Kultur & Gesellschaft

Stephan Elspaß arbeitete mit Team von über 20 Personen an Variantengrammatik © Kolarik
Stephan Elspaß arbeitete mit Team von über 20 Personen an Variantengrammatik © Kolarik

Partnermeldung

Deutsche Sprache - unterschiedliche Sprache

12.12.2018

Heißt es Parks, Pärke oder Parke? Wo verwendet man genug dick oder dick genug? Schreiben wir die E-Mail oder das E-Mail? Wissenschaftler der Universitäten Salzburg, Zürich und Graz haben nach siebenjähriger Projektarbeit eine Variantengrammatik herausgegeben. Es handelt sich dabei um ein Online-Nachschlagewerk, in dem die grammatikalische Vielfalt der geschriebenen deutschen Standardsprache auf der Basis einer großen Anzahl von Tageszeitungen dokumentiert wird.

Mit dem Mut zur Vielfalt in der deutschen Standardsprache stellen die Autoren die unterschiedlichen grammatikalischen Varianten vor, die in Österreich, Deutschland, der Schweiz und in den anderen deutschsprachigen Ländern und Regionen angewendet werden. "Bereits liegt in den Alpen Schnee", sagen die Schweizer, "In den Alpen liegt bereits Schnee", würden die Österreicher schreiben. "Beides ist zulässig", betont Professor Stephan Elspaß vom Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg. "Regionale Varianten in der Grammatik sind weit weniger bekannt als unterschiedlicher Wortschatz wie Marille und Aprikose", so Elspaß. Deshalb sei es wichtig gewesen, ein Online-Nachschlagewerk zu erstellen, durch das auch der unterschiedliche Sprachgebrauch in den verschiedenen Ländern sichtbar wird, so Elspaß.

Als Grundlage der Variantengrammatik diente ein Korpus aus Texten von 68 regional ausgerichteten Tageszeitungen aus den verschiedenen Ländern und Regionen des deutschsprachigen Gebiets. Mit knapp 600 Millionen Wörtern und mit seiner geographischen Aufteilung bildet dieses Korpus die Unterschiede im Sprachgebrauch des geschriebenen Standarddeutschen umfassend ab. Mit "Standarddeutsch" verbinden die Autoren daher kein Normdeutsch, sondern jenes Deutsch, das in den einzelnen Regionen tatsächlich geschrieben wird.

An der Variantengrammatik hat seit 2011 ein Team von über 20 Personen unter der Leitung von Stephan Elspaß (Universität Salzburg), Christa Dürscheid (Universität Zürich) und Arne Ziegler (Universität Graz) gearbeitet. Mehr als 1.300 Wörterbucheinträge wurden verfasst. Die Ergebnisse findet man nun unter der Adresse http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra publiziert. Die einzelnen Artikel finden sich in einem Open-Access-Format. "Damit sind wir der Forderung nachgekommen, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse nicht nur Fachkreisen, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit frei zugänglich zur Verfügung stehen."

Datenanalyse macht Variation sichtbar

An drei Projektstandorten Zürich, Graz und Salzburg wurden die Zeitungsdaten ausgewertet und die Ergebnisse für die Variantengrammatik aufbereitet. Die Variation betrifft verschiedene Bereiche der Grammatik. So kann das Wort Park je nach Region andere Pluralvarianten haben (Parks, Pärke oder Parke). Weitere Varianten betreffen etwa die Wortbildung (z.B. der Entscheid/die Entscheidung), die Wortstellung (z.B. genug dick/dick genug), den Gebrauch der Verben (z.B. gegen jdn. klagen/jdn. klagen) oder das grammatische Geschlecht der Substantive (z.B. die E-Mail/das E-Mail).

Online-Grammatik mit anschaulicher Darstellung

Die Varianten sind für Laien verständlich beschrieben und mit Korpusbeispielen belegt. Karten bieten jeweils einen schnellen Überblick. Tabellen ergänzen die Ausführungen mit konkreten Angaben zum Vorkommen der Varianten in den 15 Arealen des deutschsprachigen Raums.

Popularität und sprachpolitische Wirkung

Über das Projekt wurde in den Medien verschiedentlich berichtet (siehe dazu unter http://www.variantengrammatik.net/publikationen.html#medienberichte). Das Medien-interesse war auch deshalb so groß, weil die Variantengrammatik sprachpolitisch ein Zeichen setzen will: Alle Varianten des Deutschen, die in der Variantengrammatik erfasst sind, sind gleichberechtigt, sie gehören zur deutschen Standardsprache.

Ein trinationales Projekt

Im Projekt arbeiteten Forschergruppen der Universitäten Zürich, Graz und Salzburg (anfangs auch in Augsburg) zusammen. Das Projekt wurde von den großen Forschungsförderungsinstitutionen der Schweiz, Österreichs und Deutschlands (SNF, FWF und DFG) finanziert.

Weitere Informationen

Projektwebsite: http://www.variantengrammatik.net/

Variantengrammatik auf Twitter @VariantenGra, https://twitter.com/variantengra?lang=de

Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Dr. Stephan Elspaß 
Universität Salzburg 
Fachbereich Germanistik
Erzabt-Klotz-Straße 1 
A-5020 Salzburg
stephan.elspass@sbg.ac.at
https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=23069
Aussender:
HR Mag. Gabriele Pfeifer
Leitung Public Relations  und Kommunikation
Universität Salzburg
Kapitelgasse 4-6, 5020 Salzburg
Tel: 0043/(0)662-8044-2435
mobil: 0664-8482340
gabriele.pfeifer@sbg.ac.at
http://www.uni-salzburg.at/presseinfos
STICHWÖRTER
Salzburg  | Forschung  | Wissenschaft  | Sprache  | Germanistik  | Bez. Salzburg  |
Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung