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Gemeinsame Erfolge eines Teams als wichtiger Faktor für den Sieg © APA (AFP/Filippo MONTEFORTE)
Gemeinsame Erfolge eines Teams als wichtiger Faktor für den Sieg © APA (AFP/Filippo MONTEFORTE)

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Forscher zeigen, warum es ein Ronaldo alleine nicht richten kann

03.12.2018

Der Glaube an einen "Superstar-Effekt" hält sich in manchen Sportarten mitunter hartnäckig. Warum aber einzelne Topspieler wie der mehrfache Weltfußballer Cristiano Ronaldo nicht verlässlich aus einer Durchschnittstruppe Seriensieger machen, hat sich ein Forscherteam mit heimischer Beteiligung angesehen. Dabei entpuppte sich die gemeinsame Erfolgsgeschichte eines Teams als sehr wichtiger Faktor.

Für ihre im Fachjournal "Nature Human Behaviour" veröffentlichte Untersuchung hat die internationale "Wissenschaftsmannschaft" von der Northwestern University in Evanston (USA), dem Indian Institute of Management und der Technischen Universität (TU) Wien Daten aus der US-Basketballliga NBA, der englischen Fußball-Premier League, der ersten indischen Cricket-Liga und der US-Major League Baseball (MLB) analysiert. Darüber hinaus wurden auch Team-Daten aus der Onlinegaming-Welt - nämlich aus dem Multiplayer-Kampfspiel "Defense of the Ancients 2" (Dota 2) - mit einbezogen. All diesen "Sportarten" ist gemeinsam, dass man ohne effektive Zusammenarbeit kaum reüssieren kann, heißt es seitens der Studienautoren, zu denen auch Julia Neidhardt vom Forschungsbereich E-Commerce der TU gehört.

Der gute Einzelspieler ist nicht alles

Auf Basis von Spielerstatistiken schätzten die Forscher die Stärke jedes einzelnen Akteurs ein. Beim Basketball gingen hier laut einer Aussendung der TU etwa die Anzahl erzielter Punkte oder die geleisteten Assists ein. Aus dem Durchschnitt der Stärke der Spieler wurde folglich jene der Stärke der Mannschaften berechnet. Wenig überraschend erwies sich das als bester Wert, anhand dessen sich der zukünftige Erfolg am verlässlichsten abschätzen ließ.

Jedoch waren die tatsächlichen Ergebnisse der Teams am besten einschätzbar, wenn die Wissenschafter zusätzlich berücksichtigten, wie oft die einzelnen Spieler in der Vergangenheit bei einem Sieg gemeinsam am Platz gestanden sind. "Teams mit besseren Einzelspielern haben natürlich auch eine höhere Chance auf den Sieg - aber das ist eben noch nicht alles", so Neidhardt, deren Schwerpunkt die Erforschung von Netzwerken ist, bei denen nicht nur Einzelindividuen, sondern auch ihre Beziehungen untereinander betrachtet werden.

In einer wirklich erfolgreichen Mannschaft sind also gute Einzelkönner über möglichst viele gemeinsame Erfolge zu einem Team zusammengewachsen. Gerade im Spitzensport, wo das individuelle Können durchgehend hoch ist, komme der kollektiven Erfahrung eine messbar höhere Bedeutung zu, so die Wissenschafter. Zur Überraschung der Studienautoren zeigte sich der Effekt auch in einer Sportart wie Baseball, bei der es in wichtigen Spielphasen viel stärker auf die Leistungen einzelner Spieler, wie der Werfer (Pitcher) oder der Schläger (Batter), ankommt. Der Befund sei also "sehr robust". Das lasse "vermuten, dass auch in anderen Bereichen, abseits des Sports, ähnliche Effekte auftreten", erläuterte Neidhardt.

Service: https://dx.doi.org/10.1038/s41562-018-0460-y

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