Gastkommentar

Klaus Pseiner und Henrietta Egerth © FFG/Petra Spiola
3
Dossier

"Vorsprung durch Forschung"

Gastkommentar

13.08.2013
  • Wien (Gastkommentar) - Fast ganz Österreich jubelt, wenn David Alaba oder Marcel Hirscher sportliche Erfolge feiern. Ebenso freuen wir uns, wenn „wir“ gemeinsam mit Christoph Waltz oder Michael Haneke einen Oscar gewinnen. Im Gegensatz dazu werden andere Spitzenleistungen aus Österreich aber kaum wahrgenommen: So wie die Erfolge der rund 400 österreichischen Unternehmen, die in ihren Märkten europa- und weltweit eine Spitzenstellung erzielt haben. Dabei hätten sie sich allemal deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie momentan bekommen. Wer weiß schon, dass die weltweit führenden Softdrink-Hersteller und Bierbrauer auf Messtechnik aus der Steiermark setzen oder jeder vierte Solarkollektor in Europa aus Kärnten stammt, um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen.

  • Dabei geht es uns nicht um Lokalpatriotismus, sondern um handfeste Wirtschaftsdaten. Unternehmen, die in ihren Segmenten eine Technologie- oder Marktführerschaft erreichen, zählen unbestritten zu den Zugpferden der heimischen Wirtschaft. Immerhin beschäftigen diese so genannten "Frontrunner"-Unternehmen rund sechs Prozent der unselbständig Erwerbstätigen in Österreich. Sie stehen auch für etwa neun Prozent der Wertschöpfung und für 41 Prozent aller Forschungsausgaben heimischer Unternehmen. Und sie erreichen Exportquoten von über 80 oder sogar 90 Prozent – eine nahezu unerreichbare Messlatte für viele andere Unternehmen. Was sie besonders auszeichnet ist, dass sie sehr stark mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen vernetzt sind und in Summe mit tausenden kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) als Zulieferer, vorgelagerten Betrieben und Unternehmens-Dienstleistern in Beziehungen stehen.

  • Nachdem die FFG in Zusammenarbeit mit ihren Auftraggebern in den letzten Jahren vor allem ihr Angebot für Kleine und Mittlere Unternehmen deutlich ausgebaut hat - etwa mit dem Innovationsscheck oder dem Markt.Start-Angebot -, haben wir daher jetzt gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie speziell für die "Frontrunner"-Unternehmen eine neue Förderschiene ins Leben gerufen. Damit werden Projekte von der Idee über die Forschung und Entwicklung von Prototypen bis hin zur Investitionsfinanzierung unterstützt. So können sowohl eine hoch dotierte Forschungsförderung (über die FFG) als auch eine Investitionsförderung für die Umsetzung ihrer Innovationen am Markt (über die aws) beantragt werden.

  • Frontrunner schaffen am Standort Österreich die Integration von Forschung, Entwicklung und Produktion. Durch ihre kreativen Ideen und ihre hochqualitative Fertigung erhalten sie den Produktionsstandort Österreich international konkurrenzfähig und schaffen bzw. sichern Arbeitsplätze in ganz Österreich. Doch der Erfolg will hart erkämpft sein: Nichts entwickelt sich so rasant weiter wie der technische Fortschritt. Entscheidend ist immer, wer wie schnell aktuelle Forschungsergebnisse in wirtschaftliche Erfolge umsetzen kann. Denn der Vorsprung durch Forschung kann nur gehalten werden, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen: Unternehmen, Forschungseinrichtungen und die öffentliche Hand, die die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen und durch die richtigen Förderinstrumente auch einen Katalysator für wirtschaftliche Erfolge zur Verfügung stellen muss.

Zur Person

Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, FFG-Geschäftsführer

Henrietta Egerth studierte Handelswissenschaften an der Johannes-Kepler-Universität (JKU) Linz und arbeitete danach einige Jahre in Brüssel. In Wien war sie für die Industriellenvereinigung (IV) tätig, ehe sie im Jahr 2000 in das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit wechselte. Dort war sie für Wirtschaftsförderungen sowie Forschung und Entwicklung zuständig. Seit September 2004 ist sie Geschäftsführerin der FFG. Klaus Pseiner studierte Biologie an der Uni Wien. Danach war er an der Universität für Bodenkultur in Wien, bei der Dornier GmbH, der Österreichischen Raumfahrt- und Systemtechnik GmbH, sowie am Systems Technology Department der ESA/ESTEC tätig. Von 1998 bis 2004 war Pseiner Geschäftsführer der Austrian Space Agency, seit 2004 ist er FFG-Geschäftsführer.

STICHWÖRTER
Gastkommentar  | Wissenschaft  | Innovationen  | Forschung  | Wirtschaft  |

Dossier

Man nennt sie Leitbetriebe, „Hidden Champions” - neuerdings auch „Frontrunner” - und je nach Definition und Untersuchungsdesign gibt es davon in Österreich knapp ...

Gastkommentare

"Patente Betriebe"
von Friedrich Rödler
Präsident des Österreichischen Patentamtes
"Ein bemerkenswerter Aufholprozess"
von Andreas Reinstaller
WIFO
"Vorsprung durch Forschung"
von Henrietta Egerth und Klaus Pseiner
FFG-Geschäftsführer

Hintergrundmeldungen

Von der Idee zur Marktführerschaft © APA/Wasserfaller

Geschichten aus dem Know-how-Land

Lampen, Flaschenverschlüsse, Möbelbeschläge, Wetterprognosen eine Liste von ...
Die Frage, was der Kunde will, sollte ganz am Anfang stehen © APA (dpa/IAF/Fraunhofer-Institut)

Hidden Champions von morgen brauchen "Kundenbrille"

In der Riege der heimischen "Hidden Champions" finden sich zwar viele ...
Thomas Haller © Simon-Kucher & Partners

"Hidden Champions sind Hochleistungsorganisationen"

Thomas Haller, Partner und Österreich-Chef bei Simon-Kucher & Partners, über ...

Das Förderprogramm "Frontrunner"

Im April dieses Jahres hat das Infrastrukturministerium (BMVIT) ein neues Förderprogramm präsentiert, mit dem man österreichische Technologie- und Marktführer ...
Für die Blumotion-Technologie erhielt die Firma den European Inventor Award in der Kategorie "Industrie" © Blum

Julius Blum: Vom Hufstollen zum Europäischen Erfinderpreis

Öffnet man irgendwo auf der Welt beispielsweise in einer Küche ein Kästchen, ...
Das Frequentis-Hauptquartier in Wien © FREQUENTIS

Frequentis: Wachstum durch Spezialisierung in Flugsicherung und Sicherheit

Mit einer starken Fokussierung auf Kommunikations- und Informationssysteme in ...
Im Hightech-Forschungslabor von MIDES © MIDES

MIDES: Reparieren statt Austauschen

Eine geradezu klassische Karriere eines Hidden Champions hat das 1995 ...
Mitarbeiter von RUAG Space in Zürich testen das Antriebssystem für den ExoMars Rover © RUAG Space

Ruag Space: Forschen für den Weltraum

Wird von irgendeinem Weltraumbahnhof aus ein europäischer Satellit in das All ...
Mit postleitzahlengenauen Unwetterwarnungen startete das Unternehmen © APA (dpa)

UBIMET: Heimischer Wetterdienstleister expandiert weltweit

Sucht man im Internet nach dem Wetterbericht, dann kommt die Prognose oft von ...
Die Konzernzentrale in Ried im Innkreis © WINTERSTEIGER

Wintersteiger: Maschinenbauer als Dreifach-Weltmarktführer

Sowohl im Bereich der Gesamtlösungen für Verleih und Service von Ski und ...

Mehr zum Thema