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Heiße Erkenntnisse: Grazer Astronomin tritt in russischem Comic auf

06.12.2018

Sonneneruptionen können Störungen im Erdmagnetfeld hervorrufen, die fähig sind, technische Systeme im Weltraum und der Erde massiv zu beeinträchtigen. Derzeit ist die Sonnenaktivität sehr gering, Grazer Forscher haben aber im September 2017 im internationalen Team extreme Sonneneruptionen beobachtet. Ihre Erkenntnisse wurden jüngst publiziert - und fanden auch Eingang in einen Comic-Sammelband.

Die Sonnenaktivität schwankt in einem Rhythmus von etwa elf Jahren zwischen ruhigen und besonders aktiven Phasen, erklärte die Grazer Astrophysikerin und Leiterin des Observatoriums Kanzelhöhe bei Villach, Astrid Veronig, im Gespräch mit der APA. Der aktuell ausklingende Sonnenzyklus ist laut der Grazer Expertin der schwächste seit mehr als 100 Jahren, am 6. und 10. September registrierte die zur Uni Graz gehörende Forschungsstation jedoch zwei extreme Sonnenausbrüche. Die gemessenen Geschwindigkeiten und Beschleunigungen gehören zu den höchsten, die überhaupt je verzeichnet wurden: "Mit mehr als 3.500 Kilometern pro Sekunde wurde das Plasma durch unser Sonnensystem geschleudert", ging die Wissenschafterin ins Detail.

Als Folge des Ausbruchs haben die Forscher eine enorme Schockwelle, die sich über die gesamte Sonne ausgebreitet hatte, identifiziert und analysiert. Bei der Interpretation wies die internationale Forschergruppe, der auch Mitarbeiter des Moskauer Skolkovo Institute of Science and Technology (Skoltech) angehören, eine Abweichung von der klassischen Struktur eines Masseausbruchs auf der Sonne nach. "Erstmals konnte gezeigt werden, dass der innere Kern des koronalen Masseauswurfs eine Signatur extrem starker Magnetfeldverschmelzung darstellt, was zugleich auch die enorm hohe Geschwindigkeit und Beschleunigung erklären kann", berichtete Veronig. Ihre Überlegungen hat Veronig als Erstautorin im "Astrophysical Journal" publiziert.

13 Geschichten zu unterschiedlichen Forschungsergebnissen

Die viel beachtete gemeinsame Publikation hat das Moskauer Skoltech Institut dazu inspiriert, einen Beitrag für den russischen Comic-Sammelband "Das ist wahr" beizusteuern. Der Band versammelt 13 Geschichten, in denen es um neueste Forschungsergebnisse unterschiedlichster Disziplinen geht, die in renommierten Journalen veröffentlicht wurden. Veronig kommt in einem dieser Sci-Comics unter dem Titel "Die gefährliche Sonne" namentlich als Forscherin des Observatoriums Kanzelhöhe vor. Darin stellt sie russischen Kindern die österreichische Forschungsstätte vor und erklärt ihnen die wichtigsten Grundlagen der Sonneneruptionen. "So ein Comic ist ein guter Weg, um Jugendlichen Wissenschaft näher zu bringen. Gerade die Astrophysik fasziniert viele Jugendliche. Oft kommen sie erst über die Fragen der Astronomie zur Physik", schilderte die Lehrende der Universität Graz. Dass sie quasi als "Role Model" ausgewählt wurde, freue sie. Der in Eksmo-Verlag in Russisch erschienene Band soll laut Veronig im kommenden Jahr auch auf Englisch erscheinen.

Die auf rund 1.500 Metern Seehöhe gelegene Kanzelhöhe bei Villach nimmt jede Regung der Sonne genau ins Visier und gilt als eines der wichtigsten Sonnenobservatorien Europas. Strahlungsausbrüche können in Echtzeit detektiert und Warnmeldungen international ausgesandt werden. Mehrere Teleskope beobachten auf der Kanzelhöhe den Fixstern mittels Farbfilter in den verschiedenen optischen Spektralbereichen. Die Daten werden nicht nur an der Uni Graz, sondern auch von internationalen Forscherteams genutzt, um die Physik von Sonneneruptionen zu untersuchen und besser zu verstehen. Das Observatorium informiert auch laufend zum aktuellen Stand unseres Weltraumwetters und zur Sonnenaktivität unter http://weltraumwetter.at.

Service: Astrid M. Veronig, Tatiana Podladchikova et al.: "Genesis and impulsive evolution of the 2017 September 10 Coronal Mass Ejection", go.apa.at/ACcBhpAr

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