Kultur & Gesellschaft

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Forschen im Verbund zu Hunger und Migration

09.11.2017

Vergangenes Jahr haben sich fünf niederösterreichische geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Institute zum Forschungsnetzwerk Interdisziplinäre Regionalstudien, kurz FIRST, mit Sitz an der Donau-Universität Krems zusammengeschlossen. Die Fachhochschule St. Pölten ist in zwei Forschungsverbünden zu den Themen Migration und Ernährung beteiligt. Am 20. und 21. November präsentiert sich das Netzwerk bei einer Tagung und bietet Gelegenheit zur Diskussion.

Der Forschungsverbund Migration untersucht im Rahmen des Netzwerks die Lage von geflüchteten und migrierten Menschen in niederösterreichischen Gemeinden und die Rolle des "Migrationsraums Niederösterreich" vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung der FH St. Pölten erhebt im Rahmen dessen aktuelle Inklusions- und Exklusionspraxen, bezugnehmend auf anerkannte Flüchtlinge in ländlichen niederösterreichischen Gemeinden.

ForscherInnen des Instituts befragen dazu geflüchtete Menschen, MigrationskritikerInnen, Menschen, die dem Thema positiv gegenüberstehen und zum Teil ehrenamtlich helfen, sowie Menschen, die dem Thema neutral gegenüberstehen. "Es geht darum, die Perspektive der geflüchteten Menschen zu erfassen, ihre positiven und negativen Erfahrungen, aber auch die Erfahrungen der bisherigen Bewohnerinnen und Bewohner in den Gemeinden", sagt Katharina Auer-Voigtländer, Junior Researcher am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung.

Inklusion statt Integration

Bisher wurde im Umgang mit Migration meist der Ansatz der Integration genutzt. Dieser soll um jenen der sozialen Inklusion erweitert werden. "Im Unterschied zu Konzepten der Integration geht es nicht darum, dass einzelne oder Gruppen in ein größeres Ganzes eingegliedert werden sollen bzw. sich selbst eingliedern, sondern es wird eine neue Form des Zusammenlebens angestrebt", erklärt Johannes Pflegerl, Leiter des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung der FH St. Pölten.

Das Forschungsnetzwerk hat zum Thema auch einen Migrationsblog eingerichtet (http://first-research.ac.at/migrationsblog), auf dem einmal im Monat eine individuelle Migrationsgeschichte erzählt wird und dessen Inhalte von Schulen auch im Unterricht verwendet werden.

Essen und Ungleichheit

Das Teilprojekt "Biographien des Essens" der FH St. Pölten im zweiten Forschungsverbund mit dem Titel "Nahrung Macht Ungleichheit" untersucht, wie sich Brüche in Biographien auf die Ernährung auswirken. Solche Brüche sind zum Beispiel Armut, chronische Erkrankungen, Obdachlosigkeit, Sucht, Scheidungen oder Haftentlassungen. ForscherInnen des Ilse Arlt Instituts befragen dazu Betroffene und SozialarbeiterInnen in sozialen Einrichtungen und erheben, was und wie die Betroffenen essen oder wie mit Essenseinladungen oder Hilfe durch den Freundeskreis umgegangen wird.

"Es gibt nach wie vor Hunger in Österreich, aber versteckt in den Biographien. Die Verantwortung wurde im Vergleich zu den Hungerkrisen der Geschichte individualisiert. Die meisten Menschen hungern heute nicht, aber einzelne haben immer wieder einmal für mehrere Tage nichts zu essen", sagt Gabriele Drack-Mayer, Junior Researcher am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung. Doch die oben genannten Brüche im Leben, die zum Hunger führen, sind laut Drack-Mayer oft ähnlich. Die Gesellschaft solle daher die Menschen auffangen. Ziel des Projekts ist es, Aspekte der Ernährung stärker in der Sozialen Arbeit zu berücksichtigen.

Diskussion und Interaktion

Die Tagung Ende November richtet sich an alle an den Themen interessierten Personen. ForscherInnen präsentieren Ergebnisse aus den Projekten und bei einem World-Café können BesucherInnen der Veranstaltung mitdiskutieren und eigene Erfahrungen einbringen.

Die Forschungsverbünde zum Thema Migration und Ernährung werden vom Land NÖ im Rahmen der FTI-Strategie des Landes gefördert.

1. first-Tagung: Forschen im Verbund - Ernährungsungleichheit | Migration

20.-21. 11. 2017, Niederösterreichische Landesbibliothek, St. Pölten

Landhausplatz 1, Haus Kulturbezirk 3

Die Teilnahme ist kostenlos.

Programm und Anmeldung:

http://first-research.ac.at/2017/10/11/1-first-tagung-forschen-im-verbund-ernaehrungsungleichheit-migration

Links zu den Projekten:

Projekt Inklusion von Flüchtlingen in Niederösterreich

https://www.fhstp.ac.at/de/forschung/projekte/inkluprax

Projekt Biographien des Essens

https://www.fhstp.ac.at/de/forschung/projekte/biographien-des-essens

Forschungsnetzwerk Interdisziplinäre Regionalstudien (FIRST)

http://first-research.ac.at

Forschungsnetzwerk Interdisziplinäre Regionalstudien (FIRST)

Im Netzwerk FIRST haben sich die beiden in St. Pölten beheimateten Institute für Geschichte des ländlichen Raumes (IGLR) sowie für jüdische Geschichte Österreichs (INJOEST), das Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL) der Universität Salzburg mit Sitz in Krems und das Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung (BIK), Außenstelle Raabs, zusammengeschlossen. Den Rahmen dafür bildet das Forschungs-, Technologie- und Innovationsprogramm des Landes Niederösterreich (FTI-Programm). Die beiden Forschungsverbünde zu Migration und Nahrung werden von der Wissenschaftsabteilung des Landes Niederösterreich finanziell unterstützt. In diesen Verbünden kooperiert FIRST mit dem Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung der FH St. Pölten und dem Zentrum für Migrationsforschung mit Sitz in der Landeshauptstadt.

http://first-research.ac.at

Über die Fachhochschule St. Pölten

Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den sechs Themengebieten Medien & Wirtschaft, Medien & Digitale Technologien, Informatik & Security, Bahntechnologie & Mobilität, Gesundheit und Soziales. In mittlerweile 17 Studiengängen werden rund 2.880 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt zu den oben genannten Themen sowie institutsübergreifend und interdisziplinär. Die Studiengänge stehen in stetigem Austausch mit den Instituten, die laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen.

Informationen und Rückfragen:

Mag. Mark Hammer
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