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Forscher legt Fokus auf "austro-islamische" Architektur im späten Habsburgerreich © René Steyer
Forscher legt Fokus auf "austro-islamische" Architektur im späten Habsburgerreich © René Steyer

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ERC Starting Grant für Kunsthistoriker Maximilian Hartmuth

27.11.2017

Der European Research Council (ERC) fördert ab 2018 mit rund 1,3 Millionen Euro ein Großprojekt am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien. Im Zentrum steht das wenig bekannte Erbe muslimischer Kult- und Bildungsbauten aus der Zeit österreichisch-ungarischer Herrschaft in Bosnien. Der Osteuropaexperte Maximilian Hartmuth leitet das erste österreichische Kunstgeschichte-Projekt, das den prestigeträchtigen ERC Starting Grant zuerkannt bekommt.

1878 zogen österreichisch-ungarische Truppen einen Schlussstrich unter vier Jahrhunderte osmanischer Herrschaft in Bosnien und der Herzegowina. Die neue Verwaltung bemühte sich nach anfänglichen Unklarheiten um ein Auskommen mit der etwa halben Million Muslime, die im Lande verblieben. Viele islamische Einrichtungen wurden renoviert oder revitalisiert. Häufig kam es zum völligen Neubau muslimischer Bethäuser oder Schulen.

"Dass deren Inschriften zuweilen auf osmanische Stiftungen verweisen, täuscht darüber hinweg, dass es sich bei ihrer Architektur um ein Phänomen der späten Habsburgerzeit handelt", erklärt der zukünftige ERC-Projektleiter Maximilian Hartmuth vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien: "Die Architekten und Planer ebendieser muslimischen Kult- oder Bildungsbauten erhielten ihre Ausbildung in der Monarchie, in der Regel in Wien."

Bemerkenswertes Phänomen kaum erforscht

Ein gutes Beispiel dafür ist eine 1887/88 auf Regierungskosten in Sarajevo errichtete "Scheriatsrichterschule", die ein böhmischer Schüler Theophil Hansens, Architekt des Parlaments und anderer berühmter Ringstraßenbauten in Wien, verantwortete. Der Aufgabe entsprechend, verweist die Architektur der Kadi-Ausbildungsstätte in Sarajevo allerdings auf islamische Traditionen und nur indirekt auf Wien.

"Von einem umfassenden Verständnis dieses 'austro-islamischen' Architekturerbes sind wir noch weit entfernt", erklärt Hartmuth weiter. Archive, vor allem in Bosnien, blieben bislang weitgehend unerforscht und viele außergewöhnliche Bauwerke wurden nie umfassend dokumentiert und einer kritischen Analyse unterzogen. Genau das will Hartmuth nun im Rahmen seines fünfjährigen ERC-Forschungsprojekts unternehmen.

Über Maximilian Hartmuth

Den Wiener verschlug es bereits zu Studienzeiten nach Sarajevo und Belgrad, gefolgt von vielen Jahren in Istanbul. In der Bosporus-Metropole erwarb er 2011 an der renommierten Sabancı-Universität sein Doktorat. Seine Dissertation behandelte die sozialen und räumlichen Zusammenhänge des Kunstschaffens in den osmanischen Balkanprovinzen. Hartmuth ist seit 2012 an der Universität Wien und gilt als einer der wenigen Experten für die islamische Kunst Südosteuropas. Sein Sachverständnis konnte Hartmuth auch im Rahmen eines FWF-Drittmittelprojekts an der Universität Wien vertiefen, das sich ab 2014 der früh- und mittelosmanischen Architektur Mazedoniens widmete.

"Im ERC-Projekt treffen meine Interessen an der Architekturgeschichte des Balkans und Mitteleuropas sowie an postkolonialen Diskursen und anderen interdisziplinären Fragestellungen zusammen", sagt Hartmuth. Als Leiter eines mehrköpfigen Forschungsteams wird ihm der hochdotierte Forschungspreis gestatten, eine Netzwerkerweiterung in Richtung südöstliches Europa zu forcieren.

"Es ist eine große Anerkennung für die international sichtbaren Forschungsleistungen der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, dass Maximilian Hartmuth seine Forschungen im Rahmen des ERC Starting Grants zum Erbe muslimischer Kult- und Bildungsbauten aus der Zeit österreichisch-ungarischer Herrschaft in Bosnien bei uns durchführen wird. ForscherInnen an mehreren Instituten der Fakultät verfolgen verwandte Fragestellungen; so dass sich sicherlich ein äußerst fruchtbarer Austausch ergeben wird", sagt Dekanin Claudia Theune-Vogt.

Insgesamt bereits 41 ERC Grants für die Universität Wien

Seit 2007 wurden bisher 21 ForscherInnen mit einem ERC Starting Grant ausgezeichnet. Dank vierzehn Advanced Grants, einem ERC Proof of Concept und fünf ERC Consolidator Grants liegt die Universität Wien bei nunmehr 41 ERC-Förderungen. "Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist ein wichtiger Gradmesser für die Universität. Mit nunmehr insgesamt 41 ERC Grants stellen die WissenschafterInnen diese institutionelle Wettbewerbsfähigkeit der Universität Wien eindrucksvoll unter Beweis", so Rektor Heinz W. Engl.

Weitere Informationen zu den ERC-PreisträgerInnen der Universität Wien:

https://www.univie.ac.at/forschung/forschung-im-ueberblick/erc-grants

Weitere Informationen: http://erc.europa.eu/

Text- und Fotoansicht im Medienportal http://go.apa.at/aia9kWtG

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Maximilian Hartmuth
Institut für Kunstgeschichte
Universität Wien
1090 Wien, Spitalgasse 2, Hof 9
T +43-1-4277-414 30
mailto:maximilian.hartmuth@univie.ac.at
  
Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33
mailto:alexandra.frey@univie.ac.at

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