklung eines Laserscanners die begehrte Trophäe mit nach Hause. Im Jahr danach erreichte die Zizala Lichtsysteme GmbH mit einem Voll-LED-Matrix- Scheinwerfer, der es ohne Beeinträchtigung des Gegenverkehrs oder vorausfahrender Fahrzeuge ermöglicht, dauerhaft mit Fernlicht zu fahren, Platz eins. Diese beiden äußerst innovativen und auch wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sind nur zwei Beispiele für eine Reihe von hochtechnischen, erfindungsfreudigen Unternehmen, die uns mit ihren Ideen aufgefallen sind. 2012 reichte das Spektrum der ausgezeichneten Erfindungen, die um einen Inventum-Spitzenplatz kämpften, von der Zelltherapie bei Herz-Kreislauferkrankung bis zum Verfahren zur Übertragung von vertraulichen Daten. Und: von der Hochleistungsfaser aus geschmolzenem vulkanischem Gestein über eine spezielle Magnesiumlegierung bis hin zum umweltfreundlichen Pflanzenschutzmittel. Ein riesiges Feld von Innovationen, das es zu beackern und zu nutzen gilt.

  • Ein weiteres herausragendes Beispiel für einen typischen Hidden Champion ist die Vorarlberger Firma Julius Blum. Das Unternehmen steht für kluge Investitionen in Forschung und Entwicklung und für die Wechselwirkung von Innovation, Patentschutz und wirtschaftlichem Erfolg. Mit der Erfindung Blumotion konnte Blum 2013 auch eine hochkarätige internationale Jury überzeugen und den Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Industrie gewinnen. Blum, übrigens Zweiter im von uns jährlich herausgegebenen nationalen Erfindungsranking, gehört zu jenen Firmen, die den Wert des gewerblichen Rechtsschutzes erkannt haben und ihn für ihre Vorteile zu nutzen wissen. Gerade den unbekannten Meistern ist es wichtig, sowohl national als auch international, ihre Erfindung zum Patent anzumelden. Diese Firmen genießen die Unterstützung, die sie durch unsere Behörde bekommen. Der Support reicht dabei von der Erstberatung in unserem Kundencenter bis zum persönlichen Austausch mit unseren Patent- und Rechtsexperten/innen. Denn: Um sich in den vielfältigen Möglichkeiten zurecht zu finden, braucht es kompetente Beratung und die bieten wir, die Mitarbeiter/innen des Österreichischen Patentamtes.

Zur Person

Friedrich Rödler, Präsident des Österreichischen Patentamtes

Friedrich Rödler hat an der Universität Wien Rechtswissenschaft studiert und dort im Jahr 1983 sein Doktoratsstudium abgeschlossen. Er war zunächst in der Finanzverwaltung tätig und von 1978 bis 2001 Mitglied des Rechnungshofes. Von 2001 bis 2005 war Rödler Generalsekretär im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Seit 4.4.2005 ist Rödler Präsident des Österreichischen Patentamtes. Er ist österreichischer Delegationsleiter im Verwaltungsrat der Europäischen Patentorganisation und in dieser Eigenschaft stellvertretender Vorsitzender des Haushalts- und Finanzausschusses und seit 2012 auch Mitglied des Brand Council Austria der internationalen Superbrands Organisation.

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