Kultur & Gesellschaft

Frauen unter höherem Wettbewerbsdruck © APA (Fohringer)
Frauen unter höherem Wettbewerbsdruck © APA (Fohringer)

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Kooperation ist menschlich und vor allem männlich

10.10.2017

Männer kooperieren untereinander mit Abstand häufiger als Frauen und gemischte Pärchen, fanden Verhaltensforscher der Universität Wien mit Kollegen heraus. Insgesamt konnten sie der Spezies Homo sapiens sehr hilfsbereites Verhalten attestieren. Selbst in einem von Konkurrenz geprägtem Umfeld sei die Bereitschaft zur Zusammenarbeit hoch. Ihre Studie erschien im Fachmagazin "Scientific Reports".

"Es gab schon viele Experimente, bei denen Menschen sich sehr prosozial und kooperativ zeigten, aber bis jetzt wurde dies immer unter artifiziellen Konditionen getestet", sagte Jorg Massen vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien im Gespräch mit der APA - nämlich in gestellten Situationen meist mit Psychologiestudenten. Er habe deshalb eine aus dem Leben gegriffene Aufgabe in einem sehr kompetitiven Milieu ausgesucht: der Wissenschaft. Wenn die Menschen hier Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigten, wären sie tatsächlich eine kooperative Spezies, meint er.

300 Forscher um Rohdaten gebeten

Die Forscher haben rund 300 Fachkollegen aus der ganzen Welt frech um ihre wissenschaftlichen Rohdaten gebeten, unter dem Vorwand, dass sie diese für eine Metastudie brauchen würden, also um die Daten verschiedener Forscher kollektiv auszuwerten. Sie boten ihnen dafür nichts an - weder eine Mit-Autorenschaft an damit entstehenden Publikationen noch anderes. Im Schnitt war mehr als die Hälfte der Wissenschafter (59 Prozent) dazu bereit.

Es war aber alles andere als irrelevant, von welchem Geschlecht der Bittsteller und der Gönner waren. Männer kooperierten mit Männern weitaus häufiger (72 Prozent) als bei allen anderen Konstellationen, also Frauen untereinander (56 Prozent), wenn ein Mann bei einer Frau angefragt hat (53 Prozent) oder eine Frau einen Mann um seine Daten bat (54 Prozent), erklärte Massen.

"Solche Unterschiede bei den Geschlechtern reflektieren vielleicht den höheren Wettbewerbsdruck, den Frauen wahrnehmen, traditionell männliche Netzwerke in den akademischen Kreisen sowie unsere evolutionäre Vergangenheit, in der vor allem Allianzen zwischen Männern vorteilhaft waren", meint der Forscher. Er selbst hätte übrigens nicht auf das Geschlecht der anfragenden Person geachtet, sondern nachgefragt, was denn genau mit seinen Daten passieren soll.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41598-017-13491-0

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