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"Hands Up": Ausstellung bietet Einblick in die Welt von Gehörlosen

05.07.2018

Wie wissen Gehörlose, wann der Wecker klingelt? Diesen und anderen Fragen widmet sich die neue Dauerausstellung "Hands Up" im Wiener Schottenstift. In den unterirdischen Gemäuern von "Dialog im Dunkeln", wo Besucher die Welt von Blinden erleben können, bietet man nun auch Einblick in das Leben von Gehörlosen. Organisiert wurde die Schau von "equalizent", einem Unternehmen für Gehörlose.

Bevor die Führung beginnt, braucht es zwei Requisiten: Ohrstöpsel und schalldämpfende Kopfhörer. Besucher hören nicht einmal mehr ihre eigenen Schritte. Gehörlose Guides führen durch vier Räume, erklären, wie Zeichensprache funktioniert, welche Bedeutung Mimik und Körpersprache haben und bieten einen Überblick über die Entwicklung der Gebärdensprache weltweit und in Österreich.

"Es ist wichtig, einen Raum zu schaffen um zu erleben, wie es ist, gehörlos zu sein" sagte die Geschäftsführerin von "equalizent", Monika Haider, bei einer Presseführung am Donnerstag. Denn viele hätten eine falsche Vorstellung von Gehörlosen. Und davon gibt es rund 10.000 in Österreich, 80.000 wenn Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung mitgezählt werden. Guide Alicia Eliskases erzählt, ein Schüler habe sie einmal gefragt, ob sie überhaupt lesen könne. "Es sind die banalen Fragen, die mich überraschen", sagte sie in Gebärdensprache.

Die Schau versucht, Vorurteile abzubauen: Gehörlose können durchaus Musik erleben und ebenso den Unterschied zwischen Jazz und Heavy Metal erkennen. Besucher können das durch ein vibrierendes Holzbrett und kräftigen Bass erleben. Und auch die Uhr am Ofen und Türklingeln können sie verwenden - anstatt mit Geräuschen, machen diese mit Lichtsignalen auf sich aufmerksam.

Die Ausstellung "Hands Up" baut auf der Interaktion zwischen Guide und Besuchern auf. Sie spielen stille Post, singen in Gebärdensprache Karaoke und sollen erkennen, dass jeder intuitiv Wörter wie "Baby", "Fisch" oder "glücklich" gestikulieren kann.

Service: "Hands Up" im Schottenstift, Freyung 6, 1010 Wien. Infos unter www.handsup.wien

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