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Die Privatuniversität war 1991 durch George Soros gegründet worden © APA (AFP)
Die Privatuniversität war 1991 durch George Soros gegründet worden © APA (AFP)

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Privatuni CEU kündigt Teilübersiedlung von Budapest nach Wien an

03.12.2018

Angesichts des andauernden Konflikts mit dem ungarischen Staat hat die Budapester Privatuniversität Central European University (CEU) nun offiziell ihre Teilübersiedlung nach Wien bekanntgegeben. Die in den USA akkreditierten Programme werden ab September 2019 in der österreichischen Bundeshauptstadt weitergeführt, hieß es in einer Aussendung.

"Die CEU wurde gezwungen, wegzugehen", zitierte der Text CEU-Rektor Michael Ignatieff. "Das ist beispiellos. Eine US-Institution wurde aus einem Land vertrieben, das ein Alliierter (der USA, Anm.) in der NATO ist. Eine europäische Institution wurde aus einem EU-Mitgliedsstaat verdrängt."

Die Universität behält demnach ihre Akkreditierung in Ungarn und wird dort weiterhin als rein ungarische Hochschule wirken, darf aber keine US-Diplome mehr ausstellen.

Die international renommierte Privatuniversität mit derzeit 1.200 Studenten war 1991 durch den ungarischstämmigen liberalen US-Milliardär und Philanthropen George Soros gegründet worden, den die rechtsnationale ungarische Regierung von Viktor Orban inzwischen zum Staatsfeind Nr. 1 erkoren hat. Ein neues ungarisches Hochschulgesetz aus dem Jahr 2017 hatte laut Kritikern offenbar einen Angriff auf die CEU zum Hauptziel. Obwohl die in Ungarn und den USA akkreditierte Universität laut CEU-Spitze mittlerweile die Anforderungen des Gesetzes erfüllt, hat sich die ungarische Regierung bis zum Stichtag 1. Dezember geweigert, das Abkommen mit dem US-Staat New York zu unterzeichnen und damit den Standort der CEU in Budapest zu erhalten. Damit darf die Universität ab 1. Jänner keine neuen Studenten in Budapest mehr aufnehmen.

Wiens Bürgermeister will "herzliches Willkommen" bereiten

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat die Teilübersiedlung der CEU nach Wien begrüßt: "Die CEU hat sich ihre Entscheidung, Budapest zu verlassen, nicht leicht gemacht. Umso wichtiger ist es jetzt, dieser renommierten und gleichzeitig so sozial ausgerichteten Universität ein herzliches Willkommen zu bereiten", betonte er in einer Aussendung.

Wien unterstütze die CEU seit über einem Jahr bei der Umsetzung ihrer Übersiedlungspläne, sagte Ludwig. Die Verhandlungen würden auf Hochdruck laufen: "Mir ist wichtig, dass sowohl das Lehrpersonal als auch die Studierenden einen guten Start hier in unserer Stadt haben." Der Wiener Bürgermeister wird laut eigenen Angaben noch am Montagabend mit hochrangigen Vertretern der CEU über die weiteren Schritte reden.

Faßmann begrüßt Aufwertung des Wissenschaftsstandorts

Auch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) begrüßt die Teilübersiedlung der CEU nach Wien. Diese werde zu einer Aufwertung des Wissenschaftsstandorts Wien führen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Ministerium. Er hoffe auf eine Kooperation der CEU mit den österreichischen Fachhochschulen und Universitäten. Davon würden alle profitieren.

Das Ministerium werde die CEU nach Möglichkeit unterstützen - etwa durch informellen Austausch oder durch Kooperationen. Einzig finanziell könne es keine Förderung geben, so Faßmann. Das Privatuniversitätengesetz erlegt dem Bund ein weitgehendes Finanzierungsverbot für Privatunis auf.

Faßmann hatte erst vor zwei Wochen Universitätsgründer George Soros in Wien getroffen und mit ihm über die geplante Übersiedlung gesprochen. Grund dafür ist das Vorgehen der rechtsnationalen ungarischen Regierung - die den liberalen US-Financier Soros als "Staatsfeind Nr. 1" ansieht - gegen die international renommierte, in den USA und Ungarn akkreditierte Hochschule. Ab Herbst 2019 sollen die US-akkreditierten Programme der CEU in Wien angeboten werden, gab die Uni am Montag bekannt.

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