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Kreativität als Schlüsseleigenschaft © APA (Punz)
Kreativität als Schlüsseleigenschaft © APA (Punz)

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Kicken mit Köpfchen: Forscher messen Kreativität von Fußballerinnen

11.04.2018

Kreative Lösungen für Probleme zu finden, spielt in vielen Lebenssituationen eine wichtige Rolle - auch beim Fußball. Was im Gehirn von Fußballspielern vor sich geht, wenn sie im Match kreativ auf die Spielanforderungen reagieren, untersuchen Neurowissenschafter an der Universität Graz. Diesmal sind sie auf der Suche nach Spielerinnen, die ihre Kreativität testen lassen wollen.

Im richtigen Moment vom aktuellen Spielprinzip abweichen und eine bessere, überraschende Lösung finden, so könnte man Kreativität im Fußballspiel definieren. Sie wird in dieser Sportart häufig als eine der Schlüsseleigenschaften gesehen, die über Sieg und Niederlage entscheidet. Was spielt sich aber im Gehirn ab, bevor man beispielsweise einen genialen Pass spielt, der den gegnerischen Verteidigern keine Chance lässt? Warum können das bestimmte Spieler besser als andere und wie könnte man die Kreativität der Spieler fördern? Dem ist Andreas Fink vom Arbeitsbereich Biologische Psychologie am Institut für Psychologie der Universität Graz auf der Spur.

Studie mit 90 Amateuren

Fink hat zuletzt gemeinsam mit dem Institut für Kognitions- und Sportspielforschung der Deutschen Sporthochschule Köln an einer Studie mit rund 90 österreichischen und deutschen Fußballamateuren gearbeitet. "Wir benutzen bildgebende Verfahren wie das EEG, also per Hirnstrommessung, oder die funktionelle Magnetresonanztomografie, die es uns ermöglichen, dem Gehirn beim kreativen Denken zuzuschauen", erklärte Fink gegenüber der APA. Dabei hat sich herausgestellt, dass viele unterschiedliche Bereiche des Gehirns beteiligt sind, wenn ein Kicker unorthodox und effektiv erfolgreich für den weiteren Spielverlauf reagiert.

In der jüngsten Studie wurden den Ballkünstlern Videos von Spielsituationen vorgeführt, auf die sie kreativ reagieren sollten. Hier habe sich gezeigt, dass verschiedene funktionelle Netzwerke vor allem im Bereich der visuellen Wahrnehmung und der Bewegungsvorstellung ganz charakteristisch miteinander interagierten, wenn von den Kickern - gedanklich - besonders kreative Lösungen geliefert wurden. Die Studien wurden bereits zur Publikation in zwei wissenschaftlichen Zeitschriften eingereicht, wie Fink berichtete.

Geschlechtsunterschiede im Fokus

Nun will Fink herausfinden, ob die Ergebnisse eins zu eins auf Fußballspielerinnen übertragbar sind. "Wir wollen uns jetzt auf die Frage konzentrieren, ob es im Hinblick auf die Gehirnaktivierungsmuster während der Bearbeitung von Spielsituationen Geschlechtsunterschiede gibt", schilderte Fink. Dazu testet die Grazer Arbeitsgruppe per EEG schon seit einigen Wochen Damen vom SK Sturm Graz sowie vom LUV Graz - beide Vereine sind in der Bundesliga in der höchsten Spielklasse im Frauenfußball angesiedelt.

Den Frauen werden ebenso wie ihren österreichischen und deutschen Kollegen mittels Video Spielsituationen vorgeführt. Wenn sie eine Idee haben, wie sie reagieren würden, sollen sie auf die "Ideentaste" drücken und dann ihren sportlichen Geistesblitz verbalisieren. Die aufgezeichneten Hirnströme werden anschließend in zeitlicher Übereinstimmung mit den verbalen Aufzeichnungen analysiert. "Natürlich würden wir uns aber über noch mehr Zulauf freuen", so Fink. Interessierte Sportlerinnen sollten allerdings zwei bis drei Stunden Zeit mitbringen. "Sie bekommen eine Haube mit EEG-Elektroden aufgesetzt, Haare müssen nicht rasiert werden - allerdings sollten sie im Anschluss gewaschen werden", schloss der Grazer Wissenschafter.

Service: Interessierte Fußballspielerinnen können sich bei Jürgen Bay unter +43 (0)316 380 - 3884 bzw. per Email an juergen.bay@uni-graz.at melden.

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