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1938/2018 - Wien veröffentlichte Biografien der NS-"Ratsherren"

12.03.2018

Als die Nationalsozialisten 1938 die Macht ergriffen, wurde Wien politisch zu einem Verwaltungsbezirk des "Deutschen Reichs" umgewandelt. Der große Sitzungssaal des Rathauses wurde ab 1939 zum Tagungsort für die sogenannten Ratsherren. Diese übten eine beratende Funktion für die NS-Stadtpolitik aus. Ihre Biografien wurden nun gesammelt und veröffentlicht.

Die Bezeichnung Ratsherren täuscht nicht: Es waren tatsächlich nur Männer. Sie wurden vom Reichsstatthalter in ihre Funktion berufen. Einige der Ratsherren waren "Alte Kämpfer", wie es in einer Rathaus-Aussendung hieß. Das bedeutet: Sie waren der NS-Bewegung bereits vor dem Verbot der Partei im Jahre 1933 beigetreten. Neben den Funktionären waren auch Unternehmer, Manager und Vertreter aus den Bereichen Wissenschaft und Kultur vertreten.

Nun wurden die Biografien der Ratsherren im Rahmen eines Projektes des Stadt- und Landesarchivs gesammelt und online gestellt. Veröffentlicht sind die Daten sowohl im Wien-Geschichte-Wiki als auch im Wiener Politikerarchiv Polar. So weit vorhanden wurden die Lebensläufe mit Fotos der NS-Vertreter ergänzt.

"Mit der Bestellung der 'Ratsherren' wurde eine Scheinvertretung etabliert, der den bereits 1934 aufgelösten Gemeinderat durch regimetreue Berater ohne weitere Rechte ersetzte. Das zeigt einmal mehr: Gelebte Demokratie braucht es, um Verhetzung und Stigmatisierung einzelner Bevölkerungsgruppen wirksam entgegen treten zu können", betonte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ).

"Spannend finden wir die Brüche und Kontinuitäten in den Lebensläufen, die ja nicht 1938 beginnen und 1945 enden", sagte Brigitte Rigele, Direktorin des Wiener Stadt- und Landesarchivs: "Die Unterlagen in unserem Archiv sind eine wesentliche Grundlage für die Aufarbeitung dieser Personengeschichten.

Service: "www.polar.wien.at sowie https://www.ots.at/redirect/wien.gv.at2

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