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Czernohorszky: "Was heute publiziert wurde, wird sehr ernst genommen" © APA
Czernohorszky: "Was heute publiziert wurde, wird sehr ernst genommen" © APA

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Islam-Kindergärten - Wien sieht durchaus Handlungsbedarf

21.12.2017

Wien sieht angesichts der neuen Studie zu Islam-Kindergärten Anlass für weitere Maßnahmen. Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) zeigte sich zwar erfreut darüber, dass es keine Indizien auf religiöse Indoktrinierung gebe, trotzdem seien nach dem "Feedback" der Forscher nun weitere Schritte zu setzen. Sprachförderung oder Religion sollen dabei die Schwerpunkte sein.

"Was heute publiziert wurde, wird sehr ernst genommen", versprach er im Gespräch mit Journalisten. Er habe sich schon bisher dazu bekannt, dort hinzuschauen, wo es nicht so funktioniere. Nun könne man wissenschaftlich fundiert und auf der Basis von Fakten - "und mit weniger Showcharakter" - darüber reden, was man zu tun habe. Bedauerlich finde er lediglich, dass das Forscherteam keine gemeinsame Conclusio präsentiert habe, sagte der Stadtrat.

Sprachförderung soll intensiviert werden

Er selbst zieht eine Reihe von Schlüssen aus der Arbeit, wie er berichtete. Zum einen müsse die Sprachförderung intensiviert werden. Mehrsprachigkeit sei dabei als Chance zu begreifen - denn wer sich in der Erstsprache gut ausdrücken könne, könne auch eine weitere Sprache gut lernen. Wien schneide hier jetzt schon besser ab als alle anderen Bundesländer, verwies Czernohorszky auf jüngste Evaluierungen. Trotzdem müsse es verstärkte Anstrengungen geben.

Das betrifft auch die budgetäre Ausgestaltung. Bund und Land seien hier gefordert, zeigt man sich im Rathaus überzeugt. Die für sprachliche Frühförderung zuständigen Pädagogen sind zuletzt auf 250 aufgestockt worden. Es seien aber wohl noch mehr nötig, schätzte der Stadtrat. Hier genaue Zahlen zu nennen, sei aber noch zu früh.

Bildungs- und Weiterbildungsschwerpunkte sollen laut dem Ressortchef zudem den Bereich interkulturelle Kompetenzen betreffen. Vielfalt sei als positive Ressource zu sehen: "Wichtig ist dabei die Wertschätzung dafür, was ein Kind mit sich bringt, damit nicht der Eindruck entsteht, diese Kinder wären in der Stadt nicht willkommen." Dies in den entsprechenden Lehrplänen für Pädagogen zu verankern, falle aber in die Zuständigkeit des Bundes, forderte der Wiener Stadtrat hier entsprechende Aktivität ein.

Weitere Religionsgemeinschaften sollen Rahmenpläne erstellen

Wie Religion im Kindergarten vermittelt wird, bleibe ebenfalls Thema. Wien habe mit dem entsprechenden Leitfaden ("Ethik im Kindergarten. Vom Umgang mit Religionen, Weltanschauung und Werten") bereits Schritte gesetzt. Auch die (katholische, Anm.) St. Nikolausstiftung habe als Träger hier schon ein sehr gutes Konzept. Um weitere Religionsgemeinschaften zu motivieren, vergleichbare Rahmenpläne zu erstellen, werde es einen Runden Tisch geben, kündigte Czernohorszky an.

Als problematisch erachte er, dass seit der Debatte um die erste - sehr umstrittene - Kindergartenstudie die Stimmung islamfeindlicher geworden sei. Die Diskussion um "Islam-Kindergärten" hätte Schaden angerichtet. Das hätten auch Kinder zu spüren bekommen, nach dem Motto: "Wenn du Moslem bist, verstecke dich besser." Nun sei eine Politik der ausgestreckten Hand nötig, hieß es - mit Verweis auf das "Kinderrecht Religionsfreiheit".

Laut Stadt Wien wurde vom Verfassungsdienst bis dato noch nie ein Kindergarten genannt, dessen Träger als bedenklich eingestuft wurde. Hinweisen auf mögliche islamische Indoktrinierung in den jeweiligen Einrichtungen würde zudem stets nachgegangen werden. Doch auch hier habe es bisher keinen einzigen bestätigten Fall gegeben, hieß es heute.

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