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Expertenrunde zu Fotografie: Pro und contra Fotomuseum

04.08.2017

Verschiedenste Positionen zum Umgang mit Fotografie trafen am Mittwoch auf Einladung von Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) bei einer Expertendiskussion im Bundeskanzleramt aufeinander. Anlass war die hitzige Debatte über die Idee der Gründung eines Fotomuseums. So ergebnisoffen wie die Veranstaltung geplant war, endete sie auch.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung mit Vertretern öffentlicher wie privater Einrichtungen stand die Frage, wie fotografische Arbeiten im Museumskontext behandelt werden sollen und ob dafür eine eigene Institution nötig sei. Drozda sah dabei Reformbedarf und will die Diskussion über die übergeordnete Strategie für die kulturhistorisch wichtige Kunstsparte Fotografie ins Ministerium holen.

Fotografische Sammlungen besitzen viele österreichische Institutionen wie die Albertina, die Nationalbibliothek oder das Museum der Moderne in Salzburg, das die Fotosammlung der Republik beherbergt. Diese sei weltweit einzigartig, so Christiane Kuhlmann, Kuratorin für Fotografie und Medienkunst des Museums, da sie eine gewachsene Sammlung sei, über deren Erweiterung demokratisch und unabhängig entschieden werde.

Während der 36-jährigen Sammlungstradition in ihrem Haus hätten sich Experten immer wieder die Frage gestellt, wo die Fotografie in Österreich stehe. An dem Bestand könne man daher ablesen, welche Entwicklungen in der Kulturpolitik und der zeitgenössischen Fotografie stattgefunden haben. Es gelte, diese Schätze sichtbar zu machen und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Fotografische Arbeiten mit Werken anderer Kunstsparten zu kontrastieren, sei eine weitere wichtige Aufgabe, so Kuhlmann. Dies könne ein Haus der Fotografie zum Beispiel nicht bieten.

Bettina Leidl vom KunstHaus Wien hingegen plädierte für ein Ausstellungshaus für Fotografie, da der Kunstdiskurs nur einen kleinen Teil der Fotografie aufnähme. Sie fände es wichtig, eine Institution zu schaffen, die den engen Fokus der Kunst verlässt und sich der Fotografie als Ausdrucksmittel von Kultur und Gesellschaft widme. Ziel sei es nicht, die Bestände bestehender Sammlungen abzuziehen.

Sichtbarkeit verbessern

Monika Faber, ehemalige Chefkuratorin der Fotosammlung in der Albertina und heute am Photoinstitut Bonartes tätig, sprach sich gegen die Gründung eines Fotomuseums aus: Fotografie allgemein zusammenzufassen sei ein überholter Ansatz. Alternative Vorschläge wären ein "wanderndes" Fotomuseum, das die Sichtbarkeit verbessere, oder eine Institution nach Vorbild der französischen Jeu de Paume, die beratende und verbindende Funktion habe und allen anderen Einrichtungen an die Hand gehe.

Rainer Iglar vom Fotohof Salzburg plädierte ebenfalls dafür, statt eines neuen Museums bestehende Strukturen zu stärken, die szenenahe arbeiten. Der Fotohof habe soeben begonnen, ein Archiv zu gründen, in dem Vor- und Nachlässe aufgenommen werden können, und damit auf einen Mangel in Österreich reagiert.

Aus dem Publikum meldeten sich unter anderen Carl Aigner, künstlerischer Leiter des Museum Niederösterreich, und Thomas Wiltmer, Geschäftsführer der Messe Photo+Adventure, mit sehr unterschiedlichen Positionen zu Wort. Das Angebot der existierenden Institutionen sei nicht dazu geeignet, fotointeressierte Anwender anzulocken, sagte Wiltmer. Es brauche daher ein Haus der Fotografie mit niederschwelligem Zugang.

Aigner erklärte, dass man sich in einer Mediengesellschaft damit auseinandersetzen müsse, was Bilder mit uns als Gesellschaft machen. Er forderte die Unterstützung der bestehenden Strukturen und eine neue Institution, in die die Wissenschaften eingebunden werden, um alle Gebrauchsweisen der Fotografie - von wirtschaftlichen bis zu sozialen - ausgehend vom 20. Jahrhundert zu analysieren und durch Vermittlung ein kritisches Bewusstsein zu wecken.

Aus der Diskussion habe er mitgenommen, wie groß die Bedeutung der Kontextualisierung, der Provenienz und der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Fotografie sei, sagte Drozda am Ende der Veranstaltung. Wenn er nach der Wahl im Oktober noch im Amt sei, würde er die vorgetragenen Anregungen einbringen - freilich ohne Millionen Euro für etwaige Baukosten in Aussicht zu stellen.

Edelbert Köb plädiert für zwei Jahre Wartezeit

Edelbert Köb, einstiger mumok-Direktor und mitverantwortlich für das Weißbuch der Bundesmuseen, plädiert für eine Nachdenkpause in der Diskussion um ein Fotomuseum. Zunächst sollte man die Fotobestände des Bundes erheben, so Köb im "Kurier" (Freitagsausgabe): "Bevor man die nicht erfasst und bewertet hat, sollte man keine Entscheidung treffen. Geben wir der Wissenschaft dafür zwei Jahre Zeit."

"'Fotomuseum' - das ist wieder nur ein Schlagwort, das ist unüberlegte Ankündigungspolitik in Vorwahlzeiten", ärgert sich der 75-Jährige im Interview: "Die Expertenkommission hat gesagt: Bevor nicht ein nachhaltiger Gesamtentwicklungsplan für die Bundesmuseen vorliegt, soll es keine weiteren unkoordinierten Einzelentscheidungen geben." Grundsätzlich könne ein spezialisiertes Fotomuseum am Ende der Debatte dann durchaus das Ergebnis eines Masterplans sein.

Dabei könne in den Augen Köbs auch die Kooperation mit Westlicht-Chef Peter Coeln aufs Tapet kommen, der seine Sammlung dem Bund angeboten hat, sollte dieser ein eigenes Fotomuseum begründen: "Man könnte theoretisch die historischen Teile der Bundessammlungen und die Sammlung Coeln - also bis zu den 1960er-Jahren - zu den Beständen der Albertina geben. Mittlerweile kann man diesem 'Universalmuseum' ohnehin alles zuschlagen."

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