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1918/2018 - Koloman Moser: Vielseitiger Jahresregent des Jugendstils

26.03.2018

Er ist als Maler ebenso in Erinnerung geblieben wie er sich als Grafik- und Produktdesigner einen Namen machte: Koloman Moser ist einer von vielen Jahresregenten 2018. Aber der vielseitige Künstler lässt sich heuer sogar zweifach feiern: Nachdem sich am 30. März sein Geburtstag zum 150. Mal jährt, steht im Herbst sein 100. Todestag an. Grund genug, sein Werk von allen Seiten zu beleuchten.

Und da gibt es wahrlich einiges zu tun: Kolo Moser, wie er sich als Erwachsener meist nannte, hat mit seinem Schaffen die Welt der Kunst durchdrungen. Vom Möbel bis zum Kirchenfenster, von der Tapete bis zum Tafelgeschirr, vom Gemälde bis zu Briefmarke und Banknote reicht die Bandbreite des am 30. März 1868 in Wien als Sohn des Verwalters des Wiener Theresianums geborenen Künstlers. Er durchwirkte die Realität mit jenem Jugendstil, als einer dessen wichtigsten Vertreter er gilt.

Moser studierte unter anderem an der Wiener Akademie der bildenden Künstler bei Franz Rumpler und an der Kunstgewerbeschule, an der er später auch lehrte. Bereits sehr früh, nach dem Tod des Vaters 1888, begann der damals 20-Jährige, sich sein Studium mit Illustrationen für Kunstzeitschriften zu finanzieren.

Wegbereiter der Wiener Moderne

Moser war eng verbunden mit den wichtigsten künstlerischen Strömungen seiner Zeit und gilt auch deshalb als einer der Wegbereiter der Wiener Moderne: Gemeinsam mit Gustav Klimt, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Carl Moll und Joseph Maria Olbrich gründete er 1897 die Wiener Secession, jene Künstlervereinigung, die sich aus Protest gegen den akademischen Kunstbetrieb vom Wiener Künstlerhaus trennte. Für deren Zeitschrift Ver Sacrum steuerte Moser etwa 140 Illustrationen bei und entwarf auch den Fassadenschmuck sowie ein figurales Glasfenster in der Eingangshalle.

Weltberühmt wurde Moser als Künstler der Wiener Werkstätte, die er 1903 mit Josef Hoffmann und dem Textilindustriellen Fritz Waerndorfer gründete. Ihr Ziel war es, das Kunsthandwerk vor dem Überhandnehmen der industriellen Produktion zu retten. Die Trennung zwischen Gebrauchskunst und den Künsten aufzulösen, war dem Universaltalent Zeit seines Lebens ein wichtiges Anliegen. Die Kunst sollte in den Alltag integriert werden. Diese Überzeugung führte auch zum Bruch mit der Wiener Secession, aus der er gemeinsam mit Klimt und anderen Wegbegleitern 1905 austrat.

Aus Mosers Spuren

Nach Streit mit Waerndorfer verließ Moser 1907 auch die Wiener Werkstätte und widmete sich fortan verstärkt der Malerei, die stark unter dem Einfluss Ferdinand Hodlers stand. 1916 erkrankte der damals erst 48-Jährige unheilbar an Kehlkopfkrebs und verstarb während der letzten Tage des Ersten Weltkriegs am 18. Oktober 1918. Moser war ab 1905 mit der Industriellentochter Ditha von Mautner-Markhof verheiratet und hatte mit ihr die beiden Söhne Karl und Dietrich.

Mosers Schaffen begegnet man aktuell in der Ausstellung "Klimt ist nicht das Ende" im Belvedere, wobei das Jahr 1918 als Beginn der Avantgarde in den neuen Nationen der zerbrochenen Donaumonarchie nachgezeichnet wird (bis 26. August). Im Leopold Museum steht noch bis 10. Juni die Schau "Wien um 1900. Klimt - Moser - Gerstl - Kokoschka" auf dem Programm, und umfassenden Einblick in sein Oeuvre gewährt schließlich ab 19. Dezember die schlicht "Koloman Moser" betitelte große Retrospektive im Museum für angewandte Kunst, die bis 22. April kommenden Jahres laufen wird. Das MAK als Inhaber des Wiener Werkstätten Archivs besitzt eine der größten Sammlungen der Werke des Jubilars.

Auf den Spuren Mosers und seiner Weggefährten Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Wagner oder Adolf Loos zu wandeln, lädt auch der im Metroverlag erschienene Führer "Wien um 1900" ein. Anhand detailreicher Lebens- und Wirkungsgeschichten zeichnet er ein Abbild des für Wien so prägenden Zeitalters des Fin-de-Siecle. Mit der Geschichte und dem Vermächtnis der Wiener Werkstätte und damit auch mit den Werken Mosers setzt sich der 2013 zu einer Ausstellung in der Neuen Galerie New York erschienene englischsprachige Kunstband "Wiener Werkstätte - 1903-1932" auseinander, herausgegeben von Christian Witt-Dörring im Prestel Verlag.

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