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Gruppen nach dem Zufallsprinzip gebildet © APA (dpa)
Gruppen nach dem Zufallsprinzip gebildet © APA (dpa)

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Kuschelhormon Ocytocin fördert Kooperationsbereitschaft von Menschen

04.07.2018

Das als Kuschelhormon bekannte Ocytocin fördert Bindungen zwischen Müttern und ihren Kindern oder zwischen Sexualpartnern. Nun haben Neuenburger Forscherinnen gezeigt, dass Ocytocin auch die Kooperationsfreudigkeit in sozialen Beziehungen beeinflusst.

Die Psychologin Jennifer McClung und die Biologin Zegni Triki vom Zentrum für Kognitionswissenschaften der Universität Neuenburg ließen Versuchspersonen in einem Experiment auf eine Art Ostereierjagd gehen. Die Plastikeier enthielten Schrauben in verschiedenen Farben. Als Anreiz für die Eiersuche wurden Personen für eingesammelte Schrauben in einer bestimmten Farbe mit je einem Franken (rund 90 Cent) belohnt.

Die Forscherinnen bildeten nach dem Zufallsprinzip mehrere Gruppen. Die Gruppenzugehörigkeit war auf einem Badge, den die Probanden trugen, ersichtlich. Anschließend wurden diese paarweise auf Eiersuche geschickt. Einige der Paare bestanden aus Mitgliedern derselben Gruppe, andere aus Angehörigen verschiedener Gruppen. Während der Eiersuche hatten die Versuchspersonen mehrfach die Gelegenheit, einander zu helfen. Sie konnten aber auch einfach ihr eigenes Interesse verfolgen und für sich selbst Schrauben sammeln.

Natürlich vorhandenes Ocytocin gemessen

Um zu ermitteln, welchen Einfluss das Ocytocin auf die Kooperationsbereitschaft hat, maßen die Forscherinnen vor dem Experiment bei sämtlichen Teilnehmenden deren natürlich im Speichel vorhandenes Ocytocin. Bisher wurde in vergleichbarer Forschung meistens eine Dosis des Hormons per Nasenspray verabreicht, wie aus einer Mitteilung der Universität Neuenburg hervorgeht.

Es zeigte sich, dass erhöhte Ocytocin-Werte bei den Probanden tatsächlich die Bereitschaft auslösten spontan zu helfen. Allerdings galt dies nur für Paare, die derselben Gruppe angehörten. "Selbst wenn ihre Ocytocin-Werte erhöht waren, entschieden sich Personen, die unterschiedlichen Gruppen angehörten, eher dafür, alleine auf die Jagd zu gehen statt sich mit dem Partner zusammen zu tun", wird McClung in der Mitteilung zitiert.

Auch die Unterhaltungen der Eiersuchenden waren vom Hormon beeinflusst, wie ein zweites Experiment zeigte. So zählten die Forscherinnen bei den Paaren aus Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen mehr Äußerungen, die auf rein eigennützige Ziele verwiesen, wie sie im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" berichten. Bei Paaren aus derselben Gruppe gab es weniger Aussagen dieses Typs.

Ocytocin-Pegel bei unkooperativen Personen gesunken

Außerdem stellten die Wissenschafterinnen und ihre Kollegen fest, dass die Ocytocin-Pegel bei unkooperativen Versuchspersonen, die nicht der gleichen Gruppe angehörten wie ihre Partner, nach der Eiersuche gesunken waren.

Zusammengenommen sprechen die Befunde dafür, dass Ocytocin die Kooperationsbereitschaft von Menschen beeinflusst und auch soziale Unterschiede aufrechterhält. Insbesondere zeigen die Experimente, dass auch natürlich vorkommende Konzentrationen des Hormons mit kooperativem Verhalten innerhalb einer sozialen Gruppe verbunden sind.

Die Forscherinnen schließen daraus, dass Ocytocin dabei hilft, soziale Hinweisreize zu verstehen und das sozial angemessene Verhalten zu zeigen. Die Kooperation innerhalb der Gruppe - auch wenn sie zufällig zusammengestellt wurde - stärkt deren Verbundenheit, während weniger Zusammenarbeit zwischen den Gruppen die soziale Distanz aufrechterhält.

Service: Fachartikelnummer DOI: 10.1098/rspb.2018.0939

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