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Entwicklung digitaler Ansätze zur Förderung von Zivilcourage

01.10.2018

Im Alltag ergeben sich oft Situationen, die Zivilcourage oder Hilfeleistung erfordern. PassantInnen müssen meist innerhalb von Sekunden entscheiden, ob sie in einer Gefahrensituation eingreifen sollen, ohne dabei aber ihre eigene Sicherheit zu gefährden. Die AIT ExpertInnen vom Center for Technology Experience erforschen in dem Projekt "kURAGE: Erforschung von Zivilcourage und deren Förderung durch spielerische Erfahrungen", warum Menschen zivilcouragiert handeln und welche Barrieren es dabei gibt.

Ziel ist es, innovative Trainingskonzepte für Zivilcourage zu entwickeln, die eine ortsunabhängige und individuelle Nutzung erlauben und durch spielerische Ansätze Interventionskompetenzen stärken sowie Awareness schaffen. Dies ist auch durch die vor Kurzem durchgeführten Feldexperimente gelungen: Viele BeobachterInnen diskutierten in den Nachgesprächen eigene Erfahrungen, die Alltäglichkeit solcher Situationen sowie die Notwendigkeit und die Möglichkeiten von Interventionen.

Feldexperiment in Wien zur Erforschung von Zivilcourage

Auf Basis einer bereits durchgeführten Metaanalyse wurden nun bisher wenig erforschte Einflussfaktoren sowie solche, für die widersprüchliche empirische Daten vorliegen, untersucht. Dazu wurden in Wien, auf der Donauinsel sowie im Stadtpark, zwei kontrollierte Feldexperimente durchgeführt. Mit Hilfe zweier Darstellerinnen wurden beide Experimente, unter sorgfältiger Beachtung von forschungsethischen Aspekten, verdeckt durchgeführt: In Anlehnung an klassische Experimente zu prosozialem Verhalten, wurde eine offensichtlich hilfesuchende Person positioniert, die von einer Täterin belästigt wurde. Dabei griff diese das Opfer verbal an, beschimpfte es und drohte ihm mit Gewalt. Unauffällig platzierte AIT ForscherInnen registrierten in Beobachtungsprotokollen das Verhalten der PassantInnen. Bei einem Einschreiten dieser, spätestens aber nach Beendigung der Szene, wurden alle PassantInnen über das Experiment aufgeklärt und zur vertiefenden Erhebung eingeladen.

Verbale Gewalt wird oftmals falsch eingeschätzt

Die Ergebnisse zeigen, dass Gefahrensituationen zu oft unterschätzt werden. Insbesondere nur die Androhung von körperlicher Gewalt wird häufig nicht als Gefahr wahrgenommen. Beschimpfungen, Bedrohungen, die Verbreitung von Gerüchten sowie Diskriminierung hinterlassen jedoch tiefe Spuren bei den Betroffenen. Dies ist zwar für die PassantInnen weniger sichtbar, ein Eingreifen und zu Hilfe kommen ist dennoch notwendig, nicht nur, um emotionale und psychische Verletzungen zu vermeiden, sondern auch, weil körperliche Übergriffe zumeist als verbale Angriffe beginnen.

In den Experimenten wurde verglichen, ob der Grad der persönlichen Nähe zwischen Opfer und TäterIn, also ob sich zwei Personen kennen oder nicht, Einfluss darauf hat, ob jemand einschreitet. Dabei konnte festgestellt werden, dass Menschen sich weniger verantwortlich fühlen, wenn TäterInnen und Opfer sich kennen. Hier kann angenommen werden, dass PassantInnen sich "nicht einmischen" möchten, um die Privatsphäre der betroffenen Personen zu respektieren. Da aber gerade in solchen Fällen mit hohen emotionalen Verletzungen zu rechnen ist, sollte das Abwägen gesellschaftlicher Werte, zum Beispiel der Schutz vor Verletzungen und der Würde der Betroffenen, reflektiert und trainiert werden. "Die vom AIT entwickelten innovativen Trainingskonzepte können beispielsweise in Form einer App umgesetzt werden. Solche Anwendungen dienen der spielerischen Schulung von Gefahrenbewusstsein und Interventionskompetenzen", so Julia Himmelsbach, Projektleiterin am AIT.

Das Projekt wird innerhalb des Sicherheitsforschungsförderprogramms KIRAS durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) gefördert.

AIT Center for Technology Experience

Das Center for Technology Experience beschäftigt sich mit fundamentalen Fragen zur Interaktion zwischen Mensch und Technologie. Mehr als jemals zuvor berührt uns Technologie auf einer emotionalen, intellektuellen und sinnlichen Ebene. Auf interdisziplinärem Weg untersucht das Center mögliche Qualitäten und Formen der Interaktion, sowie neuartige Methoden und Werkzeuge zur Untersuchung dieser. User Experience-Forschung, durch Experience geleitete Innovation sowie neue Wege der Interaktion gelten zunehmend als zentrale Bausteine innovativer und somit auch erfolgreicher Technologien, Anwendungen und Services. Im Center for Technology Experience unterstützen wir Unternehmen und öffentliche Hand mit neuesten wissenschaftlichen Ansätzen und Methoden bei der Gestaltung dieser.

Rückfragehinweis:
Vanessa Schuster, Bakk.phil.
Marketing and Communications
Center for Technology Experience
AIT Austrian Institute of Technology GmbH
vanessa.schuster@ait.ac.at | www.ait.ac.at
M +43 (0)664 88390690

Daniel Pepl, MAS  
Corporate and Marketing Communications  
AIT Austrian Institute of Technology GmbH
daniel.pepl@ait.ac.at| www.ait.ac.at
T +43 (0)50550-4040
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