Dossier

4
Dossier

Wiener WissenschafterInnen erforschen eine neue Möglichkeit für zielgerichtete Therapeutikaverabreichung mittels Liposomen

Dossier

31.01.2018
  • Wien (MEDUNIWIEN) - Liposome sind Phospolipidbläschen, die als Transportmittel für Medikamente bei bestimmten Krebserkrankungen angewendet werden, aber auch bei Infektionen mit Pilzen und bei Schmerztherapie zum Einsatz kommen. Wiener ForscherInnen der MedUni Wien präsentieren nun eine neue, direktere Methode, um diese Liposomen als Trägervehikel für spezifische Krankheitstherapien zu optimieren. Die Studie wurde kürzlich in "Nanomedicine-Nanotechnology, Biology, and Medicine" veröffentlicht.

  • Vor 20 Jahren revolutionierten die <200 nm Durchmesser kleinen Liposomen als Doxorubicin Doxil die Anti-Krebsmedizin. Das Wirkprinzip der Liposomen besteht in der längeren Zirkulationsdauer im Blutkreislauf, aber mit verstärkter Anreicherung in pathologischem Gewebe (Tumoren, Infektionen, Entzündungen). Das führt zu einem höheren Wirkungsgrad der beinhalteten Medikamente am Zielort und geringeren Nebenwirkungen im entfernteren Gewebe im Vergleich zu freien Medikamenten. Damit aber die Liposomen gerichtet zu den Zielzellen, wie z.B. Tumorzellen, gelangen, braucht man ein spezifisches Bindungsmolekül, einen monoklonalen Antikörper, der einzigartige Strukturen auf den Zielzellen erkennt und der auf den Liposomen funktionell verankert wird. Die Funktionalisierung der Liposomen über die Verankerung des spezifischen Antikörpers erfolgt während der Fertigung der Liposomen durch chemische Prozesse. Dabei kann es aber zu Aktivitätsverlusten des Antikörpers als auch der Liposomen kommen.

  • Die neue Studie von Anna Ohradanova-Repic und ihren KollegInnen vom Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der Medizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit der Universität von Minho, Braga, Portugal präsentiert nun eine nicht nur intelligente, sondern auch einfache Methode für die Liposomenfunktionalisierung: die ForscherInnen verknüpften den spezifischen Antikörperteil, genannt Fab, gentechnologisch mit einem hydrophoben, also wasserabweisenden Anker. Über diesen hydrophoben Anker verbindet sich das Fab-Molekül auf ganz natürliche Art und Weise durch hydrophobe Wechselwirkung mit dem hydrophen Membranteil der Liposomen. "Es war faszinierend zu sehen, wie einfach das Zusammenfügen war. Wir arbeiteten mit zwei verschiedenen Fab-Molekülen, beide waren hoch funktionell. Wir konnten die spezifische Bindung unserer Liposomen nicht nur "in vitro" beobachten, sondern das faszinierende war, dass sie gezielt und spezifisch Tumore in Mäusen aufspürten", berichtet Studienleiterin Anna Ohrandanova-Repic.

  • Hannes Stockinger, Seniorautor der Studie, fügt hinzu: "Es gibt große Anstrengungen und auch schon Erfolge, tumorspezifische Zielstrukturen von Antikörpern auf individuellen Tumoren zu entdecken. Diese Methode, verknüpft mit unseren spezifisch funktionalisierten Liposomen, gibt Hoffnung, Krebspatienten personalisiert und nebenwirkungsfreier zu behandeln. So sehe ich unsere Methode als vielversprechende Perspektive, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns, um diese Therapiemöglichkeit in die Klinik zu bringen."

  • Dieses Projekt wurde an der MedUni Wien über die EU-FP7- und Horizon-2020-Projekte NANOFOL und FOLSMART finanziert.

  • Service: Nanomedicine-Nanotechnology, Biology, and Medicine

  • "Fab antibody fragment-functionalized liposomes for specific targeting of antigen-positive cells." Anna Ohradanova-Repic, Eugénia Nogueira, Ingrid Hartl, Andreia C. Gomes, Ana Preto, Eva Steinhuber, Vanessa Mühlgrabner, Marko Repic, Mario Kuttke, Alexander Zwirzitz, Marek Prouza, Miloslav Suchanek, Gordana Wozniak-Knopp, Vaclav Horejsi, Gernot Schabbauer, Artur Cavaco-Paulo & Hannes Stockinger. Nanomedicine, in press accepted manuscript | DOI: 10.1016/j.nano.2017.09.003 . http://www.nanomedjournal.com/article/S1549-9634(17)30170-3/fulltext

    Rückfragehinweis:
       Medizinische Universität Wien
       Mag. Johannes Angerer
       Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
       +431 40160 - 11 501
       Mobil: +43 664 800 16 11 501
       johannes.angerer@meduniwien.ac.at
       http://www.meduniwien.ac.at
  • Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1238/aom

  • *** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

STICHWÖRTER
Krebs  | Medizin  | Forschung  | Wissenschaft  | Krankheiten  | Dossier  | Gesundheit  |

Dossier

Fast neun Millionen Menschen sterben weltweit jährlich an Krebs, mindestens 14 Millionen erkranken im selben Zeitraum neu daran. Damit ist die Krankheit nach ...

Gastkommentare

"Big Data in der Krebsforschung"
von Marc Streit
Institut für Computergrafik an der Johannes Kepler Universität Linz
"Krebs-Früherkennung: Neue Chancen und Herausforderungen"
von Martin Widschwendter
Professor für frauenspezifische Tumorerkrankungen am University College London
"Krebs: An den Grenzen der naturwissenschaftlichen Betrachtung"
von Matthias Beck
Professor für theologische Ethik mit Schwerpunkt Medizinethik an der Universität Wien
"Manche Breaking News wecken bei Patienten falsche Hoffnungen"
von Paul Sevelda
Präsident der Österreichischen Krebshilfe

Hintergrundmeldungen

Brustkrebs war 2015 die häufigste Krebserkrankung bei Frauen © APA

2015 lebten in Österreich 340.840 Personen mit Krebsdiagnose

Am 4. Februar wird international der Welt-Krebstag 2018 begangen. Zum ...
2015 starben rund 8,8 Millionen Menschen an Krebs © APA

Krebs - Immuntherapie mit Aussicht auf langfristige Erfolge

Die neue Immuntherapie bei Krebs mit den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren hat ...
Kein Einzelner wird "Experte" für alle Lungenkarzinomformen sein können © APA (dpa)

Onkologe Zielinski: "Wir werden eine extreme Spezialisierung sehen"

Jährlich erkranken in Österreich 39.000 Menschen an Krebs. Weltweit sind es ...
Kosten-Nutzen-Frage wird wieder stärker diskutiert © APA (Fohringer)

Krebstherapie - Zwischen knappen Kassen und optimaler Behandlung

Der Bauchladen an innovativen Medikamenten und neuen Behandlungsverfahren bei ...
Durch weniger Rauchen, weniger Alkohol, mehr Bewegung © APA (Fohringer)/HEF

Ein Drittel aller Krebserkrankungen ließe sich vermeiden

Es gibt Krebsarten, die sich scheinbar nicht verhindern lassen. Doch ein ...
Die Maus ist ein idealer Modellorganismus © APA

Von Krebs, Mäusen und anderen Tieren

Wer "Tierversuche" sagt, ruft häufig Tierschützer auf den Plan. Die Forschung ...
LBI forscht an neuen Verfahren zur besseren Therapiefindung © LBG/Schewig-Fotodesign

"Wollen keinen Tumor-Screenshot, sondern Live-Beobachtung"

Auf der Suche nach Biomarkern eröffnet die Molekularbiologie der ...
Egger (re.), Tran: "Ziel ist, irgendwann die Krankheit zu besiegen" © LBG

Aus dem Alltag einer Krebsforscherin: "Undenkbar, nicht mehr im Labor zu stehen"

Die Molekularbiologin Gerda Egger vom Ludwig Boltzmann Institut Applied ...
Diverse Marker sind auch im Speichel nachweisbar © APA (dpa)

Es tut sich viel in der Biomarker-Forschung

Biomarker sind biologische Merkmale, die objektiv messbar sind und auf einen ...
Eine Killerimmunzelle in rasterelektronenmikroskopischer Nahaufnahme © MedUni Innsbruck/Pfaller

Krebstherapie: Experten hoffen auf Umschulung des Immunsystems

Einer besonders perfiden Strategie von Tumorzellen tritt man mit der ...
Klinische Forschung kommt kaum mit Auffinden neuer Wirkstoffe zurecht © APA (dpa)

Neue Therapien kämpfen gegen "Flaschenhals" in Entwicklung

Auf molekulare Charakteristika der Krebszellen beim einzelnen Patienten ...
61 Prozent der Betroffenen überleben mehr als fünf Jahre © APA (dpa)

Österreich mit an der Spitze bei Krebs-Überlebensraten

Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen steigt in Europa. Österreich ist mit an der ...
Moderne Medizin hält Mortalität in Grenzen © APA (AFP)

Welt-Krebstag 2018: Zahl der Krebserkrankungen steigt

Am kommenden Sonntag (4. Februar) wird international der Welt-Krebstag 2018 ...

Mehr zum Thema