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Zeitungsausschnitte und andere Archivalien wurden aufgearbeitet © Universität Wien
Zeitungsausschnitte und andere Archivalien wurden aufgearbeitet © Universität Wien

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1938/2018: Historiker stellen "Gaupresse"-Archiv online zur Verfügung

18.06.2018

Mit dem sogenannten "Gaupresse"-Archiv stellen Wissenschafter um den Zeithistoriker Oliver Rathkolb erstmals ein "wesentliches NS-Presse-Archiv" online, wie die Universität Wien kürzlich mitteilte. Unter www.ns-pressearchiv.at können Forscher und Interessierte zu Lehrzwecken digital auf die im wesentlichen aus Zeitungsausschnitten bestehende Sammlung der NSDAP-Gauleitung Wien zugreifen.

Die Umsetzung erfolgte im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojekts des Instituts für Zeitgeschichte der Uni Wien und der Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte. Bei dem 673 Kartons umfassenden Archiv handelt es sich um eine vor allem zum Zweck der "propagandistischen Verwertbarkeit" aufgebaute Sammlung des Wiener "Gaupresse-Amtes".

Neben Meldungen über den Zweiten Weltkrieg wurden darin Berichte der "NS-Provinzpresse in der 'Ostmark' bzw. den 'Donau- und Alpengauen' 1938 bis 1945 dokumentiert". Darüber hinaus sammelte man biografische Informationen zu NS-Politikern ebenso wie Berichte über die Wehrmacht oder NSDAP. Außerdem ging es um wirtschaftspolitische und kulturelle Themenstellungen, aber auch um die "Judenverfolgung" oder die Berichterstattung über Reichsleiter Baldur von Schirach. Weiters finden sich in dem Archiv u.a. Reden von Schirach, sowie des Wiener Gauleiters Josef Bürckel oder anderer Nationalsozialisten.

Steigendes öffentliches Interesse

Durch die umfassende digitale Aufarbeitung des Archivs, das laut Rathkolb die "ideologisierte propagandistische Jubelberichterstattung über Führer, Partei, NS-Ideologie usw." widerspiegelt, werde es nun möglich, sich der Auseinandersetzung mit der NS-Presse auf breiterer Basis anzunähern. Neben dem großen Interesse an der NS-Medienpolitik und einschlägigen Druckwerken orte man auch ein steigendes öffentliches Interesse an der direkten Auseinandersetzung mit der NS-Presse, so der Leiter des Instituts für Zeitgeschichte über den Beitrag zum Gedenkjahr 2018/1938. "Durch die digitale Aufarbeitung des 'Gaupresse'-Archivs wird eine wissenschaftliche, zeithistorische Aufarbeitung des NS-Unrechtsregimes ermöglicht und erleichtert", so der Leiter der Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte, Markus Stumpf.

Bei der Forschungsplattform "Gaupresse"-Archiv handle es sich um eine wissenschaftliche Lehrplattform, wie die Historiker betonten. Die nun in über 16.000 Mappen digitalisiert vorliegenden insgesamt über 200.000 einzelnen Scans dienten demnach vor allem der Recherche. Auf die Plattform zugreifen könne zwar prinzipiell jeder, das Abfragen und die Verwendung der Inhalte ist jedoch nur für Zwecke des Unterrichts, der Lehre und der Forschung zulässig und daher registrierungs- und anmeldepflichtig.

Service: www.ns-pressearchiv.at

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