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Ehrenzeichen an Molekularbiologin Charpentier und Geografin Leitner

03.10.2018

Bundespräsident Alexander Van der Bellen verleiht am 3. Oktober am Abend in Wien der französischen Molekularbiologin Emmanuelle Charpentier und der aus Österreich stammenden, in den USA tätigen Geografin Helga Leitner das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Die beiden erhalten die Ehrung beim traditionellen Empfang des Präsidenten für die Kurien für Wissenschaft und Kunst.

Das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ist die höchste Auszeichnung, die speziell für künstlerische und wissenschaftliche Leistungen vergeben werden kann. Es wird an Wissenschafter und Künstler verliehen, "die sich durch besonders hochstehende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Kunst allgemeine Anerkennung und einen hervorragenden Namen erworben haben".

Insgesamt dürfen maximal 36 österreichische Staatsbürger - je 18 auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Kunst - und 36 Ausländer Besitzer des Ehrenzeichens sein. Die Ordensträger bilden je eine Kurie für Wissenschaft und für Kunst. Für neue Mitglieder gilt das Prinzip der Selbstergänzung: Neue Träger des Ehrenzeichens werden von den jeweiligen Kurien gewählt.

Diskrepanz zwischen Aufmerksamkeit und tatsächlicher Wirkung

Wissenschaft und Kunst seien bei den bisherigen Rückblicken auf das Republiksjubiläum kaum vorgekommen, erklärte der Bundespräsident (laut vorab bereitgestelltem Redemanuskript, Anm.) bei der Verleihung. "Und doch sind es gerade sie, die unser Land besonders nachhaltig geprägt haben", so Van der Bellen. Er nannte etwa Musiker wie Arnold Schönberg, Physikerinnen wie Lise Meitner oder Juristen wie Hans Kelsen, von denen Impulse ausgingen, die bis in die Gegenwart wirken und das Bild unseres Landes nach außen hin prägen. Diese Diskrepanz zwischen Aufmerksamkeit und tatsächlicher Wirkung lasse sich im Nachhinein nicht korrigieren, "sehr wohl aber können wir darauf hinwirken, dass Wissenschaft und Kunst in unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen".

Charpentier (49) entwickelte die biochemische Methode "Crispr-Cas9" mit. Durch diese "Genschere" lassen sich genetische Veränderungen von Organismen relativ leicht durchführen. Sie arbeitete von 2002 bis 2009 an der Uni Wien bzw. den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) der Uni Wien und der Medizinuni Wien, wo sie einen relevanten Teil der Entwicklungsarbeit für die "Genschere" durchführte. 2012 veröffentlichte sie mit der US-Biochemikerin Jennifer Doudna die Anleitung für den Schneidemechanismus im Fachjournal "Science". Seit 2015 ist sie Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und bekam heuer mit der unabhängigen Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene ein eigenes Institut, das sie als Gründungsdirektorin leitet.

Helga Leitner, geboren am 29. April 1949 in St. Valentin (NÖ), hat seit 2012 eine Professur für Geografie an der University of California in Los Angeles. Sie hat 1978 ihr Doktoratsstudium an der Universität Wien mit einer Dissertation über "Gastarbeiter in der städtischen Gesellschaft am Beispiel von Wien" abgeschlossen und währenddessen auch als Forschungsassistentin am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien gearbeitet. An der Uni Wien war sie die folgenden Jahre als Assistenzprofessorin tätig und wechselte 1985 an die University of Minnesota in Minneapolis, wo sie zunächst als Associate Professor und ab 1996 als Professor tätig war. In ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf Stadt- und Migrationsforschung.

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