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Deutschklassen: Wien richtet „100 Fragen“ an Bildungsminister

17.05.2018

„Bei den geplanten Deutschklassen sind für uns noch viele wesentliche Fragen nach wie vor ungeklärt“, betonte heute Wiens Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky im Vorfeld des für heute vorgesehenen Beschlusses im Nationalrat. „Es wäre besser, ein Gesetz mit einer solchen Tragweite und so vielen unlösbaren Probleme für die SchulleiterInnen gar nicht erst zu beschließen, sondern zuerst das Gespräch mit den Betroffenen vor Ort zu suchen. Ich rufe den zuständigen Minister Heinz Faßmann dringend dazu auf, alles noch einmal zu überdenken!“

Wien habe bereits insgesamt 100 offene Fragen zu den geplanten Deutschklassen an Bildungsminister Heinz Faßmann übermittelt. „Dazu zählt beispielsweise die Frage, wie viele Kinder pro Deutschklassen bzw. Deutschkurs vorgesehen sind und wie viele Lehrerstunden pro Deutschklasse bereit gestellt werden“, so Czernohorszky.

Offen sei auch, „wie in Deutschförderklassen von bis zu 25 Kindern unterschiedlicher Altersstufen eine individualisierte Förderung durch eine einzige PädagogIn gewährleistet werden soll“, so Czernohorszky. „Für die Schulleitungen ist auch unklar, welche Regeln für die Deutschklassen bestehen, weil sie keine Klassen im rechtlichen Sinn sein werden. Wer ist Klassenvorstand? Wie funktioniert die Schulpartnerschaft? Welche Räume dürfen verwendet werden und wie müssen sie ausgestattet sein?“ Besonders problematisch werde es für Schulleitungen, wenn nicht ausreichend Personal zur Verfügung gestellt wird und es auch keine verfügbaren geeigneten Räume gibt.

Auch die Information der Eltern sei eine offene Frage: „Wann werden Eltern informiert, dass ihre Kinder eine Deutschklasse besuchen? Haben sie das Recht bei den kommenden Testungen anwesend zu sein? Und müssen alle Kinder – auch jene mit deutscher Muttersprache – die Tests bei der Einschreibung absolvieren?“

Den LehrerInnen sei auch unklar, mit welchen Materialien sie den Unterricht gestalten sollen und wie die künftigen Deutschklassen-Lehrkräfte geschult und unterstützt werden.

Einschnitt in Schulautonomie

„Aus unserer Sicht sind die geplanten Deutschklassen auch ein wesentlicher Einschnitt in die eben erst eingeführte Schulautonomie“, so Czernohorszky. „Warum können die Schulleitungen die Deutschförderung nicht im Sinne der Schulautonomie anhand der Bedürfnisse der SchülerInnen und der schulautonomen Konzepte umsetzen?“ Insgesamt stellt sich für Wien schließlich auch die Frage, „aufgrund welcher Befunde die bestehenden Sprachförderkonzepte abgeschafft wurden“ und „warum keine Evaluierung der Sprachfördergruppen/-kurse durchgeführt wurde.“

Deutschförderung in Kursen ausbauen

Das Ziel müsse sein, „die Deutschförderung in Kursen und kleinen Gruppen auszubauen anstatt die Gruppen auf bis zu 25 Kinder zu erhöhen“, so Czernohorszky. „Und es braucht auch mehr PädagogInnen für die Deutschförderung sowie praktikable Lösungen, die flexibel und autonom von den Schulen selbst gefunden und umgesetzt werden können!“

Rückfragehinweis:
   Michaela Zlamal
   Mediensprecherin StR Jürgen Czernohorszky
   +43 1 4000 81446
   michaela.zlamal@wien.gv.at

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