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Gut erhaltene Leichen unter Lava, Schlamm und Asche © APA / AFP
Gut erhaltene Leichen unter Lava, Schlamm und Asche © APA / AFP

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Gehbehinderter Mann nach Vulkanausbruch in Pompeji erstickt

03.07.2018

Der Mann aus Pompeji, dessen Skelett von Archäologen im Mai in der Ausgrabungsstätte zu Füßen des Vesuvs gefunden wurde, ist nicht durch einen herabfallenden Steinbrocken erschlagen, sondern im Ascheregen erstickt. Dies berichtete der Leiter des archäologischen Geländes von Pompeji, Massimo Osanna, laut Medienangaben.

Das Opfer sei ein etwa 35 Jahre alter Mann, der offensichtlich eine Gehbehinderung hatte, wie eine Analyse des Skeletts ergab. Deswegen konnte er sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen. Anfangs hatten die Archäologen vermutet, dass er von einem 300 Kilo schweren Steinbrocken erschlagen wurde, der auf den Gebeinen lag. Nachdem die Experten jedoch in einer tieferen Ascheschicht den Schädel und Teile des Oberkörpers des Toten entdeckten, änderten die Experten ihre Theorie zum Unfallhergang. Der Mann soll nicht vom Stein erschlagen worden sein, sondern an der Asche und dem Staub erstickt sein. Dies bezeuge auch der weit aufgerissene Mund des Opfers. Die Zähne des Toten sind fast vollständig erhalten geblieben.

Schrecklicher Tod

"Der so weit aufgerissene Mund zeigt uns, dass der Tod dieses Mannes noch schrecklicher war, als wir uns vorgestellt hatten. Der Tod durch des Steinbrocken wäre schneller gewesen", sagte Osanna. Medien berichtete, dass der offene Mund an Munchs Meisterwerk "Der Schrei" erinnere.

Die Resultate der Skelett-Analyse sollen demnächst veröffentlicht werden und zum Thema eines wissenschaftlichen Kongresses werden. "Die Geschichte von Pompeji muss erzählt und mit allen geteilt werden", berichtete der Pompeji-Ausgrabungsleiter.

Inzwischen werden die Ausgrabungen fortgesetzt. 2013 stellte die EU-Kommission 105 Millionen Euro bereit, um den totalen Verfall der 79 nach Christus bei einem massiven Vulkanausbruch verschütteten Ruinenstätte Pompeji zu verhindern. Der Großteil der 20.000 Bewohner starb unter einer Schicht aus Lava, Schlamm und Asche. Erst im 18. Jahrhundert wurden Spuren der vergessenen Stadt entdeckt - und zahlreiche gut erhaltene Leichen, noch in der Position, in der sie beim Vesuv-Ausbruch um ihr Leben gerungen hatten.

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