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Natürliche und auf den Faktor Migration bezogene Bevölkerungsentwicklung © VID/ÖAW
Natürliche und auf den Faktor Migration bezogene Bevölkerungsentwicklung © VID/ÖAW

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Bevölkerungsentwicklung: Osteuropa verliert Anschluss an den Westen

22.06.2018

Während Westeuropa dank Migration weiterhin wächst, schrumpft die Bevölkerung in vielen Staaten Ost- und Südosteuropas in alarmierender Weise. Das zeigen neueste Studien von Demograph/innen der ÖAW.

Zwischen kräftigem Bevölkerungswachstum und einem alarmierenden demographischen Schwund liegen in Europa gerade einmal einige Hundert Kilometer: Das zeigen die neuesten Erhebungen von Wissenschaftler/innen des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Wiener Wittgenstein Centre (ÖAW, IIASA, WU Wien). In der neuen Ausgabe des European Demographic Data Sheet veranschaulichen sie die zwischen West und Ost seit 1990 immer stärker auseinander klaffende Bevölkerungsentwicklung, die von einem Wachstum von 36 Prozent in Irland bis zu einem Rückgang von 22 Prozent in Bosnien-Herzegowina reicht.

Österreichs Bevölkerung wächst

Ausschlaggebend dafür sind vor allem zwei Faktoren: Die natürliche Bevölkerungsentwicklung, die sich aus Geburten und Todesfällen ergibt, sowie die Migration, die Ab- und Zuwanderung umfasst. Trotz einiger Unterschiede zwischen einzelnen Staaten lassen einerseits eine relativ niedrige Fertilität sowie andererseits eine massive Abwanderung die Bevölkerung der meisten Länder Ost- und Südosteuropas schrumpfen. So verzeichnen Bulgarien, Lettland, Litauen, Moldawien, Bosnien-Herzegowina und der Kosovo seit 1990 Rückgänge von über 20 Prozent. In Westeuropa war es hingegen vor allem die Zuwanderung, die die Bevölkerung im gleichen Zeitraum deutlich wachsen hat lassen. Besonders stark ist diese Steigerung in Irland, der Schweiz, Norwegen und Spanien zu sehen, wo die Bevölkerung im Vergleich zu 1990 jeweils um mehr als ein Fünftel gewachsen ist. Auch Österreich verzeichnete ein Bevölkerungswachstum von rund 15 Prozent.

"Migrationsbewegungen sind inzwischen zur treibenden Kraft hinter Wachstum und Rückgang der Bevölkerung Europas geworden", fasst ÖAW-Demograph Tomáš Sobotka die Ergebnisse zusammen. Denn während sich die Fertilitätsrate Osteuropas in jüngster Vergangenheit nicht mehr wesentlich von jener von westeuropäischen Ländern unterscheidet, sind es die Wanderbewegungen der Menschen, die den Kontinent in zwei Teile teilen - und damit auch über die Bevölkerungsgröße entscheiden.

Europa altert weiter

Bei direkten Rückschlüssen der Bevölkerungsentwicklung auf soziale und wirtschaftliche Zukunftsszenarien ist übrigens Vorsicht angesagt. Denn während die Bevölkerung der Europäischen Union in Summe zwar auf derzeit über 500 Millionen Menschen angestiegen ist und weiter wachsen wird, gilt das nicht für die Größe der Erwerbsbevölkerung: Diese liegt aktuell bei 246 Millionen Menschen, könnte den Berechnungen der Wissenschaftler/innen zufolge aber in den kommenden Jahrzehnten stagnieren oder sogar fallen. Schließlich ist ein wesentlicher demographischer Trend in Ost und West ungebrochen, wie Sobotka betont: "Die europäische Bevölkerung wird dank Verbesserungen in der Lebenserwartung über den gesamten Kontinent hinweg weiterhin altern."

Pressegrafiken zum honorarfreien Download unter: www.oeaw.ac.at/pr

Europas Bevölkerung in Zahlen:

Download: European Demographic Datasheet 2018

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