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Habsburger und Baseball: Der Historiker Karl Vocelka wird 70

17.05.2017

Von der Geschichte der Neuzeit, über die weitläufigen Spuren der Habsburger bis zur historischen Entwicklung des Baseball reichen die Interessen des Wiener Historikers Karl Vocelka. Immer wieder bemüht sich der einstige Vorstand des Instituts für Geschichte an der Uni Wien auch als Ausstellungsmacher, Geschichte der Öffentlichkeit zu vermitteln. Am kommenden Dienstag wird er 70.

Der Experte für die Geschichte Österreichs wurde am 23. Mai 1947 in Wien geboren. Zu seinen vielfältigen Forschungsschwerpunkten zählen Sozial- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, die Eliten- und Frömmigkeitsgeschichte und nicht zuletzt die Habsburger, mit deren Familiengeschichte die historischen Entwicklungen des Landes so eng verbunden ist. Vocelka studierte an der Uni Wien Geschichte und Germanistik und wurde 1971 promoviert, 1978 folge die Habilitation mit Habsburg-Schwerpunkt - nämlich einer Arbeit über die politische Propaganda Rudolfs II.

Seit den 1970er-Jahren ist Vocelka auch Generationen von Wiener Studenten als Universitätslehrer ein Begriff. Anfang der 1980er zog es den Historiker als Gastprofessor an das "Vienna Department" an der Stanford University (Kalifornien), wo er bis 1987 tätig war. Auch danach war Vocelka immer wieder an US-Institutionen tätig. Starker US-Bezug ist auch bei einem seiner Forschungssteckenpferde nicht von der Hand zu weisen: Der Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Baseballs, die etwa im Jahr 2004 in dem Buch "Zu einigen neuen Tendenzen in der Geschichte des Baseball" gipfelte.

Weit raumgreifender ist allerdings Vocelkas Österreichfokus ausgeprägt. Neben zahlreichen Publikationen, etwa zu einzelnen prägenden Vertretern der Habsburger, wagte sich der Historiker auch immer wieder an nicht nur an Fachkollegen adressierte Überblickswerke, wie "Österreichische Geschichte" (2005), "99 Fragen zur österreichischen Geschichte" (2013) oder "99 Fragen zu den Habsburgern" (2014).

Kritische Auseinandersetzung mit Habsburgern

Zum Umgang mit den Habsburgern in der jüngeren Vergangenheit äußerte sich Vocelka mitunter auch pointiert und kritisch. So merkte er nach dem Tod des letzten Kaisersohnes, Otto Habsburg, im Jahr 2011 kritisch an, dass dessen Beisetzung "den Charakter eines Staatsbegräbnisses" hatte, und forderte eine kritischere Auseinandersetzung mit der Monarchie. Bei aller Habsburger-Nostalgie dürfe man die mannigfaltigen Probleme und das große Elend im Habsburgerreich nicht ausblenden, mahnte der Wissenschafter damals.

Licht auf verschiedene Teilaspekte der österreichischen Geschichte warf Vocelka im Rahmen seiner Tätigkeiten als wissenschaftlicher Leiter von Ausstellungen. So war er als junger Historiker bereits 1980 an der damaligen großen Schau anlässlich des 200. Todestages Maria Theresias beteiligt. In leitender Funktion zeichnete Vocelka dann ab den 1990er-Jahren für mehrere Landesausstellungen verantwortlich, darunter etwa "Die Ritter" 1990 auf Burg Güssing (Burgenland) oder die die Grenzen zwischen Oberösterreich und Südböhmen überschreitende Landesausstellung "Alte Spuren. Neue Wege" (2013). 2010 ging unter der Leitung des Historikers die im Rahmen eines von der Bundesregierung initiierten Projekts erstellte virtuelle Dauerausstellung "Welt der Habsburger" (www.habsburger.net) online.

Von 2000 bis 2004 und 2008 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 stand Vocelka dem Institut für Geschichte der Uni Wien vor. Doch auch im Ruhestand bleibt er gefragter Ausstellungsmacher, wie sich etwa anhand seiner Beteiligung an jüngsten Großprojekten, wie der Sonderausstellung "Franz Joseph 1830 - 1916. Zum 100. Todestag des Kaisers" im vergangenen Jahr bzw. den aktuell laufenden Schauen "Brennen für den Glauben. Wien nach Luther" im Wien Museum oder zweier Teile der Vierfach-Ausstellung mit dem Titel "300 Jahre Maria Theresia: Strategin - Mutter - Reformerin" in den Marchfeldschlössern Hof und Niederweiden (Niederösterreich) ablesen lässt.

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