Kultur & Gesellschaft

Schloss Hof: Ein Teil des Gebäudes dient erstmals als Ausstellungsort © Hertha Hurnaus für SKB
Schloss Hof: Ein Teil des Gebäudes dient erstmals als Ausstellungsort © Hertha Hurnaus für SKB

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300 Jahre Maria Theresia - Marchfeldschlösser im Zeichen der Politik

15.03.2017

Mit der Präsentation zweier Ausstellungen in den Schlössern Hof und Niederweiden (NÖ) am 15. März ist die auf vier Standorte verteilte umfassende Schau im Zeichen des 300. Geburtstages Maria Theresias (1717-1780) nun öffentlich zugänglich. In Niederösterreich liegt der Fokus auf der Innen- und Außenpolitik sowie den Reformen der Regentin. Von den Schauen erhofft man sich auch touristische Impulse.

In der öffentlichen Wahrnehmung der weiblichen Persönlichkeiten im Habsburgerreich nehme Kaiserin Elisabeth mit dem "Sissi-Mythos" eine sehr dominante Rolle ein, erklärte der Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft (SKB), Franz Sattlecker, vor Journalisten auf Schloss Hof. Dass sich heuer die Geburt der niemals zur Kaiserin gekrönten Herrscherin zum 300. Mal jährt, sei nun willkommener Anlass, auch Maria Theresia und ihr umfangreiches Wirken ein wenig stärker in den touristischen Mittelpunkt zu rücken, hieß es.

Wie auch in Schönbrunn, wo in der Kaiserlichen Wagenburg des Kunsthistorischen Museums (KHM) ebenfalls ein Teil der Vierfach-Schau mit dem Titel "300 Jahre Maria Theresia: Strategin - Mutter - Reformerin" gezeigt wird, habe Maria Theresia in den beiden Marchfeldschlössern nicht nur zeitweise residiert, sondern auch viele bauliche Maßnahmen beauftragt. Mit dem Nordtrakt von Schloss Hof ist nun ein Teil dieser Gebäude erstmals als Ausstellungsort erschlossen worden, wie Sattlecker ausführte.

Bündnisse und Feindschaften

In diesen neuen Schauräumen, die fließend in die Dauerschau übergehen, können sich Besucher nun bis 29. November in die komplexe Welt der "Bündnisse und Feindschaften" im Zeitraum der 40-jährigen Regentschaft der gemeinhin als "Kaiserin" bezeichneten Herrscherin vertiefen. Den Ausgangspunkt der mit der damaligen Außenpolitik beschäftigten Ausstellung bildet die "Pragmatische Sanktion" mit der Karl VI. bereits vor Maria Theresias Geburt die Voraussetzung für eine Machtübernahme einer Frau schuf. Als sie dann tatsächlich 1740 23-jährig und de facto unvorbereitet die Regierungsverantwortung übernahm, war sie sofort mit dem Ausbruch der Österreichischen Erbfolgekriege konfrontiert, wie der Historiker, Habsburg-Experte und Kurator der niederösterreichischen Ausstellungen, Karl Vocelka, ausführte.

Um die Kriege und deren Folgen für Land und Leute geht es dann auch in großen Teilen der Schau, die mit teilweise noch nie gezeigten Gemälden, Stichen, Dokumenten, Landkarten oder volkskundlichen Objekten, auf mitunter relativ engem Raum aufwarten kann. Nahe am Objekt lässt sich so erahnen, wie die Auseinandersetzungen, die für das Reich meistens "nicht sehr gut ausgegangen sind", abgelaufen sind, sagte Vocelka. In der historischen Gesamtsicht gelte paradoxerweise: "Wo Maria Theresia Krieg geführt hat, hat sie Gebiete verloren, im Frieden gewann sie hingegen."

So eng, wie die beiden Schlösser beisammen liegen, waren auch Maria Theresias Außen- und Innenpolitik verbunden, wie Vocelka betonte. Unter dem Titel "Modernisierung und Reformen" wird das vor allem auf Schloss Niederweiden deutlich. Hinter einigen teils weitreichenden Modernisierungen standen letztendlich militärische Überlegungen. So wurden etwa Hausnummern mit dem Hintergedanken eingeführt, Rekruten besser ausheben zu können, und auch die erste Volkszählung diente vor allem strategischen Interessen.

Bildungsreformen in Schule und Hochschulwesen

Neben ihren zahlreichen Reformen im Bereich der Verwaltung oder im Straf- und Zivilrecht, bekommen in der Ausstellung vor allem die Bildungsreformen in Schule und Hochschulwesen viel Raum. Kein Wunder, ist Maria Theresia doch vor allem für die Einführung der allgemeinen Unterrichtspflicht im Jahr 1774 heute noch vielen ein Begriff. In die Welt der Schule des 18. Jahrhunderts kann man in der kompakten Schau etwa in einem angedeuteten Klassenzimmer mit alten Schulbüchern eintauchen. Aus historischer Sicht wichtig sei, dass hinter den umfassenden Modernisierungen nicht etwa ein übergeordnetes Programm oder ein "Plan A" gestanden habe, sagte Vocelka, der in den von ihm kuratierten Ausstellungen auch auf Maria Theresias teils brutale religiöse Intoleranz und andere Schattenseiten ihrer Regentschaft hinweist.

Man dürfe auch nicht vergessen, wie sehr sich "jede Gegenwart ein eigenes Bild von Maria Theresia gemacht hat", so der Direktor des Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Werner Telesko. Das gelte für die Habsburger des 19. Jahrhunderts, über die Erste Republik, das Dritte Reich, bis zur Zweiten Republik und der großen Ausstellung anlässlich ihres 200. Todestages im Jahr 1980, so der Mitkurator der vierten Ausstellung im Bunde, die im Hofmobiliendepot - Möbel Museum Wien heute unter dem Titel "Familie und Vermächtnis" ihre Pforten öffnete.

Service: "300 Jahre Maria Theresia: Strategin - Mutter - Reformerin": Hofmobiliendepot, Kaiserliche Wagenburg, Schloss Hof sowie Schloss Niederweiden, 15. März bis 29. November 2017 (täglich), Öffnungszeiten: Schloss Schönbrunn und Kaiserliche Wagenburg 9 - 17 Uhr, Hofmobiliendepot, Schloss Hof, Schloss Niederweiden: 10 - 18 Uhr, www.mariatheresia2017.at

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