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Deformierte Schädel belegen Frauen-Migration im Mittelalter

13.03.2018

Die Bayern haben offenbar Vorfahren aus dem Schwarzmeerraum, wie eine internationale Studie zeigte. Die Forschungsgruppe untersuchte die Erbmasse von etwa vierzig mittelalterlichen Menschen aus diesem Gebiet. Ein Großteil der alten Bayern sah genetisch wie Mittel- oder Nordeuropäer aus. Eine Gruppe von Individuen fällt jedoch aus diesem Raster. Auffallend waren vor allem ihre verformten Schädel.

Solche Deformationen wurden in unterschiedlichen Bevölkerungen zu unterschiedlichen Zeiten vorgenommen, um dem Schädel eine charakteristische Turmform zu verleihen. Bisher war unklar, wie der Brauch nach Europa gelangte. Eine Hypothese war, dass die Hunnen die Tradition aus Asien nach Ost- und Mitteleuropa brachten, wie die Universität Freiburg in einer Mitteilung schrieb.

Die historisch-genetischen Untersuchungen ergaben jedoch, dass es sich bei den mittelalterlichen Personen mit deformiertem Schädel um Frauen handelte, die um 500 nach Christus aus dem Schwarzmeerraum in bayerische Siedlungen migriert waren. Diese Frauen sind den heutigen Bulgarinnen und Rumäninnen am ähnlichsten, wie die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) berichteten.

Die weibliche Mobilität

Die Einwanderinnen sahen auch sonst im Vergleich zu den eher blonden und blauäugigen Bayern auffällig auf: Die Frauen hatten eine deutlich dunklere Haar- und Augenfarbe. Nur wenig später ließen sich zwei Personen nachweisen, die ihre nächsten genetischen Verwandten unter heutigen Griechen oder Türken besitzen - und wieder waren es Frauen.

"Es ist dies ein einmaliges Beispiel von weiblicher Mobilität, die größere Kulturräume überbrückt", wurde Populationsgenetiker Joachim Burger von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz in der Mitteilung zitiert. Es sei damit zu rechnen, dass es noch viele weitere bisher ungeahnte "bevölkerungsdynamische Phänomene" gebe, die an der Entstehung der frühen Dörfer und Städte mitgewirkt hätten.

Die Wissenschafter kamen zum Schluss, dass es wahrscheinlich keine großen Migrationsströme von Menschen aus dem Schwarzmeerraum gab. Dafür hatten die Südosteuropäerinnen zu wenig Einfluss auf den bayerischen Genpool. Vielmehr sei anzunehmen, dass die Frauen mit den Turmschädeln Teil einer Heiratspolitik bayerischer Dörfer waren, um Allianzen gen Osten zu bilden.

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