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Nach Hans Sünkel wurde 2006 ein Kleinplanet benannt © APA (Neubauer)
Nach Hans Sünkel wurde 2006 ein Kleinplanet benannt © APA (Neubauer)

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FWF-Aufsichtsratsvorsitzender und Ex-TU-Rektor Sünkel wird 70

01.10.2018

Am neunten Geburtstag von Hans Sünkel startete der erste künstliche Erdsatellit ins All. Seither wusste er, dass er die Erde von oben erforschen will. Etwa 50 Jahre später wurde ein Asteroid nach ihm benannt. Der ehemalige Rektor der TU Graz und spätere Vorsitzende der Universitätenkonferenz ist aktuell u.a. Aufsichtsrats-Chef des Wissenschaftsfonds FWF. Am 4. Oktober wird er 70 Jahre alt.

Hans Sünkel ist ein exzellenter Kenner des österreichischen Forschungs- und Hochschulsystems, Fürsprecher der Grundlagenforschung und war wesentlich bei der Erforschung des Erdschwerefeldes mittels Satellitengeodäsie beteiligt. "Per aspera ad astra" (Mit Fleiß zu den Sternen) war nicht nur sein Motto als Rektor an der TU Graz, sondern kann als Leitgedanke seines gesamten Lebensweges interpretiert werden: Matura, das Studium des Vermessungswesens und die Promotion am Institut für Physikalische Geodäsie absolvierte er jeweils mit ausgezeichnetem Erfolg. "Ich bin neugierig, auf das was die Welt im Innersten zusammenhält und das hat mich mein ganzes Leben hindurch angetrieben", kommentierte Sünkel seine Leistungen gegenüber der APA.

Spitzenleistungen hat Sünkel auch als Rektor (2003 - 2011) an der TU Graz angestrebt, was sich 2011 in einer beeindruckenden Bilanz niederschlug: 50 Prozent mehr Studierende in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studien seit 2003, eine Verdreifachung der extern angeworbenen Mittel, der Neubau der "Neuen Chemie" in Graz, 13 neue Doktoratschulen und der Zusammenschluss von TU Graz und Uni Graz im Bereich der Naturwissenschaften unter dem Titel "Nawi Graz" etwa. "Im Vordergrund stand für uns immer der Wunsch nach mehr Qualität - das hat die Leute letztlich in ein gemeinsames Boot gebracht", schilderte Sünkel rückschauend.

Noch einen Gang zugelegt

Und dieser "Tour de Force" hat Sünkel noch einen Gang zugelegt. 2010 übernahm der bekannte Befürworter von Studiengebühren bei gleichzeitigem Ausbau des Stipendiensystems sowie Verfechter von Zugangsbeschränkungen an den Unis zusätzlich das Amt des Präsidenten der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko). Bereits in den ersten Tagen nach der Wahl zum uniko-Präsidenten hat er deutliche Position eingenommen und wies auf die "dramatisch unterfinanzierten" Universitäten hin.

Team- und Begeisterungsfähigkeit hält Sünkel für zwei wesentliche Voraussetzungen für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Wissenschaft in unserem Land: "Forscher - auch wenn sie noch so exzellent ihr Thema beherrschen - können sich heute nicht mehr wie noch vor Jahrzehnten verhalten. Sie müssen Teamplayer sein, Menschen mitreißen können. Sehr komplexe Fragen erfordern zudem ein interdisziplinäres Team", wie Sünkel darlegte. Die globale Dimension der Aufgabestellungen erfordere es, dass in Wissenschaft und Forschung nationale Denkmuster durch internationale Zusammenarbeit ersetzt werden.

Im internationalen Wettbewerb in der Wissenschaft zähle aber vor allem die Qualität und diese hat ihren Preis. Hier sprach sich Sünkel für mehr Mut aus, "Risikokapital" bereitzustellen: "Die Grundlagenforschung ist wie Entdeckung von Neuland, sie gleicht einer Expedition. Das ist mit einem hohen Maß an Risiko verbunden und der 'return of investment' dauert of viele Jahre. Hier braucht es mehr Mut bei der finanziellen Unterstützung", hob der FWF-Aufsichtsratsvorsitzende im APA-Gespräch hervor.

Wert der Grundlagenforschung erkannt

Die Politik habe den Wert der Grundlagenforschung erkannt und das FWF-Budget um zusätzliche 110 Millionen Euro für die Jahre 2018 bis 2021 erhöht. Benötigt werde ein Mix aus öffentlichen und privaten Mitteln: "Die Wirtschaft wäre gut beraten, mit einem Auge auf die Grundlagenforschung zu fokussieren. Industrie und Wirtschaft müssen aber auch über die Möglichkeiten der Grundlagenforschung informiert und begeistert werden", betonte Sünkel.

Sünkel wurde am 4. Oktober 1948 im obersteirischen Rottenmann geboren. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. 1968 bis 1976 studierte er Vermessungswesen an der damaligen Technischen Hochschule Graz und schloss einen einjährigen Forschungsaufenthalt an der Ohio State University an. Gastprofessuren in den USA und Kanada folgten. 1983 wurde Sünkel zum Professor für Mathematische und Numerische Geodäsie an der TU Graz. 1987 wurde er zum Leiter des TU-Institutes für Theoretische Geodäsie berufen - was ihn nicht davon abhielt, sich für die Kosmonauten-Ausbildung für das Weltraum-Projekt Austromir zu bewerben: Nach eineinhalb Jahren harten Trainings wurde allerdings Franz Viehböck ausgewählt.

Vielfältige Laufbahn

Seit 1990 leitete Sünkel zudem die Abteilung für Satellitengeodäsie des Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Von 2001 bis 2004 war er wissenschaftlicher Direktor des IWF. Die erfolgreiche ESA-Mission GOCE trug auch die Handschrift des steirischen Geodäten. Sünkel brachte diesen Erderkundungssatelliten, der hochpräzise Daten über das Erdmagnetfeld sammelte, mit auf Schiene und leitete - bereits als Rektor der TU Graz - auch das europäische GOCE-Konsortium.

Nach dem Ende seiner Rektors- und uniko-Funktion hat Sünkel eine Reihe von Beratertätigkeiten angenommen. Seit 2015 hat er den Vorsitz des Aufsichtsrates des Wissenschaftsfonds FWF inne - die zentrale Anlaufstelle für im Wettbewerb vergebene Mittel im Bereich der Grundlagenforschung in Österreich. 2012 wurde Sünkel in den Universitätsrat der Med-Uni Graz gewählt, im April 2018 ist er zu dessen Vorsitzenden gewählt worden.

Eine besondere Auszeichnung wurde Sünkel 2006 zuteil, als durch die Internationale Astronomische Union ein Kleinplanet - 1992 RY/Sünkel - nach ihm benannt wurde. 2010 wurde er in die Academia Europaea aufgenommen. Seit 2012 ist er Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich und des Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark.

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