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Mittelfeldplatz gibt Ministerin (li.) und Bifie-Direktorin aber zu denken © APA (Hochmuth)
Mittelfeldplatz gibt Ministerin (li.) und Bifie-Direktorin aber zu denken © APA (Hochmuth)

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PIRLS: Ministerin erfreut über Aufwärtstrend

05.12.2017

Erfreut über den Aufwärtstrend bei der Lesestudie PIRLS zeigte sich Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) bei der Präsentation der Ergebnisse. Das sei angesichts der gestiegenen Anforderungen im Bildungssystem seit der letzten Erhebung 2011 erstaunlich - insgesamt ist sie angesichts des erneuten Mittelfeldplatzes bei einer Studie aber nicht zufrieden.

Sie finde das Mittelfeld für ein Land wie Österreich "inakzeptabel", so die scheidende Ministerin. Trotzdem zeigten die Ergebnisse, dass der Trend in die richtige Richtung gehe. So habe man in den vergangenen Jahren seitens des Ministeriums und an den Pädagogischen Hochschulen (PH) zahlreiche Maßnahmen zur Frühförderung gesetzt. Darunter fallen etwa Initiativen beim Thema Deutscherwerb, von denen die Gruppe der Schüler mit Migrationshintergrund - die in der Lesestudie deutlich schwächer abgeschnitten hat - profitieren soll.

Auswirkungen verstärkter Anstrengungen wird man erst sehen

"Wir haben Tausende Pädagoginnen geschult", so die Ministerin, die jedoch darauf hinwies, dass die Auswirkungen davon vermutlich erst in einigen Jahren sichtbar würden. Das schwächere Abschneiden 2011 habe jedenfalls viel Aufmerksamkeit auf das Thema "Lesen" gelenkt. Die Erfahrungen aus dieser Auseinandersetzung seien auch in das im vergangenen Jahr verabschiedete Schulrechtspaket eingeflossen, in dem etwa der Übergang vom Kindergarten in die Volksschule geregelt wurde.

Angesichts der in Österreich relativ starken Abhängigkeit der Leseleistung der Kinder vom Bildungsniveau der Eltern pochte Hammerschmid einmal mehr auf die Stärkung der Frühförderung im Kindergarten. Die Wirkung der bereits gesetzten Maßnahmen sei noch zu bescheiden. Erneut forderte sie, dass die Agenden für Schule und Kindergärten "aus einer Hand" - nämlich vom Bildungsministerium aus - gesteuert werden sollten.

Darüber hinaus schickte Hammerschmid einen Appell an die künftige Regierung, die Ganztagsschulen "massivst" auszubauen. Die im Bildungspapier der Koalitionsverhandler von ÖVP und FPÖ angekündigten Veränderungen im Bildungsbereich würden nicht unbedingt die Leselust erhöhen: "Mit Druck und Zwang schafft man es nicht, das Interesse der Kinder am Lesen zu wecken", sagte Hammerschmid.

Leichter Bergab-Trend in Deutschland

Einen "deutlichen Aufwärtstrend" im Vergleich zur vorigen PIRLS-Überprüfung konstatierte auch die Direktorin des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Claudia Schreiner. Viele Nachbarstaaten lägen in etwa in jenem Leistungsbereich, den österreichische Schüler erreichten. Es gehe aber auch anders: Denn die Entwicklung etwa in Großbritannien oder Slowenien sei über alle drei PIRLS-Studien der vergangenen zehn Jahre deutlich positiv. Leicht bergab ging es seit 2011 umgekehrt in Deutschland.

Die Unterschiede bezüglich des Bildungsniveaus der Eltern bzw. zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund seien leider tendenziell im Steigen. Auch wenn hier der Vergleich mit anderen Ländern schwierig sei, könne man sagen, dass die Schere in Österreich ein wenig stärker auseinandergehe.

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