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An der Uni Wien gehen Forscher einer sehr alten Forschungsfrage nach © APA (Oczeret)
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Schlüssel zum Wohlklang dürfte in der Kommunikation liegen

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22.12.2016
  • Wien (APA) - Wohlklang entsteht, wenn Töne in einer bestimmten Beziehung stehen. Diese sogenannte Konsonanz empfinden wir als angenehm - sie ist die Basis "schöner" Musik. Dan Bowling vom Institut für Kognitive Biologie der Universität Wien sucht nach den psychobiologischen Ursachen für diese Präferenz. "In der Natur kommen Tonlagen nur in der sozialen Interaktion vor", erklärte er im Juli 2015 im APA-Gespräch.

  • Die einzigen Geräusche in der Natur, die konsonante Tonfolgen kennen, sind Kommunikationstöne im Tierreich. Und auch die menschliche Stimme ist voll davon. "Vermutlich wurde unsere Wahrnehmung durch die Wichtigkeit der sozialen Interaktion so geprägt, dass wir diesen Tonfolgen größere Aufmerksamkeit schenken." Im Fachjournal "PNAS" argumentierte der Forscher 2015 deshalb im Sinne einer biologischen Erklärung für das Phänomen Konsonanz-Dissonanz. "Ich denke, die Biologie ist der zeitgemäße Weg, darüber nachzudenken. Dennoch begegnen mir auch im Fachgebiet immer wieder Leute, die nur an physikalischen Erklärungen hängen."

  • Einfache Zahlenverhältnisse weisen auf Konsonanz hin

  • Physikalisch betrachtet haben Klänge, ob in Folge (Intervalle) oder gleichzeitig (Akkorde), bestimmte Eigenschaften - etwa, was das Verhältnis der Obertöne betrifft, die für die Entstehung von Konsonanz und Dissonanz entscheidend sind. Schon der griechische Mathematiker Pythagoras entdeckte, dass der Konsonanz Intervalle mit möglichst einfachen Zahlenverhältnissen zugrunde liegen. Bei der Oktave 1 zu 2, bei der Quinte 3 zu 2 etc. Das Vorkommen dieser konsonanten Intervalle ist über alle Kulturen hinweg beständig, auch die indische, chinesische oder persische Musik - obwohl auf anderen Tonsystemen basierend - beruht vorrangig auf Oktave, Quinte und Terz.

  • In der Physik und Psychophysik wird das Phänomen der harmonischen Schwingungen bestimmter Tonkombinationen seit dem 17. Jahrhundert untersucht und im Laufe der Zeit mit zahlreichen anderen Phänomenen in Verbindung gebracht. So glaubte man in der Folge von Hermann von Helmholtz (1821-1894) Forschungen, die Präferenz für Konsonanz ließe sich durch das Fehlen von Rauigkeit - also von Änderungen in der Amplitude, wie bei Kratzen, Schrammen oder Brummen - erklären. Mittlerweile konnte experimentell gezeigt werden, dass die beiden Phänomene zwar oft korrelieren, aber nicht ursächlich zusammenhängen. "Das ist als würde man sagen, etwas ist süß, weil es nicht sauer ist", so Bowling.

  • Insgesamt sieht der US-amerikanische Kognitionsbiologe in den physikalischen Erklärungen keine befriedigende Antwort auf das Warum hinter unseren Präferenzen. "Die Frage, warum unsere Wahrnehmung uns sagt, dass Konsonanz angenehm und Dissonanz unangenehm ist, wird davon eigentlich ausgeblendet."

  • Stimme könnte richtiger Ausgangspunkt sein

  • In den vergangenen 15 Jahren haben sich vor allem in der Neurobiologie viele Forschungsergebnisse angesammelt, die darauf hinweisen, dass eine Verwandtschaft mit der tonalen Struktur der Stimme besteht. "Offenbar gibt es eine verstärkte Anziehungskraft für harmonische Serien, die in der Vokalisation vorkommen."

  • Um weitere Belege für diese Theorie zu sammeln, bräuchte es vor allem Tierstudien, so Bowling. Tiere, für die soziale Kommunikation eine große Rolle spielt, müssten aufgrund dieser Ausrichtung an Konsonanz ebenfalls eine Vorliebe für wohlklingende Musik entwickeln. "Das ist teilweise gelungen, teilweise nicht."

  • Er selbst arbeite am nächsten Schritt zum Verständnis der biologischen Funktion von Musik und untersucht die prosozialen Vorteile von Rhythmus. "Wenn man eine Zeit lang seine Bewegungen mit jemand anderem synchronisiert, zum Beispiel beim rhythmischen Wippen mit dem Fuß, dann hat das enorme positive Effekte im sozialen Erleben und Verhalten", so Bowling. Mit jedem dieser Puzzlesteine könnte man so zu einem Bild von Musik als logisches Resultat des sozialen Wesens Mensch gelangen.

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