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Budapester "Soros-Uni" übersiedelt nach Wien

03.12.2018

Angesichts des Dauerkonfliktes mit der ungarischen rechtskonservativen Regierung hat die Budapester Privatuniversität Central European University (CEU) nun offiziell ihre Teilübersiedlung nach Wien bekanntgegeben. Die in den USA akkreditierten Programme werden ab September 2019 in Wien weitergeführt, hieß es bei einer Pressekonferenz in Budapest.

"Die CEU wurde gezwungen, wegzugehen", kritisierte dabei CEU-Rektor Michael Ignatieff. Es sei "beispiellos", dass eine US-Institution aus einem Land vertrieben werde, das ein Alliierter der USA in der NATO sei. Die ungarische Regierung habe mit der CEU "gespielt", das sei nun vorbei. Ignatieff erinnerte daran, dass die Regierung den Vertrag mit dem Staat New York nicht unterzeichnet hat, obwohl die CEU den gesetzlichen Anforderungen entspreche.

"Finsterer Tag für die akademische Freiheit"

Die Universität ziehe jetzt in ein Land (Österreich Anm.), in dem "man nicht mit uns spielt". In Wien sind wir "keine Flüchtlinge, wir haben größere Ambitionen". Der Rektor werde hinsichtlich der Gründe der Entscheidung der ungarischen Regierung von Premier Viktor Orban keine Vermutungen anstellen, das solle man von Orban persönlich erfragen. Laut Ignatieff sei der heutige Tag ein "finsterer Tag für die akademische Freiheit".

Die CEU hatte der Regierung von Premier Orban mit dem 1. Dezember eine Frist für die Unterzeichnung der Vereinbarung gestellt und bei Nichterfüllung die Übersiedlung ihrer in den USA akkreditierten Programme nach Wien angekündigt. "Wir konnten nicht länger warten", betonte der Rektor. Die Bekanntgabe des Umzuges sei deswegen bereits jetzt erfolgt, damit rechtzeitig Studenten für das kommende Studienjahr angeworben werden können.

Der stellvertretende CEU-Rektor Liviu Matei unterstrich den herzlichen Empfang in Wien. Dies sei "ein großer Unterschied zu Budapest". "Beide Pole" der österreichischen Politik hätten die CEU "mit offenen Armen" empfangen - sowohl die türkis-blaue Regierung als auch das rot-grüne Wiener Rathaus. Die ungarische Regierung habe hingegen "getrickst, gelogen, einen Propagandafeldzug geführt", kritisierte Matei.

Weiterhin in Ungarn akkreditiert

Die CEU werde nun ihre Tätigkeit in Wien fortsetzen, behält jedoch ihre Akkreditierung in Ungarn, wo sie weiterhin als rein ungarische Hochschule wirkt, aber keine US-Diplome mehr ausstellen darf.

Auf der Pressekonferenz wurde weiter betont: Die CEU habe in den vergangenen 20 Jahren alles unternommen, um den ungarischen Gesetzen zu entsprechen. Als Ungarn aufgrund des neuen Hochschulgesetzes Lehrtätigkeiten der US-akkreditierten Universität in den USA selbst forderte, habe die CEU in den Vereinigten Staaten eine Hochschulausbildung gestartet, die seitens der amerikanischen Behörden registriert und gebilligt wurde. Dennoch hätten die ungarischen Behörden angekündigt, dies mit dem US-Staat New York ausverhandelte diesbezügliche Vereinbarung nicht zu unterzeichnen. Diese hätte die Budapester Tätigkeiten der CEU langfristig gesichert.

Die international renommierte Central European University hat derzeit 1.200 Studenten und war 1991 vom ungarischstämmigen US-Milliardär und Philanthropen George Soros gegründet worden. Der liberale Financier gilt seit Jahren als "Staatsfeind Nr. 1" für Orban.

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