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Die Universität Innsbruck in einer Luftaufnahme aus der Zeit um 1930 © APA/Universitätsarchiv Innsbruck
Die Universität Innsbruck in einer Luftaufnahme aus der Zeit um 1930 © APA/Universitätsarchiv Innsbruck

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350 Jahre Uni Innsbruck: Gesunde Luft und italo-deutsche Mischkulanz

28.12.2018

Gesunde Luft sowie viele Einflüsse aus Deutschland und Italien - was die Universität Innsbruck heute kennzeichnet, spielte bereits eine wichtige Rolle bei ihrer Gründung, die sich im Jahr 2019 zum 350. Mal jährt. Im Lauf ihrer wechselvollen Geschichte wurde die Uni zweimal aufgehoben und kämpfte immer wieder gegen ihre Unterfinanzierung.

Im 17. Jahrhundert waren sowohl Wirtschaftslage als auch Bildungslandschaft in Tirol eher trist: Mit dem Aussterben der Tiroler Habsburger ging der Hof verloren, für ein Studium mussten Tiroler nach Wien, Freiburg oder Ingolstadt übersiedeln. Die Innsbrucker Regierung warb in Wien daher mit wirtschaftlichen Gründen für die Errichtung einer Universität:"Die Aufrichtung einer Universität, ..., ist ein Gemeinnützliches, viel Geld im Land erhaltendes, auch mehr Barschaft hereinziehendes Werk." Weitere Argumente laut Universitätschronik: Die gesunde Luft, besser "als in Italia temperieret", das Aufeinandertreffen deutscher und italienischer Kultur und der "wolfaile" Wein.

Am 15. Oktober 1669 genehmigte Kaiser Leopold I. schließlich die Errichtung der Universität, die auf dem bereits 1562 in Innsbruck errichteten Jesuitengymnasium aufbaute. Volle Rechtsgültigkeit erlangte sie dann acht Jahre später mit der Ausfertigung des kaiserlichen Stiftungsbriefs und der päpstlichen Bestätigungsbulle. Das erste Hauptgebäude der Uni lag in der heutigen Herrengasse, 1776 übersiedelte man in das frei gewordene Jesuitenkolleg in der Universitätsstraße (heute die Theologische Fakultät). 1924 wurde das heutige Hauptgebäude am Innrain eröffnet.

Budgetprobleme und erste Rückschläge

Problematisch erwies sich schon in den Anfangsjahren das Budget: Finanziert werden sollte die Uni nämlich durch eine neue Steuer auf in Tirol verkauftes Hallersalz - die Einnahmen daraus lagen aber weit unter Personal- und Sachaufwand der Hochschule. Unterrichtet wurde in den Anfangsjahren von den Jesuiten, als erster Kurs wurde Logik angeboten. Die erste Fakultät war dementsprechend die Philosophische mit den "niederen Studien" wie Logik, Physik und Metaphysik bzw. später Sprachen wie Französisch und Italienisch. 1671 folgten die Theologische und die Rechtswissenschaftliche Fakultät, 1674 die Medizinische.

1781 folgte der erste größere Rückschlag: Joseph II. bevorzugte eine stärkere Förderung der Zentraluniversitäten in Wien bzw. Prag und reduzierte die Uni Innsbruck wieder auf eine höhere Schule. Erst 1792 wurde unter seinem Nachfolger Leopold II. wieder der volle Universitätslehrbetrieb in Innsbruck aufgenommen - aber nicht für lange. Die Studenten schlugen sich im Tiroler Aufstand auf die Seite Andreas Hofers. Nach dessen Niederschlagung schlug der Universität 1810 erneut die Stunde.

Und diesmal dauerte die Wiedererrichtung länger: Nach der Wiedervereinigung von Tirol mit Österreich im Jahr 1814 verknüpfte Kaiser Franz I. diese mit einer Bedingung: "Ja sag ich, sobald ich Geld seh." Erst 1826 lag dann ein staatliches Finanzierungsmodell vor - und der aktuelle Name Leopold-Franzens-Universität nach dem Gründer bzw. Wiedergründer.

In der NS-Zeit firmierte die Hochschule unter dem Namen "Deutsche Alpenuniversität". Ab Ende der 1960 Jahre folgte der Ausbau der Uni mit der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur bzw. der Herauslösung der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften aus den Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Trennung der Philosophischen Fakultät in eine Geistes- und eine Naturwissenschaftliche. Mit dem Universitätsgesetz 2002 wurde die Medizinische Fakultät in eine eigene Uni ausgegliedert, die Uni selbst gab sich einen neuen Organisationsplan mit 15 kleineren Fakultäten. Nach der Einrichtung einer Fakultät für LehrerInnenbildung besteht sie heute aus 16 Fakultäten.

An der Unis Innsbruck unterrichteten mit Fritz Pregl, Adolf Windaus, Hans Fischer (alle Chemie) sowie Victor Franz Hess (Physik) vier Nobelpreisträger. Alle vier blieben jedoch nur kurze Zeit - Pregl, Windaus und Fischer jeweils nur zwei bzw. drei Jahre, Hess immerhin sechs Jahre. Auch heute macht die Universität Innsbruck vor allem auf dem Gebiet der Naturwissenschaften Schlagzeilen: Immer wieder mit Publikationen in großen Wissenschaftsjournalen wartet etwa das Institut für Experimentalphysik um Rainer Blatt, Peter Zoller und Rudolf Grimm auf.

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