Kultur & Gesellschaft

Susan Philipsz legt irritierende Töne über Alltagsgeräusche (mit Kulturminister Blümel li.) © APA (Punz)
Susan Philipsz legt irritierende Töne über Alltagsgeräusche (mit Kulturminister Blümel li.) © APA (Punz)

Kooperationsmeldung

1938/2018: Klanginstallation "The Voices" - Voiceover am Heldenplatz

12.03.2018

Irritierende, hohe, sirrende Töne werden sich bis 12. November zweimal täglich (um 12.30 Uhr und 18.30 Uhr) für je zehn Minuten über Autolärm und Passantengespräche am Wiener Heldenplatz legen bzw. sich zu diesen Alltagsgeräuschen mischen. Die zum "Anschluss"-Gedenken geschaffene Soundinstallation von Susan Philipsz wurde am heutigen 12. März von Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnet.

In den kurzen Reden, die vor dem Altan der Neuen Burg unmittelbar auf den offiziellen Staatsakt in der Hofburg folgten, erinnerte Johanna Rachinger, die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, daran, dass die Rede Adolf Hitlers am 15. März 1938 den Heldenplatz zu einer "audiovisuellen Ikone für die Mitverantwortung der Österreicherinnen und Österreicher an der Errichtung des NS-Terrorregimes" gemacht habe. Diese Rede liege "wie ein immerwährender Schatten über dem österreichischen und internationalen Bild des Heldenplatzes", sagte Monika Sommer, die Gründungsdirektorin des im November in der Neuen Burg eröffnenden Hauses der Geschichte Österreich (HGÖ).

Subtile Klanginstallation

Sie sei froh, dass eine Jury sich für die subtile Klanginstallation der schottischen Künstlerin und Turner-Preisträgerin Susan Philipsz als künstlerische Intervention für den Heldenplatz entschieden habe, sagte Sommer. Deren Arbeit trage den Titel "The Voices", was auch für jene Stimmen stehe, die durch das Terrorregime zum Schweigen gebracht wurden.

Der "Klangraum", der sich zwischen vier, von einem auf dem Altan aufgestellten Radiotransmitter angesteuerten Lautsprechern zwischen der Neuen Burg und den Parlamentspavillons entfaltet, soll innehalten lassen und "Raum für Erinnerungen und Emotionen" schaffen. Das bei dieser Vierkanal-Klanginstallation zu hörende Geräusch wurde von Philipsz erzeugt, indem sie mit dem Finger an den Rändern von vier mit Wasser gefüllten kristallenen Weingläsern entlanggefahren ist. Die Höhe des Wasserspiegels bestimmte dabei die Höhe des entstehenden Tons.

"Wie leicht zerbricht Glas?", sei eine seiner ersten Assoziationen gewesen, als er von dem Projekt erfahren habe, sagte der Bundespräsident. Schließlich habe das, was mit einem laut schreienden Hitler am Heldenplatz begonnen habe, "in einem Scherbenhaufen geendet". Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) sagte, es sei "wichtig und richtig, dass die Kunst im Prozess des Gedenkens mit dabei ist", schließlich sei auch die Freiheit der Kunst in der NS-Zeit abgeschafft gewesen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte neuerlich die Notwendigkeit, gegen jede Form von Antisemitismus, Intoleranz und Radikalität aufzutreten und Demokratie und Rechtsstaat zu verteidigen.

Bestechende Einfachheit

Die erste zehnminütige Sound-Session bewies anschließend die Fähigkeit von "The Voices" zu irritieren, und tatsächlich den Heldenplatz zu bespielen. Am Feintuning der Lautstärke wird möglicherweise noch gearbeitet werden. Ansonsten besticht die Klanginstallation durch ihre Einfachheit. Was auch dazu führt, dass sie sich ein wenig entzaubert, sobald man um die Herkunft der Töne weiß. Singende Gläser, ah ja! Ganz klar. Es ist, was es ist.

Service: "The Voices" ist ein Projekt des Hauses der Geschichte Österreich (HGÖ). Bis zur Eröffnung des HGÖ am 12. November wird es zweimal täglich, jeweils um 12.30 Uhr und 18.30 Uhr, für je zehn Minuten zu hören sein. Künstlerinnengespräch mit Susan Philipsz und Kasper König: heute, Montag, um 18 Uhr im Oratorium der Österreichischen Nationalbibliothek, Josefsplatz 1. www.hdgoe.at

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