Kultur & Gesellschaft

Das Jahr 1918 als Zeitenschwelle © APA (dpa)
Das Jahr 1918 als Zeitenschwelle © APA (dpa)

Kooperationsmeldung

1918/2018: Wissenschaftliche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

22.12.2017

Im Gedenkjahr 2018 wird die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Zäsur in Österreichs Geschichte und politischer Landschaft vor hundert Jahren verstärkt. Universitäten und Forschungsinstitutionen laden zu zahlreichen Veranstaltungen, die die politischen Veränderungen, die Errungenschaften der demokratischen Republik und den Umgang mit Geschichte beleuchten.

Den von Politiker-Reden begleiteten Auftakt zum Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 macht die Stadt Wien am 11. Jänner mit einer Einladung des polnischen Historikers Jan Maria Piskorski im Rahmen der "Wiener Vorlesungen" zur Veranstaltung "Demokratie in Österreich". Nach deren heutigem und zukünftigem Stellenwert fragt die Universität Wien am 15. Jänner bei einer Podiumsdiskussion im Audi Max: Nach einleitenden Worten von Bundespräsident a.D. Heinz Fischer und einem Impulsreferat des früheren deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck diskutiert Gauck mit Verfassungsjuristin Magdalena Pöschl, Medienwissenschafter Hajo Boomgaarden und Osteuropa-Historiker Oliver Schmitt zum Thema "Demokratie: Immer schwer - aber immer Zukunft". "Wozu brauchen wir Demokratie?" ist auch bei der 65. Vorlesung der KinderuniWien Thema. Am 21. Jänner wird Heinz Fischer im ZOOM Kindermuseum erklären, wie Demokratie funktioniert.

Ein Blick zurück wird am 5. und 6. April in Schloss Seggau geworfen: Die Karl-Franzens-Universität Graz lädt zum siebenten Mal zu den "Seggauer Gesprächen", die dieses Jahr unter dem Titel "1918-2018: 100 Jahre Trennung von Staat und Kirche" das Verhältnis von weltlicher und religiöser Macht behandeln.

"Geschichte wird gemacht"

Den gesellschaftlichen Veränderungen der unmittelbaren Gegenwart und den neuen Ansprüchen an die Geschichtsforschung stellt sich das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien am Österreichische Zeitgeschichte Tag (ZGT) "Geschichte wird gemacht", der zum 25-jährigen Jubiläum zwischen dem 5. und 7. April in Zusammenarbeit mit dem Verein zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte ausgerichtet wird. Marcus Gräser vom Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Linz wird am 6. April einen Vortrag zum Thema "Bürgertum und Gewalt - Österreich und Deutschland in den Jahren 1917 bis 1923" halten.

Am 27. April hält die Österreichische Nationalbank (OeNB) am Otto-Wagner-Platz in Wien ein internationales "Zukunftssymposium" in Kooperation mit dem Beirat für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 ab. Unter dem Motto "Austria's place in the Europe of tomorrow" bewerten Wissenschafter und Politiker die ökonomischen und sozialen Errungenschaften der vergangenen 100 Jahre, auf denen das internationale Ansehen der Republik beruht, und diskutieren zukünftige Herausforderungen.

100 Jahre Frauenwahlrecht

An der Universität Graz wird das Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen im Sommersemester 2018 eine Diskussion zu "100 Jahre Frauenwahlrecht - 100 Jahre Vereins- und Versammlungsrecht für Frauen" veranstalten, ein Termin steht noch nicht fest. Karin Schmidlechner-Lienhart vom Institut für Geschichte hat zudem die wissenschaftliche Leitung für eine Vortragsreihe der Österreichischen Urania für Steiermark zum Thema "Frauenpolitik und Gesellschaft des 20. Jahrhunderts" übernommen.

Nach der Sommerpause wird das geschichtsträchtige Schloss Eckartsau, in das sich die kaiserliche Familie nach der Abdankung von Kaiser Karl im November 1918 zunächst zurückzog, zum Austragungsort der Tagung "1918-1938-2018: Beginnt ein autoritäres Jahrhundert?". Am 4. bis 7. September werden Experten in englischer Sprache die Ereignisse der Jahre 1918 und 1938, ihre weitreichenden Folgen und mögliche Weichenstellungen für unsere Zukunft diskutieren. Veranstalter sind das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung.

Im Juridicum der Universität Wien setzen sich vom 10. bis 13. September auf Einladung des Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte und der International Commission for the History of Representative and Parliamentary Institutions (ICHRPI) Rechtshistoriker und Geschichtsforscher mit "Glanz und Elend der Demokratischen Ordnung in Ostmitteleuropa 1918-1939" auseinander. Im Zentrum der Tagung steht die Frage, warum es in den jungen Staaten Ostmitteleuropas so geringe Akzeptanz für das parlamentarische System und den Parteienstaat gab, bzw. warum dieses System, kaum eingeführt, in den meisten Fällen wieder beseitigt wurde.

Vertrag von St. Germain im Fokus

Die Grundlage für die neue politische Ordnung Europas stellte eine Reihe von Friedensverträgen dar, die zur Beendigung des Ersten Weltkrieges zwischen 1918 und 1920 abgeschlossen wurden. Auf der Konferenz "Der Vertrag von St. Germain im Kontext der europäischen Nachkriegsordnung" vom 27. bis 29. September in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) machen die Kommission für Rechtsgeschichte Österreich, das Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW sowie die Forschungsstelle für Rechtsquellenerschließung der Universität Wien den Kontext der Entstehung und die Bedeutung dieses Vertrages sichtbar.

Im November 2018 soll am Heldenplatz ein neues Bundesmuseum zur Zeitgeschichte Österreichs, das "Haus der Geschichte Österreich", eröffnet werden. Das Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte (IKT) der ÖAW nimmt dies zum Anlass für eine Konferenz zum Thema "Museen und nationale Identitäten", auf der vom 10. bis 12. Oktober diskutiert wird, wie Nationen mit ihrer wechselvollen Geschichte umgehen.

"Vermessung einer Zeitenschwelle"

Ein Monat später beleuchtet die Akademie das Wendejahr 1918: Vom 3. bis 6. November findet im Festsaal der ÖAW unter der Leitung von Brigitte Mazohl, Historikerin an der Uni Innsbruck, die internationale Konferenz "Vermessung einer Zeitenschwelle. Die Bedeutung des Jahres 1918 in europäischer und globaler Perspektive" statt.

Weiters finden zahlreiche Forschungs- und Vermittlungsprojekte an Österreichs Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen statt. Mit Unterstützung der Stadt Wien arbeitet die Österreichische Mediathek in Kooperation mit dem Archiv des Tschechoslowakischen Rundfunks im Forschungsprojekt "Praha/Wien - Die audiovisuellen Echos des Jahres 1918 in Wien und Prag" die Zäsur von 1918 und ihre Neuverhandlungen und Interpretationen im Laufe des 20. Jahrhunderts auf. Die Projektergebnisse werden im Oktober 2018 präsentiert.

Service: Dieser Artikel ist Teil eines umfangreichen Meldungspakets zum Gedenkjahr 2018. Sämtliche Hintergründe finden Sie unter http://science.apa.at/Gedenkjahr2018.

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