Bildung

Ausbildungsbeihilfe sinkt für manche von 753 auf 325,80 Euro monatlich © APA (dpa)
Ausbildungsbeihilfe sinkt für manche von 753 auf 325,80 Euro monatlich © APA (dpa)

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Überbetriebliche Lehre wird für Über-18-Jährige unattraktiver

09.05.2018

Österreichs angehende Facharbeiter sollen ihre Lehrausbildung wieder vermehrt in Betrieben absolvieren. Die Ausbildungsbeihilfe für Jugendliche über 18 Jahre, die eine überbetriebliche Ausbildungseinrichtung besuchen, wird ab 1. September 2018 in den ersten zwei Lehrjahren von 753 auf 325,80 Euro monatlich gekürzt, bestätigte AMS-Sprecherin Beate Sprenger einen "Kurier"-Bericht.

Die Ausbildungsbeihilfe sei erst per 1. September 2017 im Zuge der Ausbildungsgarantie für Unter-25-Jährige erhöht worden, so die Sprecherin zur APA. Es habe sich sozusagen um eine einjährige Probezeit gehandelt. Das AMS argumentiert, es soll durch die Ausbildungsbeihilfe nicht passieren, dass Lehrlinge in Betrieben weniger verdienen als Lehrlinge in Lehrwerkstätten. Im "Kurier" verwies Sprenger auf die bundesweit 20.000 offenen Lehrstellen. Die Chefin des AMS-Wien, Petra Draxl, sagte in der Zeitung durch den höheren finanziellen Anreiz sei es viel besser gelungen, junge Menschen ohne Abschluss von der Straße zu holen.

Gewerkschaftsjugend kritisiert Kürzung

Scharfe Kritik an der Kürzung kommt von der Gewerkschaftsjugend: "Jugendlichen in der überbetrieblichen Ausbildung Geld zu streichen, wird nicht dazu führen, dass sie morgen eine Lehrstelle in einem Betrieb finden. Im Durchschnitt verdienen sie dort ohnehin schon weniger, als sie bei einer Ausbildung in einem Betrieb bekommen würden", erklärte Sascha Ernszt, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) in einer Aussendung.

Laut Wirtschaftskammer ging die Zahl der Lehrlinge in den vergangenen fünf Jahren von 125.000 auf 107.000 zurück, in der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung blieb die Zahl aber relativ unverändert. Dem AMS zufolge sind aktuell rund 11.100 Jugendliche und junge Erwachsene in einer Lehrwerkstatt, davon seien rund 7.500 unter 18 Jahre alt. Insbesondere in Wien haben viele Lehrlinge in den überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen Migrationshintergrund, der Anteil der Flüchtlinge ist mit 267 Asylberechtigten österreichweit eher gering.

Die Reduktion der Ausbildungsbeihilfe deckt sich mit den Vorstellungen der neuen Regierung. Im Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ heißt es: "Die Ausbildung in den Betrieben soll gestärkt und prioritär gefördert werden." Konkret sei der Beihilfenbezug so zu gestalten, "dass ein klarer Anreiz zur Aufnahme einer betrieblichen Lehre besteht". Lehrwerkstätten sollten nicht in Konkurrenz zu den Betrieben stehen und "überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen auf das zwingend notwendige Ausmaß" reduziert werden. Weiters ist von einer "Mittelumschichtung von überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen zur Ausbildung im Betrieb" die Rede.

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