Kultur & Gesellschaft

Partnermeldung

Ethiktagung: Philosophen debattieren über Bioethik bis Populismus, von Tierethik bis Technikfolgen

09.11.2017

Rund 150 Philosophen und Philosophinnen präsentieren bei der V. Tagung für Praktische Philosophie von 16. bis 17. November 2017 an der Universität Salzburg ihre Forschungen. Es ist die größte jährlich durchgeführte Ethiktagung im deutschsprachigen Raum. Neben Grundlagen der praktischen Philosophie stehen vor allem aktuelle Anwendungsfragen von Moral und Politik im Fokus.

Organisiert wird die Tagung von den Salzburger Philosophen Gunter Graf und Gottfried Schweiger vom Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg, Michael Zichy von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg und Martina Schmidhuber von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die Praktische Philosophie umfasst gemäß der aristotelischen Tradition die Disziplinen Ethik, Rechtsphilosophie, Staatsphilosophie, Politische Philosophie und Wirtschaftsphilosophie. Es geht um die philosophische Erforschung der menschlichen Praxis.

Wie viele Flüchtlinge soll der Staat aufnehmen? Wie verändern neue Technologien unser Leben? Welche Entscheidungen sollten wir an Maschinen delegieren? Gibt es eine Verantwortungslücke in der Roboterethik? Welche Rechte sollen wir Tieren zugestehen? Wie ist unser Menschenbild in der modernen Medizin? Ist Populismus in Demokratien unvermeidlich? Was bedeutet Wahrheit in Zeiten des Postfaktischen?

Von der Bioethik, der Medizinethik, der Organisationsethik, der Politischen Philosophie bis zur sozialen Robotik und der Technikfolgenabschätzung reicht das Themenspektrum, über das arrivierte Forscher/innen sowie Nachwuchsphilosophen und Nachwuchsphilosophinnen zwei Tage lang im Unipark Nonntal diskutieren werden. Neben alten Themen (das Gute, Gerechtigkeit) geht es vor allem um neue Probleme (Biotechnologie, Robotik). "Das Programm der Tagung macht deutlich, dass praktische Philosophie sich nicht darauf beschränkt, abstrakte Fragen zu wälzen oder bedeutende Philosophen wie Kant, Hegel oder Hannah Arendt zu interpretieren. Vielmehr geht es darum, die Herausforderungen, die sich heute und in Zukunft für die Gesellschaft stellen, aufzunehmen und gründlich zu bearbeiten", betont Organisator Gottfried Schweiger. Gerade in turbulenten und unsicheren Zeiten sei eine profunde philosophische Reflexion wichtig. "Philosophen stellen oft tiefsitzende Überzeugungen in Frage und regen dazu an, über das eigene Handeln und die Politik neu nachzudenken."

Neben dem allgemeinen Programm in 50 parallel verlaufenden Panels gibt es auch spezielle Workshops. Um technologische Errungenschaften wie maschinelles Lernen, selbstfahrende Autos, soziale Robotik oder Smart Technologies geht es beim Workshop "Technologie und Philosophie" (Freitag, 17.November, 11 - 17 Uhr), der von den beiden Philosophen Ezio Di Nucci (Universität Kopenhagen) und Thomas Grote (Universität Tübingen) organisiert wird. Ezio Di Nucci beschäftigt sich - neben seinem Schwerpunkt, der Medizinethik, - zum Beispiel intensiv mit der Frage der Verantwortung beim Einsatz von Drohnen ("Drones and Responsibility. Legal, Philosophical and Socio-Technical Perspectives on Remotely Controlled Weapons". Oxford Routledge 2016).

Ein Aspekt des Workshops wird die Frage sein, wie sich Autonomie und Technik vertragen. "Maschinen besitzen nicht nur ein enormes Vermögen bei der Berechnung komplexer Zusammenhänge, sondern sie nehmen uns in der Berufswelt wie auch im persönlichen Leben zunehmend grundlegende Aufgaben ab. Der technologische Fortschritt ist jedoch meist mit einem Verlust von Kontrolle verbunden. Dieser Kontrollverlust ist ethisch und politisch relevant. Da die Architektur der Technologien immer komplexer wird, fällt es uns außerdem immer schwerer, ihre Arbeitsweise nachvollziehen zu können. Dazu kommt: Je mehr neue Technologien Einzug in unser Leben halten, desto abhängiger werden wir von ihnen. Diese Abhängigkeit kann moralisch problematisch sein", sagt Schweiger.

Ein weiterer Workshop befasst sich mit der Verletzlichkeit und dem Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen aus ethischer Perspektive (Freitag, 17.November, 11-17 Uhr). Die Salzburger Philosophen Gottfried Schweiger und Gunter Graf widmen sich diesem Thema schon seit längerem. Sie haben Salzburg als eine zentrale Anlaufstelle für die philosophische Kindheitsforschung etabliert. Auch hier spielen neue Technologien eine immer wichtigere Rolle. Sie können für Kinder sowohl neue Freiheiten als auch Gefahren wie Cyberbulling, Sexting, Handysucht oder Internetpornographie bedeuten.

Die viel diskutierte "Krise der Demokratie" ist Thema eines Workshops, der vom Salzburger Rechts- und Sozialphilosophen Norbert Paulo geleitet wird (Freitag, 17. November, 11-17 Uhr).

Zu den Highlights der Tagung zählen für Gottfried Schweiger die Keynotes, die von zwei renommierten Professor/inn/en am Beginn bzw. zum Abschluss der Veranstaltung gehalten werden. Thomas Schramme, Professor für Praktische Philosophie an der Universität Liverpool spricht zur Tagungseröffnung (Donnerstag, 16. November, 14 Uhr) über das Verhältnis von Empathie und Moralfähigkeit. Schramme zeigt in seinem Vortrag, dass wir Empathie benötigen, um moralisch handeln zu können. Moral ist also kein rein rationales Konstrukt, sondern eng mit Gefühlen und Einfühlungsvermögen verwoben.

Abschließend widmet sich Véronique Zanetti, Professorin für Politische Philosophie an der Universität Bielefeld, dem Paradox moralischer Kompromisse (Freitag, 17.November, 17.30-19 Uhr). Sie untersucht die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Kompromisse moralisch richtig und gut sein können. Wann sollen wir also Kompromisse eingehen? Angesichts der Pluralität von Überzeugungen und Werten, die im täglichen Leben wie auch in der Politik immer öfters Kompromisse verlangt, ist das - so Schweiger - eine Frage mit bedeutenden Implikationen.

Die Tagung für Praktische Philosophie wurde im Jahr 2013 an der Universität Salzburg ins Leben gerufen. Sie ist ein zentrales Event im wissenschaftlich-philosophischen Kalender mit einer hohen Sichtbarkeit weit über Salzburg und Österreich hinaus.

Veranstaltungshinweis:

V. Tagung für Praktische Philosophie. 16. & 17. November 2017, Unipark Nonntal, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg

Link zur Tagung: http://www.tagung-praktische-philosophie.org.

Kontakt:

Dr. Gottfried Schweiger, Zentrum für Ethik und Armutsforschung, Universität Salzburg, Edith-Stein-Haus, Mönchsberg 2a, Tel. 0662/ 8044-2570, gottfried.schweiger@sbg.ac.at

Rückfragen:

Mag. Gabriele Pfeifer
Leitung Public Relations  und Kommunikation
Universität Salzburg
Kapitelgasse 4-6, 5020 Salzburg
Tel: 0043/(0)662-8044-2435
mobil: 0664-8482340
gabriele.pfeifer@sbg.ac.at
http://www.uni-salzburg.at/presseinfos
STICHWÖRTER
Philosophie  | Ethik  | Salzburg  | Bez. Salzburg  | Wissenschaft  | Sozialwissenschaften  | Gesellschaft  | Werte  |
Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung