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24 Teilnehmer haben dreijährigen Uni-Lehrgang in Salzburg abgeschlossen © APA (Schneider)
24 Teilnehmer haben dreijährigen Uni-Lehrgang in Salzburg abgeschlossen © APA (Schneider)

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Erstmals "Master in Elementarpädagogik" in Österreich

06.07.2017

Mit dem Abschluss eines dreijährigen Universitätslehrganges in Salzburg haben 24 Absolventen erstmals in Österreich einen "Master in Elementarpädagogik" erworben. Die berufsbegleitende Ausbildung zielt auf eine akademische Weiterbildung von Kinderkartenpädagog(inn)en mit Schwerpunkt auf Leitung, Beratung und Mentoring ab.

Der im Jahr 2014 gestartete Lehrgang wurde in Zusammenarbeit von der Universität Salzburg, dem Zentrum für Kindergartenpädagogik des Landes Salzburg und dem katholischen Bildungszentrum St. Virgil Salzburg angeboten. Der Titel "Master of Arts in Early Childhood Education" (MA ECED) ist laut Andreas Paschon, Erziehungswissenschafter an der Uni Salzburg, international anerkannt.

Für diese geblockte Lehrveranstaltung neben Beruf und Familie haben die 22 Frauen und zwei Männer tief in die eigene Geldtasche gegriffen. Die Studiengebühr betrug insgesamt 12.000 Euro, dazu kommen noch Reise- und Ausbildungskosten.

"Riesenschritt vorwärts"

Für die ressortzuständige Landesrätin Martina Berthold (Grüne) ist dieser Lehrgang ein "riesen Schritt vorwärts" im Bereich Elementarpädagogik und ein nächster Schritt für die volle Anerkennung der Ausbildung auf Bundesebene. Die Elementarpädagogik sei in Österreich im Bildungsbereich noch nicht angekommen, sagte Berthold bei einer Pressekonferenz anlässlich der Masterfeier in der Residenz Salzburg.

Projektleiterin Michaela Luckmann kritisierte, dass Leiter von pädagogischen Einrichtungen nicht akademisch ausgebildet seien - Österreich sei hier Schlusslicht in Europa. Weder in den Gehalts- noch Ausbildungs- und Fortbildungsstrukturen sei ein Masterstudium vorgesehen. In anderen europäischen Ländern sei dies längst Standard. Die Leistung eines Elementarpädagogen müsse von der Politik anerkannt werden. Paschon ortete in Österreich ein "Kompetenzenwirrwarr", für diesen Themenbereich seien gleich mehrere Ministerien "zuständig oder nicht zuständig", und auch jeder einzelne Bürgermeister wolle bei der Bildung mitgestalten.

Durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Lehrgang in Salzburg könne die Praxisarbeit neu reflektiert werden, schilderte die frisch gebackene Absolventin Petra Longitsch ihre Erfahrungen. "Ziel ist es, dass Kinder gut heranwachsen und gebildet werden." Mit dem wissenschaftlichen Background auf dem Fachgebiet könnten die Absolventen ihren Kollegen bei der Weiterbildung helfen. Longitsch arbeitet 30 Stunden in einer Tagesbetreuung und ist selbstständig in der Fort- und Weiterbildung tätig.

Praxisrelevante Forschungsfragen in Abschlussarbeiten

Die Verantwortung der elementarpädagogischen Einrichtungen für die Entwicklung der Kinder habe für die Gesellschaft an Wichtigkeit zugenommen, betonte der wissenschaftliche Leiter des Fachbereichs Erziehungswissenschaft an der Uni Salzburg, Jean-Luc Patry. "Eine Professionalisierung ist unbedingt notwendig." Die Abschlussarbeiten des ersten Jahrganges hätten durchwegs praxisrelevante, konkrete Forschungsfragen aufgegriffen, diese würden zu Anregungen für den beruflichen Alltag führen.

Der nächste Lehrgang startet im Herbst mit 26 Teilnehmern, die alle weiblich sind. Da jetzt in Wien auch ein Bachelorlehrgang abgeschlossen worden sei, gebe es mit den Absolventen in Salzburg jetzt 50 bis 60 Mentoren in Elementarpädagogik in Österreich, ergänzte Paschon.

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