Kultur & Gesellschaft

Das "andere Geld" wird bereits vielfach diskutiert © Allmenda Social Business eG
Das "andere Geld" wird bereits vielfach diskutiert © Allmenda Social Business eG

Kooperationsmeldung

Komplementäre Währungen: Graswurzelrevolution erobert Terrain

21.10.2013

Von Gernot Jochum-Müller

Je länger die Finanzkrise dauert, desto größer ist die Bereitschaft, sich mit anderen Formen von Geld zu beschäftigen. Die Sehnsucht nach stabilen Formen und Konzepten, die dem investierten Vertrauen gerecht werden, ist groß. Diese Debatten gibt es im Großen (z.B. Monetative : In mehreren Initiativen bündeln sich Kräfte, die die Geldschöpfung zurück in die Hände des Staates wünschen und nicht mehr in den Händen von Banken. In der Schweiz soll es dazu ein Referendum geben) wie auch im Kleinen. Mit Tauschkreisen , Gemeindewährungen, Regionalgeld , etc. schaffen Gemeinden, Regionen oder Initiativen eigene monetäre Instrumente. Debattiert werden diese Modelle für eine bessere Zukunft aktuell in einigen Gemeindestuben und Regierungsbüros. Sprießten in den 90iger Jahren des letzten Jahrhunderts in allen Bundesländern private Tauschkreise bunt wie eine satte Blumenwiese, beschäftigen sich heute öffentliche Stellen sowie eine etablierte Community von Akteuren professionell mit neuen Geldsystemen - im Besonderen mit deren Wirkungen in lokalen und regionalen Kontexten.

Erste Projekte wurden bereits umgesetzt. Die Menschen reagieren großteils verhalten bis positiv und beteiligen sich. Was sich in der Landschaft der neuen Geldformen entwickelt, ist Innovation. Innovation, die hauptsächlich im Kopf stattfindet, aber nicht nur dort. Oder was denken Sie darüber, mehrere Geldformen parallel zu verwenden, statt der einen? Wenn es um Geldsysteme geht, herrscht nicht nur, aber vor allem bei Ökonomen, eine bemerkenswerte Monokultur des Denkens. Die meisten marktwirtschaftlichen Überlegungen, liberale Ideen über die Bedeutung und Wichtigkeit von Märkten versagen. Bei Geldsystemen soll es ein Monopol geben, das nicht weiter hinterfragt werden darf. Unabhängig ob dieses „Instrument“ – nichts anderes ist ein Geldsystem - effektiv, stabil oder hilfreich ist, wird in Debatten an der Monopolstellung festgehalten. Dabei zeigen z.B. Bonuspunkte, mit denen in tausenden Betrieben bezahlt werden kann oder historische Entwicklung von Ländern wie z.B. China, die lange zwei Währungen verwendet haben, dass es in unserer pluralistischen Gesellschaft angebracht wäre, nachzudenken, ob unterschiedliche Geldsysteme nicht sehr praktisch wären. Beispielsweise sollte die Pflege älterer Menschen nicht an der Verfügbarkeit des einen Geldes scheitern. Oder wollen wir uns als eines der reichsten Länder dieser Welt nachsagen lassen, wir hätten nicht über andere nützliche Geldformen nachdenken wollen?

Basis für die Entwicklung von neuen Geldsystemen in Österreich sind die Tauschkreismodelle. In einem derartigen Geldsystem entsteht das Geld, also Verrechnungseinheiten, in dem einzelne Teilnehmer ihr Konto ins Minus führen und andere Mitgliederkonten einen positiven Saldo aufweisen. Martin mäht bei Maria den Rasen, Maria geht 100 Talente ins Minus, Martin 100 Talente ins Plus. Die Summe der Geldeinheiten ist über das System hinweg immer „0“. Die Teilnehmer tauschen Leistungen und Waren und verrechnen diese mit ihren Einheiten. Das sind wechselseitige Kreditsysteme mit demokratischen Regeln und dezentraler Geldschöpfung. Das größte dieser Art entstand mit TALENTE-Vorarlberg. In diesem System bezahlen ca. 2.000 Personen, Vereine und Firmen ihre Tauschgeschäfte mit Talenten. Ein Tauschgeschäft wird in diesem System auf Basis des Zeiteinsatzes bewertet. Für die Bewertung der Leistung gilt die Formel „100 Talente sind eine Stunde.“ Für Unternehmen gibt es einen Umrechnungskurs zum Euro. 100 Talente entsprechen 10 Euro. Pro Jahr werden auf dieser Basis etwa 10.000 Tauschgeschäfte in einem Gesamtumfang von ungefähr 3 Mio. Talenten getätigt. Inzwischen interessieren sich auch Gemeinden für diese Möglichkeit des Bezahlens.

Auf Basis des in den Tauschsystemen erfahrenen Nutzens (neue Netzwerke entstehen, Leistungen die es in Euro nicht mehr gibt können so bezahlt werden und finden Abnehmer, leistbare Dienstleistungen und Handreichungen, die kein Unternehmen mehr anbieten will, etc.) aber auch deren Grenzen (keine Einlösbarkeit in Euro, nicht alle machen mit, Zeitaufwand, etc.) entwickelten sich in den letzten Jahren weitere Geldsysteme. Zum einen sind Systeme entstanden, die ähnlich wie klassische Gutscheinmodelle von Einkaufsgemeinschaften funktionieren. Aber durch ihre Regeln entstehen weitergehende Wirkungen, wie z.B. die Bildung von Kreisläufen (Kunde kauft beim Bäcker, Bäcker geht mit den Scheinen ins Gasthaus, der Wirt kauft beim Bauer, und so fort). Sie werden meist Regionalgelder genannt und können mit einem Abschlag in Euro zurück getauscht werden. Zum Anderen entwickelten sich auch Systeme, die Geldeinheiten nur als (fiktive) Recheneinheit benutzen, aber nicht als Wertaufbewahrungsmittel. Es wird in solchen Systemen z.B. notiert, wer wie viele Stunden für die anderen gearbeitet hat, diese aufgeschriebenen Stunden können dann auch zur gegenseitigen Verrechnung verwendet werden (Tauschgeschäfte), aber alle Teilnehmer haben positive Kontostände. Niemand hat ein Recht auf Einlösung der „Punkte“.

Die unterschiedlichen Geldexperimente bieten für unsere Betrachtungen einen reichen Fundus. Für den Wandel von Graswurzelinitiativen hin zu „Instrumenten“, um Aufgaben im Gemeinwesen zu übernehmen, bieten diese unterschiedlichen Modelle zahlreiche Informationen und Lernfelder. Gerade auch für Universitäten und Fachhochschulen stellt dies ein spannendes und zukunftsweisendes Forschungsfeld dar. Beispiele dafür sind Fragen rund um die Preisbildung in solchen Systemen, die passenden Organisationsprozesse und welche Technik an welcher Stelle eingesetzt werden soll. Aktuelle Projektentwicklungen mit Beteiligung der öffentlichen Hand werden hier nun genauer beschrieben.

Wirtschaften im Kleinen – Beispiel Gemeinde Langenegg

2008 startete die Bregenzerwälder Gemeinde Langenegg in Kooperation mit einer neu gegründeten Genossenschaft, die aus dem Tauschsystem TALENTE Vorarlberg hervorgegangen ist, eine Dorfwährung. Die Erfahrungen als auch die Grenzen des TALENTE Systems waren eine gute Ausgangsbasis für die Konzeption. Schnell wurde deutlich, dass es ein lokales Geldsystem werden soll, das im Unterschied zum TALENTE System in Euro gekauft und zurück getauscht werden kann. Jährlich werden in der 1.100 Einwohner zählenden Gemeinde über 150.000 Euro in "Langenegger Talente" getauscht. Obwohl das dörfliche System auch Talente genannt wurde, ist es kein wechselseitiges Kreditsystem. Die "Langenegger Talente" zirkulieren etwa viermal im Dorf, bevor sie bei der örtlichen Raiffeisenbank in Euro zurückgetauscht werden. 20% der Haushalte und 16 Betriebe nutzen diese Dorfwährung, etwa 80% der Einwohner werden erreicht, und über 600.000 Euro an Kaufkraft verbleiben somit jährlich im Dorf. Die teilnehmenden Haushalte bestätigen, dass ohne den monatlichen Bezug der "schönen bunten Scheine" die Verlockung zu groß wäre, nicht doch zwei Dörfer weiter im Einkaufspark oder bei der Einfahrt in den Bregenzerwald im Discounter einzukaufen. So aber ergibt sich eine tagtägliche Erinnerung, im Dorf einzukaufen! Förderungen der Gemeinde werden in der Dorfwährung ausbezahlt und Betriebe bezahlen Kommunalsteuern in "Langenegger Talenten" an die Gemeinde. So schließen sich Kreisläufe im Dorf neu. Das sichere Arbeitsplätze, betont die Geschäftsleiterin des Dorfladens. Ohne die Dorfwährung könnte der Laden nicht bestehen. 2010 wurde die Gemeinde für diese Währung mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet.

Veränderung muss im Kopf stattfinden

Im Juni 2013 startet die Gemeinde Neukirchen an der Vöckla in Oberösterreich eine Gemeindewährung nach diesem Modell. Herausgeberin ist, wie auch in Langenegg, die ALLMENDA Social Business eG. Diese Genossenschaft bietet ihr Modell inzwischen österreichischen Gemeinden und Regionen an und hofft mithilfe ihres Services und Know-hows auf eine schnellere Verbreitung des Themas im Land. Georg Moosbrugger, Bürgermeister der Gemeinde Langenegg und gern gesehener Referent zum Thema Gemeindegeld bei anderen Bürgermeistern, kann von der Änderung, die es in den Köpfen braucht ein Lied singen. Er meint "Die Dorfwährung ist der Schritt vom Darüber-reden, was man tun sollte, zum konkreten Tun im Alltag". Mit den Wirkungen und Diskussionen ist er fünf Jahre nach dem Start des "Langenegger Talent" bestens vertraut. Nicht alle Langenegger teilen die positive Einschätzung, doch die Gemeinderatsbeschlüsse zum Projekt sind einstimmig positiv.

Im Vorarlberger Klostertal hingegen wurde die regionale Währung der "Klostertaler" bereits nach drei Jahren eingestellt. Zum einen konnte die Selbstfinanzierung des Systems nicht schnell genug erreicht werden, zum anderen wurde das Modell politisch motiviert gestartet, doch dann wollte die Politik dem System nicht mehr die nötige Unterstützung gewähren. Eine weitere wichtige Erfahrung war, dass diese Systeme mit den Unternehmern gemeinsam umgesetzt werden, und nicht für sie. Diese Erfahrung zeigt, "dass es alleine mit dem Drucken der Scheine nicht getan ist". Eine regionale Währung braucht einen großen Rückhalt von vielen, bis der erwartete Nutzen sichtbar ist. Die Veränderung, meist auch eine Verhaltensänderung der Kunden und der Betriebe, muss schlussendlich im Kopf stattfinden.

Sozialer Zusammenhalt mit Stundenwährung – Beispiel Steirische Landesentwicklung

Die steirische Landentwicklung bietet den Gemeinden in der Steiermark ein Modell zur Organisation von nachbarschaftlichen Hilfestellungen an. Jede Gemeinde kann eine oder auch mehrere Gruppen starten. Unterstützt wird die Gemeinde durch Beratung bei der Einführung und eine bereits fertig ausgearbeitete Anwendung mit EDV, Regeln, Formularen, etc. 2012 wurde das Modell in fünf Gemeinden erprobt. Seit Jänner des Jahres 2013 haben bereits mehrere Gemeinden mit der Umsetzung des Zeit-Hilf-Netzes gestartet. Mehr als 180 Mitglieder hat das Netzwerk und es werden laufend mehr. Ziel des Projektes ist es, dass sich die Bürger wieder gegenseitig mehr helfen. Sei es beim Kümmern um die Kinder, bei Einkaufsfahrten oder beim Zubereiten der Mahlzeiten. Junge organisieren sich gemeinsam, rüstige Senioren helfen den Älteren. Wer Hilfe braucht, bekommt diese einfach und unkompliziert. Doch Hilfe anzunehmen ist ein großer Schritt, berichten die Leiter der Gruppen der Pilotgemeinden. Das will schon früh geübt sein. Geben ist für viele einfacher als Nehmen. Damit Schuldgefühle wie "mein Nachbar hat mir geholfen – was gebe ich ihm dafür?“ nicht erst entstehen, wird mit Stunden bezahlt. Jedes Mitglied erhält zum Start fünf Stunden, bei Bedarf auch mehr, gutgeschrieben. Der oder diejenige, die helfen, bekommen Stunden von jener Person gutgeschrieben, die die Leistung in Anspruch nimmt. Wenn die Gemeinde einen Bedarf für Hilfestellungen im eigenen Gemeindegebiet ausmacht, kann sie auf das Zeit-Hilfs-Netz zurückgreifen und selbst Stunden in Umlauf bringen. Organisiert sind diese Gruppen im Verein Lichtblick, der seine Mitglieder auch versichert.

Vorsorge mit alternativen Geldsystemen – Beispiele aus Oberösterreich, St. Gallen (Schweiz) und Bayern

Ein ähnliches System, mit viel enger gefassten Regelungen, stammt aus Oberösterreich. Entwickelt von der Spes Akademie , entstehen nach und nach in Orten Vereine, die unter dem Label „Zeitbank 55+“ [http://www.zeitbank.at] in einem Dachverband zusammengefasst sind. Die Zeitbank 55+ spricht Personen über 55 Jahre an, die sich als Verein formieren und eine verbindliche Gemeinschaft bilden wollen, um sich möglichst lange gegenseitig zu helfen. Die Jungen sollen nicht belastet werden, solange sich die Älteren gegenseitig helfen können. Mehr als 30 Vereine gibt es inzwischen und im Südburgenland soll auf Initiative der Regionalentwicklung Südburgenland Plus ein solches Netzwerk unter der Schirmherrschaft der Zeitbank 55+ entstehen.

Für die Ost-Schweizer Stadt St.Gallen hat der Autor im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen ein Zeitvorsorgekonzept erstellt. Rüstige Senioren arbeiten auf freiwilliger Basis bei Einrichtungen mit, die alte Menschen zu Hause betreuen. Als Dankeschön für die Leistung erhält die/der Helfende eine Stunde gutgeschrieben. Im Unterschied zum steirischen Modell wird die Einlösbarkeit dieser Stunden von der Stadt St. Gallen garantiert. Auch in 30 Jahren noch. Im August 2013 startete die für dieses Vorhaben eigens gegründete Stiftung ihre Arbeit. Im städtischen Amt für Gesellschaftsfragen wurde erkannt, dass dieses Modell viele Vorteile in sich vereint: Das unabdingbare Wachstum an Betreuungsleistungen, die von Profis erbracht werden müssen, kann reduziert werden. Soziale Netzwerke von Aktiven entstehen, was die beste Prävention für die Leiden im Alter darstellt. Darüber hinaus werden Leistungen für die Betroffenen günstiger und die Stadt kann sparen. Wenn nur fünf Personen ein Jahr länger zu Hause bleiben könnten, die sonst in ein Heim gehen würden, rechnet sich das Modell für alle.

Das Bayrische Staatsministerium für Sozialordnung geht einen interessanten Weg. Es wird aktuell ein Förderprogramm für Seniorengenossenschaften aufgelegt. Seniorengenossenschaften sind in diesem Modell Vereine, die Hilfe auf Wechselseitigkeit organisieren, nicht unähnlich der Zeitbank 55+. Einige der Modelle verrechnen nicht in Euro sondern in Stunden. Im Unterschied zu Österreich gibt es in Deutschland eine steuerliche Besserstellung dieser Bezahlform. Eine Garantie der Leistung durch die öffentliche Hand, wie in St.Gallen, ist aber nicht vorgesehen.

Öffentliches Nachdenken über ergänzende Währungen

In Österreich gibt es aktuell etwa 45 verschiedene solcher Regionalgelder, Tauschsysteme oder Geldexperimente. Dass sich Gemeinden und Regierungen mit solchen ergänzenden Währungen beschäftigen, ist allerdings ein neues Phänomen. Für diese Entwicklungen gibt es mehrere unterstützende Impulse:

Von den Initiativen wurden inzwischen die meisten rechtlichen Unklarheiten ausgeräumt, so hat der Vorarlberger Gemeindeverband, die Gemeindeaufsicht des Landes Vorarlberg und die Finanzmarktaufsicht grünes Licht für die Modelle von TALENTE Vorarlberg und der Euro-gedeckten Systeme wie in Langenegg gegeben. Dort können Kommunalsteuern und Förderungen der Gemeinden in diesen Währungen bezahlt werden. Auch die steuerrechtlichen Fragen wurden in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer und den Gebietskrankenkassen geklärt. Viele dieser Regelungen wurden inzwischen auch von anderen Behörden in Österreich übernommen.

Die Idee, dass es mehrere Geldformen zur Erreichung von bestimmte Zielen geben könnte, wird durch Modelle unterstützt, die öffentlich anerkannte Preise gewinnen. Z.B. hat die Verleihung des Europäischen Dorferneuerungspreises für die Gemeinde Langenegg einen wichtigen Multiplikationsbeitrag geleistet. Die technische Entwicklung, die von der Community in den letzten Jahre gemeinsam vorangetrieben wurde, ermöglicht die professionelle Verwaltung solcher Systeme. Heute kann z.B. per Smartphone App in regionaler Währung überwiesen werden. Dies ist leichter umzusetzen, als eigene Kartenterminals zu installieren.

Einzelne Akteure der Community haben sich in den letzten Jahren in der Praxis qualifiziert und sind heute in der Lage, die komplexen Modelle zu skizzieren und unterschiedliche Währungskonzepte auf die lokalen oder regionalen Bedürfnisse anzupassen. Die Bildungsaktivitäten von vielen Initiativen haben auch einen wichtigen Beitrag zum Lernen auf vielen Ebenen geleistet. Die Finanzkrise 2008 / 2009 hat zwar nicht dazu geführt, dass diese Systeme einen großen Zulauf erhielten, aber die Debatten mit öffentlichen Stellen haben deutlich an Ernsthaftigkeit gewonnen. Und nicht zuletzt leiden immer mehr Gemeinden an Geldknappheit. Hier zeigen Modelle, wie die Zeitvorsorge in St.Gallen (CH), Perspektiven auf, wie nicht einseitig gespart wird, aber dennoch finanzielle Effekte erzielt werden können.

Viele der Graswurzelprojekte sind gescheitert, haben aber wertvolle Erfahrungen für die nachfolgenden Modelle geschaffen. Analysen über deren Wirkungen und Ursachen des Scheiterns sind lohnenswert und könnten manche Abschlussarbeit einer Uniausbildung füllen. Meist scheiterten die Initiativen an den komplexen rechtlichen Fragen bzw. daran, sich mit diesen qualifiziert zu beschäftigen. Die entstehende Unsicherheit hat viel Engagement gelähmt. Ein wichtiges und eher neues Thema ist, wie der Shift von der Initiative zur „Institution“ gelingen kann. Diese Frage wird sich durch die geforderte Professionalisierung vor allem an den Finanzierungsmöglichkeiten dieser Systeme weisen. Denn rein durch ehrenamtliches Engagement wird diese Entwicklung nicht zu bewerkstelligen sein.

Andererseits können Gemeinden und Regionen heute auf bestehendem Wissen aufbauen und die vorhandenen Erfahrungen nutzen. Die wichtigsten Grundlagen für eine legale Umsetzung sind erarbeitet. Neben allen technischen und rechtlichen Fragen gibt es heute auch einen Erfahrungsschatz, wie solche Systeme in einem Gemeinwesen eingeführt werden können. Diese und sicherlich auch andere Faktoren führen dazu, dass heute immer mehr Menschen auf verschiedenen Ebenen, in der Zivilgesellschaft, in Gemeindestuben oder auch auf Regierungsebene über dieses neue Thema ernsthaft diskutieren. Es kann also mit Überzeugung behauptet werden, dass heute sehr gute Grundlagen vorhanden sind, um über neue, den Euro ergänzende Geldsysteme, nachzudenken und weitere Modelle zu etablieren.

Der Autor:

Gernot Jochum-Müller MSc, ist Geschäftsführer der Jochum-Müller OG für runde geradlinige Unternehmensentwicklung, Mitgründer und Obmann von TALENTE-Vorarlberg und Geschäftsführender Obmann der ALLMENDA Social Business eG. Seit einigen Jahren unterstützt er bei der Konzeption und Implementierung von komplementären Währungen. Als Berater für Unternehmen ist er spezialisiert auf Organisationsentwicklung, mit einem Fokus auf Führen und Entscheiden in Unternehmen.

Links:

Jochum-Müller OG www.jochum-mueller.at

TALENTE-Vorarlberg www.talente.cc

ALLMENDA Genossenschaft www.allmenda.com/regionalwährungen/

VTaler www.vtaler.at

NEUKI www.neuki.at

Bayrisches Staatsministerium www.stmas.bayern.de/senioren/aktive/genossenschaften.php

Monetative www.monetative.de, www.vollgeld.ch

E-mail an die Redaktion: innovating@apa.at

STICHWÖRTER
Deutschland  | Österreichweit  | Schweiz  | Österreich  |
Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung