Kultur & Gesellschaft

Für 2016 sind neue Veranstaltungsformate geplant © APA (dpa)
Für 2016 sind neue Veranstaltungsformate geplant © APA (dpa)

Kooperationsmeldung

Das Angewandte Innovation Laboratory - die Verbindung von Salon und Labor

23.12.2015

Von Alexandra Graupner

Das Angewandte Innovation Lab (AIL) ist ein offener Raum, offen für alle Expertisen, Arbeits- und Denkweisen und vor allem ein Raum für den direkten Austausch. Durch Vorträge, Diskussionen und Ausstellungen werden Impulse gegeben und wird zur Reflexion eingeladen. Alle, die in diesem Raum zusammen treffen können mit Inspiration und neuen, disziplinübergreifenden Ideen und Projektpartnerinnen aus den verschiedensten Sparten aus dem AIL nach Hause gehen, und natürlich auch wieder kommen. Das war die zugrunde liegende Vision von Rektor Gerald Bast: Das AIL, ein umtriebiger Ort, ein Ort, den alle als Chance begreifen und als sicheren Hafen, um auch neue Ideen erstmals offen auszusprechen.

Mit dem AIL wollen wir den in allen Disziplinen immer stärker formulierten Wunsch nach Austausch, nach Alternativen, nach neuen Wegen, nach Innovativem begegnen und aus den Perspektiven der Künste Dialoge eröffnen und Räume geben. Konkretes Ziel ist es expertisenübergreifende Veranstaltungen und neue Formate zu entwickeln und anzubieten, die AIL Lounge ist eines dieser Formate, öffentlich zugänglich, informell und direkt, ganz einfach.

Als einen ersten grundlegenden Schritt haben wir unser vertrautes Expertisefeld verlassen und externe Projektpartner ins Boot geholt: das Imba (Institute of Molecular Biotechnology), das Cemm (Center for Molecular Medicine), die Wiener Wirtschaftskammer, die Ars Electronica und die Österreichische Akademie der Wissenschaften, sie alle haben sich für den neuen Zugang begeistert. Die Zusammenarbeit ist offen formuliert, dem Austausch wird möglichst großer Freiraum geboten. Freiraum, um herauszufinden wie und in welcher Form zukünftig Austausch stattfinden und miteinander gearbeitet werden kann.

Am 20. Oktober 2014 wurde das AIL feierlich eröffnet und präsentiert. Das Angebot der Veranstaltungen - Ausstellungen, Symposien, Vorträge und Präsentationen von Forschungsprojekten - mit interdisziplinären Inhalten wurde direkt verstanden und gut aufgenommen. Das offene Konzept der AIL Lounge als Denklabor irritierte, wurde erst langsam verstanden bzw. akzeptiert. Es war es schlicht zu gut um wahr zu sein, einen entspannten und öffentlichen Raum (mit Wifi und Getränkebar) kostenfrei nutzen zu können. Die Lounge wird zukünftig noch stärker mit konkreten Aktivitäten in Erscheinung treten.

Auch wenn Menschen bereits offen auf die Idee des AIL reagieren und den Wunsch haben mit uns zu arbeiten, ist es wichtig die Kommunikation aufmerksam zu führen. Ein gemeinsames Vokabular ist zentral. Schon die Erläuterung, was denn nun das AIL überhaupt sei, führt bei unterschiedlichen Personen auch zu den unterschiedlichsten Assoziationen.

Diese Freiheit der verschiedenen Assoziationen, genau wie das Ausprobieren von Formaten, ist aber auch ein Potential das man sich als Risiko gönnen muss. Es ist ein wichtiger Bestandteil unserer Identitätsbildung. Jedes Projekt, jede Ausstellung, jedes Symposium nutzt den Raum auf seine Weise und beeinflusst auf individuelle Weise das AIL und seine Inhalte. Die AIL Lounge wird mit jeder Veranstaltung neu bestimmt. Jeder Inhalt, der im AIL einem Publikum näher gebracht wird, gestaltet das AIL ein Stück weit mit.

Ganz konkret konnten wir das zum Beispiel bei unseren Polittalks im März und April beobachten. Das Publikum wurde aktiv in die Diskussion auf "Sitzhöhe" mit den Politikern miteinbezogen und durfte seinen Gedanken auf einer Tafel künstlerisch Ausdruck verleihen. Auch haben wir gemeinsam mit Daniel Aschwanden und Conny Zenk das AIL Teil einer performativen Installation werden lassen. Für 3 Wochen war das AIL durchgehend nicht nur künstlerisch, sondern auch sozial mit einer mobilen Küche und vielen Neugierigen von der Straße belebt. Diese Erfahrungen haben uns auch zum AIL Kochmittwoch inspiriert: seit Frühling 2015 laden wir jeden Mittwoch zum gemeinsamen Essen ein, Lehrende und Studierende, Partner und Gäste sowie Nachbarn des AIL finden an einem Tisch im informellen Gespräch zu einander.

Die neueste Erfahrung war diesen Herbst eine Präsentation von Forschungsergebnissen zum Thema biologischem Wachstum und Architektur. Ein großartiges Erlebnis, wie das Thema der lebendigen Architektur auch Laien angesprochen hat und dadurch unerwartete Gespräche unter den Besucherinnen initiiert wurden. Diese Umgebung hat auch in unserer Lounge eine offene und inspirierende Wirkung nach sich gezogen. Der Raum schmeckte direkt einen wenig nach klassischer Laboratmosphäre, man konnte Experimente riechen und hautnah erleben.

Was konnte nach einem Jahr intensiver Arbeit erreicht werden? Das AIL kann mit Freude auf zwölf Monate voller Veranstaltungen zurückblicken - qualitativ hochwertig und interdisziplinären Ansätzen folgend. Das AIL wird als einladende Plattform gesehen, die an keinem universitären Institut direkt andockt und daher inhaltlich disziplinär und methodisch offen arbeitet, die Lounge wurde immer stärker als Treffpunkt und Arbeitsort mit besonderer Atmosphäre entdeckt.

Mit dem ersten Geburtstag bestätigt sich aber auch die Einsicht, dass Gespräche und Begegnungen Entfaltung benötigen, Zeit, Geduld, brauchen Gelassenheit, Offenheit und das stetige Erläutern, was denn dieses AIL alles kann. Entwicklung braucht Luft und Grundlage, um beides muss man sich kritisch kümmern. Auch Veranstaltungsformate müssen weiterhin hinterfragt werden - zu leicht lässt man sich durch bekannte Konzepte verlocken. Das AIL erlebt ständig am eigenen Körper was es bedeutet das Neue zu suchen, dabei scheitern zu können, gehört dazu, neu zu beginnen ebenso.

In diesem Sinne stehen wir immer am Beginn und haben große Pläne für das zweite AIL Jahr: noch intensiver wollen wir den Austausch auf inhaltlicher und sozialer Ebene betreiben; ganz konkret wollen wir die AIL Lounge mit weiteren informellen Aktivitäten bespielen; stärker wollen wir als Teil der Angewandten in der interdisziplinären Welt agieren und noch lockerer und mutiger wollen wir neue Veranstaltungsformate ausprobieren, um unserem Publikum komplexe, vielleicht expertisenfremde Inhalte zugänglich zu machen; ganz bewusst laden wir künstlerische Forschungsprojekte ein, das AIL als ihr Lab zu nutzen.

Und immer wieder werden wir die Wichtigkeit des interdisziplinären Austausches und der darin liegenden Möglichkeiten unserem Publikum ins Bewusstsein bringen.

INFOBOX:

Leitung: Gerald Bast, Rektor

Executive Board: Jürgen Gschiel, Alexander Damianisch

Projektkoordination: Alexandra Graupner

Projektassistenz: Eva Weber, Nico Wind

Angewandte Innovation Lab

Franz Josefs Kai 1010 Wien

www.ailab.at

info@ailab.at

facebook/angewandteinnovationlab

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