Kultur & Gesellschaft

Draußen Helnwein-Kunst, drinnen Architekturausstellung © APA (EXPA/Pucher)
Draußen Helnwein-Kunst, drinnen Architekturausstellung © APA (EXPA/Pucher)

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1918/2018 - In Bauten gegossene Demokratie: Ringturm feiert Republik

26.06.2018

Draußen an der Hauswand tobt das kontroverse Kind mit gezückter Waffe von Gottfried Helnwein, drinnen feiert die Republik ihren 100. Geburtstag in einer gewissenhaften, kleinteiligen Architekturausstellung: Im Ringturm der Wiener Städtischen Versicherung würdigt man die "Fundamente der Demokratie" durch die Brille des Bauens.

Die ab 27. Juni geöffnete Ausstellung widmet sich dem, "was uns weitergebracht hat", so Co-Kurator Adolph Stiller bei der heutigen Pressekonferenz. Neun Themenkomplexe hat er mit seinem kuratorischen Partner Otto Kapfinger ausgewählt und sich dabei "nicht an Architektur, nicht an Formen, nicht an Namen" orientiert, sondern an dem, was dem demokratischen Werden gesellschaftlich zugrunde lag. Dass man deshalb auch nicht 1918, sondern bereits 1902 beginnt, macht Sinn: Die Fundamente liegen tiefer.

Auch weniger bekannte Symbolbauten dabei

In diesem Jahr nämlich wurde nach nur 14-monatiger Bauzeit das Arbeiterheim in Favoriten unter Bauherr Victor Adler eröffnet, keine zehn Jahre später die Urania als Herzstück der vom Bürgertum getragenen Volksbildung. Etwa zeitgleich entsteht an der rechten Wienzeile das Druck- und Verlagshaus "Vorwärts", in Ottakring gießt Josef Plecnik mit der Heilig-Geist-Kirche und ihrem modernen, egalitären Raum einen neuen Kirchentypus in Beton und in der Herrengasse wird die erste Mädchenschule von Eugenie Schwarzwald eröffnet.

Absichtlich hat man nicht (nur) die Ikonen, sondern auch weniger bekannte Symbolbauten ausgewählt, wie Kapfinger betonte, und das obwohl manche davon - er nennt das Arbeiterheim, die Wohnanlage von Anton Brenner in Sechshaus (1924/25) oder den von den Nazis zerstörten Montessori-Kindergarten im Goethehof (1932) als Beispiele - "zum Besten gehören, was es in diesem Bereich auch international gibt". Für jedes Thema wurde eine Art Kiosk errichtet, an dessen Innenseite das Gebäude aus den Anfangsjahren der Republik ausführlich dargestellt wird, während es an den Außenseiten von ausgewählten Bauten der jüngeren Zeit gesäumt wird.

Nach Komplexen zur Arbeiterschaft, Volksbildung, Presse, Kultur - mit der Raumbühne Friedrich Kieslers, die 1924 als Intervention für den Mozartsaal des Konzerthauses konzipiert wurde -, Pädagogik und sozialem Wohnbau mündet die Schau sommerlich ins Gesundheitsthema mit dem "Schwimm-, Sonnen- und Luftbad", das bei seiner Eröffnung 1928 in Hernals mit dem damals größten Schwimmbecken Europas punkten konnte und heute als Kongreßbad ungebrochene Beliebtheit genießt. Zumindest wenn die Temperaturen mitmachen.

Service: "Fundamente der Demokratie. Architektur in Österreich - Neu gesehen". 27. Juni bis 14. September, 9 bis 18 Uhr, freier Eintritt. Ausstellungszentrum im Ringturm, Schottenring 30

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