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Bildung bringt Geld für den Staat © APA
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Staat profitiert erheblich von höherer Bildung seiner Bürger

12.09.2017

Nicht nur der Einzelne, auch der Staat profitiert von höherer Bildung der Bürger, wie die aktuelle OECD-Studie "Bildung auf einem Blick" zeigt. Österreich lukriert aus seinen Investitionen, die den Abschluss eines Mannes im Tertiärbereich ermöglichen, unterm Strich 200.100 US-Dollar (kaufkraftbereinigt), für den Tertiärabschluss einer Frau allerdings nur 80.500 Dollar.

Bildungsinvestitionen führen auch zu höheren staatlichen Erträgen, "weil Absolventen des Tertiärbereichs höhere Einkommensteuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen und weniger sozialstaatliche Transferleistungen in Anspruch nehmen", heißt es in der Studie. Dem stehen staatliche Kosten gegenüber, etwa die direkten Kosten für die tertiäre Bildungseinrichtungen und entgangene Steuereinnahmen während der Ausbildung.

Äußerst kostspieliges System

Diese staatlichen Kosten für einen Mann, der einen Abschluss im Tertiärbereich (Inklusive BHS-Matura, Anm.) erwirbt (im Vergleich zu einem mit Abschluss im Sekundarbereich 2, also etwa AHS-Matura oder Lehrabschluss), liegen im OECD-Schnitt bei 54.900 Dollar. Luxemburg hat mit 159.100 Dollar das kostspieligste System, Österreich folgt mit 110.100 Dollar gleich dahinter, noch vor der Schweiz (109.700 Dollar).

Als Ausgleich für diese Bildungsinvestitionen erhält der Staat von höher qualifizierten (und daher besser bezahlten) Beschäftigten u.a. zusätzliche Steuereinnahmen und höhere Sozialversicherungsbeiträge. Der Gesamtnutzen eines Abschlusses im Tertiärbereich bei Männern liegt im OECD-Schnitt bei 208.900 Dollar. Am meisten profitiert der Staat von den Akademikern in Irland (476.800 Dollar), in Österreich beträgt der Gesamtnutzen 310.200 Dollar.

Rechnet man diesen Nutzen mit den Kosten gegen, ergibt die staatliche Investition in höhere Bildung unterm Strich bei einem Mann einen finanziellen Nettoertrag von 154.000 Dollar im OECD-Schnitt. Auch bei diesem Ertrag führt Irland (429.900 Dollar), in Österreich beträgt der Nettoertrag 200.100 Dollar.

Nettoertrag bei Frauen deutlich geringer

Deutlich anders sieht die Situation bei Frauen aus: Im OECD-Schnitt ist der finanzielle Nettoertrag eines Abschlusses im Tertiärbereich für den Staat bei Männern (154.000 Dollar) fast doppelt so hoch als bei Frauen (83.400 Dollar). In Österreich geht die Schere noch weiter auf: Hier liegt der Nettoertrag von Frauen mit 80.500 Dollar nur bei 40 Prozent von jenem der Männer (200.100 Dollar).

Grund dafür seien "unterschiedliche Arbeitsmarktergebnisse", heißt es in der Studie, in der empfohlen wird, dass "der Staat aktiv zur Förderung der Arbeitsmarktintegration und -teilnahme von Frauen beitragen muss, damit höhere Erträge aus den beträchtlichen Investitionen von Frauen in ihre Ausbildung sichergestellt werden können".

Auch für den einzelnen zahlt sich das Investment in höhere Bildung jedenfalls aus: Für einen Mann, der einen Abschluss im Tertiärbereich erwirbt, entstehen im Vergleich zu einem mit Abschluss im Sekundarbereich 2 im OECD-Schnitt Gesamtkosten von 60.900 Dollar (Österreich: 91.700). Diesen steht ein Gesamtnutzen in Höhe von 313.000 Dollar (Ö: 360.800) gegenüber, sodass unterm Strich ein finanzieller Nettoertrag in Höhe von 252.100 Dollar (Ö: 269.100) bleibt.

Auch hier schneiden Frauen deutlich schlechter ab: Im OECD-Schnitt stehen Gesamtkosten von 55.000 Dollar (Ö: 81.300) ein Gesamtnutzen von 222.400 Dollar (Ö: 207.800) gegenüber, der Nettoertrag beläuft sich demnach auf 167.400 Dollar (Ö: 126.500).

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) betonte zuletzt vor Journalisten, dass man "alles daran setzen muss, damit Kinder möglichst lange im Bildungsprozess bleiben". In der Wirtschaft gebe es kaum noch einen Bedarf an Hilfsarbeitern bzw. kaum ein Angebot an Jobs für Geringqualifizierte. Umso wichtiger sei der Ausbau ganztägiger Schulen sowie dort die Realisierung eines kostenlosen Mittagessens und von Gratis-Betreuung.

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