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Viele Schlagzeilen sind zumindest hinterfragenswert © APA (Gindl)
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Unter der Lupe: Was ist dran an Ernährungs-Mythen?

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30.06.2016
  • Von Stefan Thaler / APA-Science

  • Wien (APA-Science) - Rotwein schützt vor Herzinfarkten, Walnüsse machen schlau und Olivenöl hilft gegen eh fast alles: Wenn es um gesunde Ernährung geht, können die Schlagzeilen gar nicht verheißungsvoll genug sein. Die wissenschaftlichen Studien dahinter – so es sie überhaupt gibt – halten aber oft nicht das, was versprochen wird. Dementsprechend ratlos sind viele Konsumenten: Was ist bewiesen und was kann man nur glauben?

  • Einer, der dieser Frage seit Jahren auf den Grund geht, ist Bernd Kerschner. Er arbeitet am Department für Evidenzbasierte Medizin der Donau-Universität Krems und leitet die unabhängige Informationsplattform Medizin-Transparent.at. Hier werden Gesundheitsmythen, die beispielsweise in den Medien, in der Werbung oder im Internet auftauchen, in ihre Einzelteile zerlegt.

  • "Wir machen eine gründliche Literatursuche, schauen uns alle diesbezüglich relevanten wissenschaftlichen Studien und ihre Qualität an und versuchen dann, die Frage möglichst objektiv und umfassend, aber laienfreundlich, zu beantworten", so Kerschner im Gespräch mit APA-Science. Der Aufwand sei durchaus unterschiedlich, drei bis fünf Tage könne das aber schon dauern.

  • Beschränkte man sich anfangs noch auf die Analyse von Medienberichten, kam es vor rund zwei Jahren zu einer Öffnung gegenüber allen Quellen – beispielsweise Werbung sowie Behauptungen, die im Internet kursieren. Auch Leseranfragen werden gerne entgegengenommen. "Renner" sind die Themen Krebsprävention und Schutz vor Herzkreislauferkrankungen – von dunkler Schokolade über Grünen Tee bis Rotwein. Viele Anfragen gibt es zudem zu Nahrungsergänzungsmitteln und zu alternativmedizinischen Theorien, die wissenschaftlich schwer greifbar sind, wie Basenfasten oder Detox, "weil, was ist überhaupt Detox, was sind Schlacken, das ist alles nicht definiert".

  • Rund 60 Prozent der Medienberichte stark verzerrt

  • Nicht sehr verlässlich scheinen auch Medienberichte zu diesen Themen zu sein. "Rund 60 Prozent der Meldungen waren stark verzerrt, also über- oder untertrieben. Knapp 30 Prozent wurden als leicht verzerrt und nur elf Prozent als übereinstimmend mit der Evidenzlage eingestuft", verwies Kerschner auf eine entsprechende Studie.

  • Dabei stellte sich zudem heraus, dass es nur geringe Unterschiede zwischen Qualitäts- und Boulevardmedien gibt - konkret waren 52 versus 64 Prozent der Berichte stark verzerrt. "Letztere haben zwar eine Spur übertriebener berichtet. Wenn man sich aber nur die Themen anschaut, über die beide geschrieben haben, glich sich das an", so der Experte. Der einzige Vorteil der Qualitätsmedien war demnach, dass sie über bestimmte Themen gar nicht berichtet hatten. Wenig Unterschied gab es auch zwischen Online- und Print-Versionen desselben Medienhauses beziehungsweise zwischen kürzeren und längeren Geschichten.

  • Vorsicht bei Meldungen zu Abnehm-Interventionen

  • Umso auffälliger war die Auswertung nach inhaltlichen Kategorien: So waren die Berichte zu Ernährungsthemen zu 61 Prozent stark verzerrt, bei Nahrungsergänzungsmitteln waren es 70,5 Prozent, bei Abnehm-Interventionen sogar fast 100 Prozent. Tipp vom Experten: "Man sollte darauf achten, ob Quellen genannt werden und sie nachprüfbar sind beziehungsweise, ob die Information ausgewogen ist. Wird ein Nahrungsergänzungsmittel beispielsweise als das Wundermittel schlechthin beworben oder werden auch mögliche Nachteile erwähnt. Nicht sehr seriös sei es auch, wenn auf einer Webseite gleich auf den Webshop verlinkt wird.

  • Warnlichter sollten laut Kerschner leuchten, wenn beispielsweise über Tierstudien berichtet wird. "Der Titel lautet 'Mandarinen machen schlank' und dann stellt sich heraus, dass da Mäusen ein hochdosierter Stoff aus der Mandarinen-Schale verabreicht wurde. Das ist natürlich kompletter Blödsinn", so der studierte Molekularbiologe. Von Tierstudien könne man nicht einfach so auf den Menschen schließen. Zwar würden sie Hinweise liefern, "aber das kann sich beim Menschen auch ganz anders verhalten". So sei Schokolade für Katzen und Hunde giftig, "bei uns bräuchte es da schon sehr große Mengen".

  • Service: Medizin-Transparent.at

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